Digital Storytelling - Narration im GU

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Das CENTER FOR DIGITAL STORYTELLING in Berkley hat sieben Regeln entwickelt (vgl. JOE LAMPERT, 2010), die man beim Erzählen digitaler Geschichten beachten soll. Diese wurden von der UNIVERSITY OF HOUSTON um drei weitere Regeln modifiziert. Für den Unterricht in deutschen Schulen sind diese Schritte geeignet, jedoch wurden sie hier um didaktische Prinzipien erweitert, bzw. verkürzt, so dass sie sich besser in einen Unterricht, wie er an deutschen Schulen stattfindet, einbetten lassen. (http://digitalstorytelling.coe.uh.edu/ 02.01.2012)

1. Der Anlass der Narration Lehrende sollen lernen, dass einer guten Narration ein ganz spezifischer Anlass inne wohnt, der genau begründet werden muss. Es sollen also Fragen zum Thema gestellt werden, die durch die Narration des Autors beantwortet werden.

2. Perspektive des Autors Worauf richtet sich das Hauptaugenmerk der Geschichte und was ist die Perspektive des Autors? Wird über Inhalte aus Texten/Quellen berichtet, müssen diese zuerst analysiert werden. Im Bereich der Kompetenzorientierung im Geschichtsunterricht würde dies der Dekonstruktion der Quelle/Darstellung entsprechen, die sich aber auch auf andere Fächer, mit jeweils unterschiedlichem Schwerpunkt übertragen lässt. Bei der historischen Dekonstruktion soll die Absicht des Text/Quellen-Autors analysiert werden, warum er/sie diesen Text/diese Quelle in der dargebotenen Form geschaffen hat. Dies geschieht ähnlich der Textanalyse im Deutschunterricht. Erst dann kann der Autor seinen eigenen Standpunkt einnehmen.

3. Eine dramatische Frage Damit der Zuschauer der Erzählung folgen möchte, benötigt die Geschichte einen Spannungsbogen, der sich durch die gesamte Narration zieht. Das kann z.B. das bekannte Motiv „Wird der Junge das Mädchen bekommen?“ sein, „Wird der Held sein/ihr Ziel erreichen?“ oder „Wer hat es getan?“. Solche allgemeinen, dramaturgischen Fragen lassen sich leicht auch auf profundere Unterrichtsinhalte übertragen. Diese eine dramatische Frage leitet sich aus Punkt eins dieser Liste ab. So könnte die Frage, wiederum am Beispiel des Geschichtsunterrichts entwickelt, lauten: „Wie konnte Mao Zedong vom kleinen, unbedeutenden Geschichtslehrer zum Großen Vorsitzenden der Kommunistischen Partei Chinas werden?“

4. Die Auswahl des Inhaltes Zur Darstellung des Inhaltes muss eine Art „Storyboard“ entwickelt werden. Werden diese Inhalte aus bereits existierenden Texte/Quellen entnommen, müssen die Inhalte rekonstruiert werden. D.h. es müssen Inhalte verkürzt, zusammengefasst und exzerpiert werden. An dieser Stelle lässt sich der inhaltliche Aufbau der Geschichte am besten von der Lehrkraft kontrollieren und beeinflussen. Die schriftliche Fixierung des „Storyboards“, auf dem auch die graphische Darstellung der Inhalte des Videos niedergelegt werden sollen, ist somit besonders wichtig.

5. Die Stimme Eine Möglichkeit der Geschichte mehr Persönlichkeit zu geben und dabei das Verständnis für den Inhalt seitens der Zuschauer zu verstärken, ist der Einsatz von auditiven Erzählelementen im Video. Natürlich können Inhalte der Narration auch schriftlich erfolgen. Diese Informationen können aber nur sehr kurz gehalten werden, da der Zuschauer nicht durch zu viel Text überfordert werden darf. Anders verhält es sich, wenn der Autor seine eigene Stimme dafür einsetzt. Damit dies aber zielführend verlaufen kann, muss den Lernenden zuvor vermittelt werden, wie man am besten eine solche begleitende Audioaufnahme gestaltet. Die Audioaufnahme kann dabei viele Funktionen erfüllen. Soll sie eher gestaltet sein wie bei einem Nachrichtensprecher oder bei einem Kommentar für eine Geschichtsdokumentation? Soll sie dramaturgische Elemente enthalten, wie z.B. bei einem Hörspiel, oder soll die Audioaufzeichnung eher der dramatischen Gedichtslesung eines Peter Hankes entsprechen? Die Unterschiede und Funktionen müssen den Lernenden im Vorfeld ebenfalls bewusst gemacht werden.


6.+ 7. Die Geschwindigkeit/Taktung der Narration und deren Ökonomie Die Planung und Ausarbeitung beim „Digital Storytelling“ soll bewusst die Zuschauer mit einbeziehen. Dafür ist es unerlässlich, dass der Autor Schlüsselstellen seiner Narration erkennt und dazu die passenden Bilder, Videos oder Texte, etc., aussucht. Dabei ist es wichtig darauf zu achten, dass dem Publikum gerade so viele Informationen vermittelt werden, die notwendig dafür sind, den Inhalt der Narration zu verstehen. Dann muss der nächste Punkt der Geschichte folgen. Die Taktung erfolgt nach dem Rhythmus der Geschichte. Ist sie zu langsam, dann wird riskiert, das Publikum zu langweilen. Ist sie zu schnell, kann der Inhalt vom Publikum nicht aufgenommen werden. Dabei ist es manchmal auch wichtig, dass eine Pause eingelegt wird, in der der Zuschauer Zeit zum Nachdenken erhält und aufgenommene Inhalte verarbeiten kann. Danach kann die Geschichte weitergehen. Mit einer gewissen Sicherheit lässt sich sagen, dass die Taktung und die Entwicklung des Spannungsbogens entscheidend zum Erfolg beim „Digital Storytelling“, aber auch jeder anderen Erzählform, beiträgt.

8. Die Verwendung der Musik Mit Sicherheit ist die Verwendung von Musik in einem Film die beste Möglichkeit, um emotionale Handlungsabläufe in der Narration zu unterstützen oder zu verstärken (vgl. IMORT, 2006, S. 155-162). Daher sollte Musik auch beim „Digital Storytelling“ eingesetzt werden. Eine wichtige Rolle kann die Musik bei der Taktung des Videos spielen. So lassen sich die gewünschten Pausen relativ einfach überbrücken.

9. Qualität der Bilder, Videos und anderen multimedialen Elementen Bei der Einbindung verschiedener multimedialer Inhalte ist darauf zu achten, dass sowohl die technische, als auch die inhaltliche Qualität und Tiefe der Medien gewährleistet ist. Die Lernenden sollen dazu herangeführt werden, sich stets um die professionellste Darstellung ihrer Inhalte zu bemühen, die technisch möglich ist.

10. Guter sprachlicher und grammatikalischer Aufbau der Narration

Wenn Lernende ein solches Video zu produzieren gelernt haben, dann vollzieht sich eine Verschmelzung von kompetenzorientierten Unterrichtsmethoden und -inhalten und Aspekten der Medienbildung praktisch von alleine. Die Fähigkeiten und Fertigkeiten, die die Lernenden dabei vermittelt bekommen, entsprechen denen einer „Twenty-first Century Literacy“, wie sie BROWN, BRYAN AND BROWN (2005) fordern.


Lernende entwickeln durch die Verwendung des Konzepts des „Digital Storytellings“: • Digital Literacy – Die Fähigkeit zur Kommunikation mit einer ständig wachsenden Gemeinschaft, um Themen zu diskutieren, Informationen zu sammeln und Hilfe zu suchen. • Global Literacy - die Befähigung Nachrichten unter einer globalen Betrachtungsweise zu lesen, zu interpretieren, zu beantworten und zu kontextualisieren . • Technology Literacy - Die Eignung Computer und andere Technologie zu benutzen um Lernen, Produktivität und Leistung zu verbessern. • Visual Literacy - Die Fähigkeit visuellen Bildnachrichten zu verstehen, zu produzieren und durch sie zu kommunizieren. • Information Literacy - die Fähigkeit Informationen zu finden, auszuwerten und diese zu synthetisieren. (ebd.)


Lernende sollen nicht nur in der Lage sein, Informationen zu sammeln und auszuwerten. Gerade in einer sich medial ständig ausweitenden Welt, ist es wichtig, dass Jugendliche lernen, mit kongruenten Medien umgehen können. Somit ist es wichtig, dass Lernende ebenso in der Lage sind, Informationen selbst zu produzieren (vgl. Riesland, 2005). Geschichten mit Medien erzählen, fördert aber auch die Bildung über Medien, da über die Art und Weise, wie heute Medien produziert werden, Lernende viel lernen können – handelt es sich doch bei der eigenen Produktion nicht um eine distanzierte, nüchterne Betrachtung einer Geschichte oder besser von Geschichte – es entspricht der medialen Darstellungsweise unserer populären Kultur oder Geschichtskultur. Es wird gelernt, wie unsere Gesellschaft ihre Medien produziert und damit auch ihr kollektives Bewusstsein beeinflusst. Weitere Kompetenzebereiche, bzw. Fähigkeiten und Fertigkeiten beim Lernen mit „Digital Storytelling“ sind nach ROBIN (2006) z.B.: • Forschend-entdeckendes Lernen Dokumentation von Fakten, auffinden und analysieren von sachdienlichen Informationen.

• Entwicklung von Lese-und Schreibfähigkeit Einen Standpunkt formulieren, ein Skript entwickeln.

• Entwicklung von Organisationsfähigkeit Die Reichweite des Projekts einschätzen können, Materialien verwalten und den Zeitplan beachten, um die Aufgabe zu erledigen.

• Kompetenz zum Einsatz digitaler Medien Vermittlung im Umgang mit einer Reihe digitaler Werkzeuge, wie z.B. digitalen (Video-) Kameras, Scannern, Mikrophonen, und multimedialer Autorensoftware.

• Präsentationsfähigkeit Entscheiden, welches die beste Möglichkeit ist die Geschichte einem Publikum zu präsentieren (Anm. des Autors: Und dies technologisch und inhaltlich umsetzen können).

• Interviewfähigkeit Quellen zum interviewen finden und festlegen, welche Fragen gestellt werden sollen.

• Ausbildung der Selbstkompetenz In einer Gruppe arbeiten und die individuellen Aufgaben der Gruppenmitglieder festlegen. (Anm. des Autors: sich selbst kreativ ausdrücken und entwickeln. Eigene Wertehaltungen neu einschätzen und produktive Einstellung entwickeln)

• Problem-Lösefähigkeit Lernen Entscheidungen zu treffen und Hindernisse, zu jedem Zeitpunkt des Projekts, vom Anfang bis zur Fertigstellung auszuräumen.

• Beurteilungsfähigkeit Erfahrungen sammeln beim Beurteilen der eigenen und fremder Arbeiten.

Beispiele für "Digitale Storytelling

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