Der deutsche Bauernkrieg

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Diese Unterrichtseinheit stellt eine Einführung in das Thema "der deutsche Bauernkrieg" dar. Die Schülerinnen und Schüler setzen anhand von Quellen einen mit Pixton erstellten Comic fort.

Inhaltsverzeichnis

Autoren

Sebastian Hoch, Sebastian Vey, Thilo Walter

Klasse und Klassenstufe

Die Unterrichtseinheit ist gedacht für die 8. Klasse einer Realschule.

Zeitbedarf

Für die Durchführung sind acht Schulstunden veranschlagt.

Arbeitsauftrag

- Erarbeitet anhand der Quellen eine mögliche Reaktion der Bauern auf die dargestellte Situation. Begründet euer Ergebnis.
- Führt die Geschichte mit Pixton fort. Haltet eure Entwürfe zuerst auf einem Storyboard fest.

Sachanalyse

Der Bauernkrieg in Deutschland wird im Zusammenhang mit dem Themenbereich „Lebens- und Wirtschaftsformen in der Vergangenheit“ thematisiert. Im Vorfeld wurden bereits das Leben der Menschen im Mittelalter, die Ständegesellschaft sowie Martin Luther und die Reformation behandelt. Zeitlich stellt die Besprechung des Bauernkrieges einen thematischen Übergang vom Mittelalter in die Neuzeit dar. Der Bauernkrieg in Deutschland ab 1524 ging aus Bauernaufständen im süddeutschen Raum hervor. Der Krieg war also kein plötzlich auftretendes Phänomen, sondern stellte das Ende einer längeren Entwicklung dar.

Zur Zeit des Bauernkrieges stellte die Grundherrschaft die Besitzstruktur des ländlichen Raumes dar. Die Bauern leisteten den Hauptanteil zur Erhaltung der Gesellschaft und vor allem zur Erhaltung des Lebensstandards der Adligen und Fürsten, also der jeweiligen Grundherren. Sie hatten Abgaben in Form von Zöllen und Steuern zu leisten. Besonders zu erwähnen sind dabei die Zehnten, der Großzehnt und der Kleinzehnt, von denen erstgenannter Korn und Wein und zweitgenannter Heu, Gemüse, Obst und Vieh umfasste. Weiterhin hatten die Bauern Frondienste zu verrichten. Solche Fronen gab es sowohl im agrarischen als auch im gewerblichen Bereich. Darunter fielen auch die Herbergspflicht für die Jagdgesellschaft oder die Bewachung von Ernten und Herden. Weigerte sich ein Bauer diese Abgaben und Dienste zu leisten, war mit schweren Strafen zu rechnen. Gefängnis- oder gar Todesstrafe wurden gar bei sogenanntem Waldfrevel verhängt. Dieser meinte die Jagd auf Wild in den Wäldern des Grundherrn, wozu die Bauern keine Genehmigung hatten.

All diese Ungerechtigkeiten gegenüber den Bauern führten zunächst zu lokalen Erhebungen, die sich bald auf weite Teile des süddeutschen Raumes ausdehnten. Zentrales und richtungweisendes Dokument dabei waren die Zwölf Artikel, in denen die Bauern ihre Beschwerden und Forderungen formulierten. In dieser Schrift legitimierten die Bauern ihren Aufstand mit dem Evangelium und richteten sich dabei nach Martin Luther. Dieser jedoch stellte sich nicht auf die Seite der Bauern, sondern verurteilte den Aufstand. Im Verlauf des Bauernkrieges sammelten sich Bauerngruppen zunächst in verschiedenen Gebieten und begannen Städte zu überfallen und Klöster und Adelssitze zu plündern. Die bedeutendste Schlacht während des Krieges war die Schlacht bei Frankenhausen 1525, bei der die Bauern eine empfindliche Niederlage erlitten. Die Bauern wurden vollständig besiegt und der Anführer Thomas Müntzer gefangen genommen und hingerichtet. Bis September 1525 waren schließlich alle Aufstände niedergeschlagen.

Methodischer Kommentar

Aus der vorhergegangen Analyse dieser Einheit von vier Schulstunden wird erkenntlich, dass die Einheit produktionsorientiert angelegt ist. Die SuS erhalten die Möglichkeit, anhand der Arbeit mit Bildergeschichten in digitaler Form, ihre eigene Narration kreativ entstehen zu lassen. Dahinter verbirgt sich das Unterrichtsprinzip des Entdeckenden Lernens, das Digital Storytelling. Hierzu haben wir die web 2.0 Anwendung Pixton (www.pixton.com) gewählt, die es ermöglicht nach kurzer Einarbeitsphase, Comics zu entwerfen. Diese Online Comic- Anwendung bietet eine Vielzahl von Möglichkeiten einfach, ohne großes zeichnerisches Talent, Figuren und Szenarien mit wenigen geübten Mausklicks zum Leben zu erwecken. Eine Alternative hierzu wären andere web 2.0 Tools. Hierfür liegen der Schule jedoch keine Lizenzrechte vor.

Die SuS erhalten zur Beginn der ersten Stunde ein mit Pixton produziertes Comic in Form von sechs Bildern (s.h Anhang). Dies dient als Einleitung in das Thema. Auf den Bildern ist das Leben des Bauern Franz um 1523 zu sehen. Es ist klar zu erkennen, dass dem Bauern durch einen Adligen alles, was er erwirtschaftet hat, genommen oder verboten wird. Unter dem Comic ist ein Arbeitsauftrag gedruckt. Dieser fordert die SuS auf, mit dem oben genannten Programm die Geschichte, mit Hilfe von Vorwissen und Quellenmaterial, weiter zu erzählen.
Das bereitgestellte Quellenmaterial wird in Folienmappen an die jeweiligen Gruppen ausgegeben. Wir haben uns anhand der Schülerzahl und der Anzahl der verfügbaren Computer für eine Gruppenstärke von drei SuS entschieden. Dies bringt den Vorteil, dass alle Mitglieder der Gruppen die Möglichkeit bekommen, aktiv an der Geschichte mit zu arbeiten. Der erste Schritt nach der Gruppenfindung, ist die Quellenarbeit. Es werden drei unterschiedliche perspektivische Quellen aus der Zeit nach der Reformation angeboten. Mit einer stärkeren Klasse würde es sich an dieser Stelle anbieten, eigene Recherche im Internet zum Thema zu betreiben. Dies wird aber aus dem Verhalten der Klasse heraus und aus zeitlichen Gründen durch vorgelegte Quellen zielgerichteter initiiert.
Nach der Bearbeitung der Quellen halten die SuS anhand eines Storyboards ihre Ideen fest. Bevor die SuS von den Arbeitstischen an die Computer wechseln, findet eine kurze Besprechung mit dem Lehrer statt. Dies dient als Kontrolle der bereits erarbeitet Ergebnisse. Bei eventuell auftretenden zu abstrakten Geschichten, z.B. ohne das Miteinbeziehen der Quellen, wird die Gruppe aufgefordert, den vorhergegangenen Schritt zu wiederholen.
Die Anzahl der zu erstellenden Bilder ist auf mindestens drei, höchstens fünf reduziert. Diese Begrenzung beherbergt zwei Aspekte in sich. Zum einen ist die Herstellung von mehr Bildern in vier Stunden nicht möglich. Zum andern sollen die SuS mit diesem Medium erlernen, ihre Narration in wenigen Bildern ausdrücken zu können, so dass jedoch der Sachverhalt klar wird. Die Arbeit wird frei verlaufen und der Lehrer bietet nur Hilfestellungen an.

In der siebten Stunde werden die SuS ihre Comics vorstellen. Hierzu werde ich im Klassenraum ein Beamer und Laptop bereit stellen. Die SuS werden innerhalb von fünf Minuten den anderen Gruppen ihre Ergebnisse präsentieren. Es werden alle Mitglieder der Gruppe aufgefordert, bei der Erzählung ihrer Geschichte mitzuwirken (s.h. Arbeitsauftrag). Im Anschluss der Präsentationen findet eine Diskussion über die denkbaren Verläufe statt. Die SuS sollen argumentieren, warum gerade diese Weiterentwicklung der Geschichte für sie denkbar ist.

Einbindung Lehrplan

Die Unterrichtseinheit stellt einen Übergang vom Thema „Die Ständegesellschaft im Mittelalter“ zum Thema „Neuzeit“ dar. Dementsprechend werden Kompetenzen aus beiden Themenkomplexen erlernt.

Mittelalter: „Die Schüler können die gesellschaftlichen und herrschaftsmäßigen Veränderungen in Bezug auf die Gegenwart aufzeigen“

Neuzeit: „Die Schüler können Gründe für die Reformation nennen sowie deren Auswirkungen auf Kirche und Gesellschaft beschreiben“

Unsere Einheit legt den Schwerpunkt auf die Beziehung zwischen Bauern und dem Adel. Im Comic wird vereinfacht dargestellt, was den Bauern zur Zeit der Reformation durch geltendes Recht untersagt war.

Zielsetzung und Kompetenzbereiche:

Fachlich

- Die SuS kennen die Situation der Bauern zu Anfang des 16. Jahrhunderts.
- Die SuS erarbeiten sich den Verlauf des Bauernkrieges

Methodisch

- Die SuS schulen ihre Fertigkeiten im Umgang mit dem web 2.0 tool Pixton.
- Die SuS üben den Umgang mit Quellen.
- Die SuS sind in der Lage, eine eigene Narration in Comicform zu erstellen.
- Die SuS stärken sowohl ihre De-Konstruktionskompetenz als auch ihre Re-Konstruktionskompetenz.
- Die SuS besitzen Darstellungsfähigkeiten und können selbst ein Geschichte nach historiographischen Rageln darstellen.
- Die SuS könne aus Quellen zeitdifferente Ereignisse entnehmen und sinnbildend zu einer Erzählung verbinden


Historische Fragekompetenz

Die Schülerinnen und Schüler kennen das Feudalsystem bereits und können die Geschehnisse im Comic begründen. Ziel ist, dass sie sich die Frage nach dem weiteren Verlauf der Geschichte stellen. Die so gestellten Fragen beantworten die Schüler anhand der zu Verfügung gestellten Quellen selbst.

Historische Metodenkompetenz

Zu Beginn der Einheit wird die De-Konstruktionskompetenz der Schüler insofern gefordert und gefördert, dass sie den zur Verfügung gestellten Comic dekonstruieren müssen, um zu erkennen, dass die Situation der Bauern im Spätmittelalter dargestellt ist. Zur Stärkung der Re-Konstruktionskompetenz bieten die zu Verfügung gestellten Quellen verschiedene Perspektiven auf die Situation vor Ausbruch des Krieges. Erwartet wird, dass die von Schülern erstellten Fortsetzungen zu jeweils mindestens einer Quelle passen.

Beschreibung des Unterrichtsverlaufs

1.+2. Stunde:

- Einstieg mit Hilfe des Comics
- SuS äußern ihre Gedanken bezüglich der Situation der Bauern, der Lehrer hält hält plausible Antworten an der Tafel fest. (Unterrichtsgespräch)

- Die SuS arbeiten in Gruppen anhand von Quellen mögliche Folgen der im Comic dargestellten Ereignisse heraus. (Gruppenarbeit )
- Auf dem Tafelbild wird zum Ende der Stunde der Begriff “Bauernkrieg” eingeführt.

3. bis 6. Stunde:

- Die SuS halten auf einem Storyboard einen Entwurf ihrer Narration fest.
- Die SuS erstellen ihre Narration mit Pixton.

7. bis 8. Stunde:

- Die Gruppen präsentieren ihre Ergebnisse

Material

Einstiegscomic

Pixton Comic Bauernkrieg.png

Quellen

Q1 Auszug aus: Wir sind des Geyers schwarzer Haufen

Uns führt der Florian Geyer an, trotz Acht und Bann,
den Bundschuh führt er in der Fahn', hat Helm und Harnisch an.
Als Adam grub und Eva spann, kyrieleys,
wo war denn da der Edelmann? kyrieleys.
Des Edelmannes Kindelein, heia hoho,
das schicken wir in die Höll' hinein, heia hoho.
Nun gilt es Schloß, Abtei und Stift, heia hoho,
uns gilt nichts als die Heil'ge Schrift, heia hoho.
Das Reich und der Kaiser hören uns nicht, heia hoho,
wir halten selber das Gericht, heia hoho.
Ein gleich' Gesetz das wollen wir han', heia hoho,
vom Fürsten bis zum Bauersmann, heia hoho.
Wir woll´n nicht länger sein ein Knecht, heia hoho,
Leibeigen, frönig, ohne Recht, heia hoho.

http://www.volksliederarchiv.de/text1272.html

Q2 Die Zwölf Artikel

2. Von dem großen Zehnten sollen die Pfarrer besoldet werden. Ein etwaiger Überschuss soll für die Dorfarmut und die Entrichtung der Kriegssteuer verwandt werden. Der kleine Zehnt soll abgetan (aufgegeben) werden, da er von Menschen erdichtet ist, denn Gott der Herr hat das Vieh dem Menschen frei erschaffen.

3. Ist der Brauch bisher gewesen, dass man uns für Eigenleute (Leibeigene) gehalten hat, welches zu Erbarmen ist, angesehen dass uns Christus alle mit seinen kostbarlichen Blutvergießen erlöst und erkauft hat, den Hirten gleich wie den Höchsten, keinen ausgenommen. Darum erfindet sich mit der Schrift, dass wir frei sind und sein wollen.

4. Ist es unbrüderlich und dem Wort Gottes nicht gemäß, dass der arme Mann nicht Gewalt hat, Wildbret, Geflügel und Fische zu fangen. Denn als Gott der Herr den Menschen erschuf, hat er ihm Gewalt über alle Tiere, den Vogel in der Luft und den Fisch im Wasser gegeben.

6. Soll man der Dienste (Frondienste) wegen, welche von Tag zu Tag gemehrt werden und täglich zunehmen, ein ziemliches Einsehen haben (sie ziemlich reduzieren), wie unsere Eltern gedient haben, allein nach Laut des Wortes Gottes.

7. Soll die Herrschaft den Bauern die Dienste nicht über das bei der Verleihung festgesetzte Maß hinaus erhöhen. (Eine Anhebung der Fron ohne Vereinbarung war durchaus üblich.)

8. Können viele Güter die Gült (Pachtabgabe) nicht ertragen. Ehrbare Leute sollen diese Güter besichtigen und die Gült nach Billigkeit neu festsetzen, damit der Bauer seine Arbeit nicht umsonst tue, denn ein jeglicher Tagwerker ist seines Lohnes würdig.

9. Werden der große Frevel (Gerichtsbußen) wegen stets neue Satzungen gemacht. Man straft nicht nach Gestalt der Sache, sondern nach Belieben (Erhöhungen von Strafen und Willkür bei der Verurteilung waren üblich). Ist unsere Meinung, uns bei alter geschriebener Strafe zu strafen, darnach die Sache gehandelt ist, und nicht nach Gunst.

Q3 Brief Ludwig V. an Philipp Melanchton

Der Kurfürst Ludwig V. von der Pfalz schrieb am 18. Mai 1525 an den evangelischen Reformator Philipp Melanchthon in Wittenberg einen Brief mit der Bitte, u. a. das Verhalten der Bauern zu beurteilen.
Melanchthon schrieb in seinem Antwortbrief: „[…] daß dies ein wildes ungezogenes Bauernvolk sei und die Obrigkeit recht tue. Außerdem ist der Zehnte rechtens, die Leibeigenschaft und Zinsen seien nicht frevelhaft. Die Obrigkeit kann die Strafe setzen nach der Not im Lande und die Bauern haben nicht das Recht der Herrschaft ein Gesetz zu diktieren. Für solch ein ungezogenes, mutwilliges und blutgieriges Volk nennt Gott das Schwert.“

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