Grundlagen der Medienpädagogik

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Inhaltsverzeichnis

Medienpädagogik

Zum Begriff Medienpädagogik: Entstehung, Entwicklung und Bedeutung

Der Begriff „Medienpädagogik“ wurde erstmals in den 60er Jahren publiziert. Im Zusammenhang mit der Beobachtung, dass viele gesellschaftliche Veränderungen und Neuerungen durch die Medien mitgestaltet wurden, fand der Begriff Eingang in den fachwissenschaftlichen Diskurs.

Publiziert wurde der Begriff beispielsweise 1963 in einer Schrift von Ruprecht mit dem Titel „Medienpädagogik in der Lehrerbildung“ und 1964 in einer Arbeit von Kerstiens „Zur Geschichte der Medienpädagogik in Deutschland“. [1]

Als problematisch im Zusammenhang mit der Entstehung und eindeutigen Klärung des Begriffs hat sich erwiesen, dass neben dem Begriff der „Medienpädagogik“ relativ zeitnah auch Begriffe wie Medienkunde, Medienerziehung und Mediendidaktik in der fachwissenschaftlichen Diskussion auftauchten, was letztlich zu begrifflichen Unklarheiten und Überschneidungen führte.

Auch gegenwärtig ist nicht eindeutig geklärt, ob der Begriff „Medienpädagogik“ eher ergänzend zu anderen Begriffen zu verstehen ist, ob er synonym mit anderen Begriffen verwendet wird, oder ob der Begriff als Oberbegriff fungiert, dem die anderen Begriffe untergeordnet werden können. [2] Obwohl der Sprachgebrauch in dieser Hinsicht nicht eindeutig geklärt ist, gibt es eine Tendenz den Begriff „Medienpädagogik“ als Oberbegriff zu verwenden.

Bereits 1970 findet sich ein Eintrag von Kösel und Brunner im Pädagogischen Lexikon von Horney et al. der besagt: „Als Wissenschaft mit grundlegendem und systematischen Charakter untersucht die M. [Medienpädagogik] die Bedingungen, Grenzen, Voraussetzungen und das Wesen einer Erziehung zu den Medien und einer Erziehung durch die Medien“ [3]

Besonders deutlich heben Neubauer und Tulodziecki Ende der 1970er „Medienpädagogik“ als Oberbegriff hervor: „Medienpädagogik umfasst in unserem Verständnis alle Fragen der pädagogischen Bedeutung von Medien.“ [4] Sie unterscheiden vier Aspekte der Medienpädagogik: Medienkunde, Mediendidaktik, Medienerziehung und Medienforschung. Medienerziehung und Mediendidaktik gelten als die beiden zentralen Teilgebiete der Medienpädagogik, während der Medienkunde und der Medienforschung viel mehr unterstützende Bedeutung zukommt. [5]

Hüther und Schorb schreiben in ihrem Band zu medienpädagogischen Grundbegriffen: „Medienpädagogik umfasst alle Fragen der pädagogischen Bedeutung von Medien in den Nutzungsbereichen Freizeit, Bildung und Beruf. Dort, wo Medien als Mittel der Information, Beeinflussung, Unterhaltung, Unterrichtung und Alltagsorganisation Relevanz für die Sozialisation des Menschen erlangen, werden sie zum Gegenstand der Medienpädagogik“. [6]

Eine Definition mit einer etwas anderen Akzentuierung stammt von Tulodziecki, Herzig und Grafe: „Medienpädagogik umfasst alle pädagogisch relevanten und potenziell handlungsanleitenden Sätze mit Medienbezug und deren Reflexion unter Einbezug empirischer Forschungsergebnisse und normativer Vorstellungen bzw. medienkundlicher und medientheoretischer, lern- und lehrtheoretischer sowie sozialisations-, erziehungs- und bildungstheoretischer Grundlagen.“ [7]

Auch in aktuelleren Publikationen kommt dem Begriff „Medienpädagogik“ eine Funktion als Oberbegriff zu, und so versteht beispielsweise Kerres Medienpädagogik „als übergeordnete Bezeichnung für alle pädagogisch orientierten Beschäftigungen mit Medien in Theorie und Praxis“. [8]

Als Teilgebiete der Medienpädagogik nennt Kerres die „Mediendidaktik, die sich mit der Funktion und Bedeutung von Medien in Lehr-und Lernprozessen beschäftigt, und die Medienerziehung, die auf den reflektierten Medienkonsum und kritischen Umgang mit Medienangeboten abzielt“. [9]

Kerres betont desweiteren den Bezug der Medienpädagogik zu einer Reihe von wissenschaftlichen Fachgebieten wie der Allgemeinen Pädagogik, der Allgemeinen Didaktik und der Pädagogischen Psychologie.

Als prägend für das Verständnis von Medienpädagogik hebt Kerres die Schriften von Dieter Baacke hervor, in denen Medienpädagogik wie folgt beschrieben wird:

„Medienpädagogik umfasst alle sozialpädagogischen, sozialpolitischen und sozialkulturellen Überlegungen und Maßnahmen sowie Angebote für Kinder, Jugendliche und Erwachsene, die ihre kulturellen Interessen und Entfaltungsmöglichkeiten, ihre persönlichen Wachstums- und Entwicklungschancen sowie ihre sozialen und politischen Ausdrucks- und Partizipationsmöglichkeiten betreffen, sei es als einzelne, als Gruppen oder als Organisationen und Institutionen. Diese kulturellen Interessen und Entfaltungsmöglichkeiten werden heute beeinflusst und mitgestaltet durch expandierende Informations- und Kommunikationstechniken mit Wirkungen auf das Rezeptionsverhalten gegenüber Programmmedien (Radio, Fernsehen), auf Arbeitsplätze, Arbeitsverhalten und Arbeitschancen, auf Handlungsmöglichkeiten und Verkehrsformen im öffentlichen und privaten Leben.“ [10]

In dieser Definition bezieht sich Baacke auf die umfassende Bedeutung von Medienpädagogik für die gesamte Lebensspanne und für alle Sektoren von Bildung und Kultur.

Der Begriff „Medienpädagogik“ kann, wie in dem obigen Abschnitt dargelegt, als Oberbegriff verstanden werden, der ein breites Spektrum an Teilgebieten umfasst: „Mediendidaktik (Einsatz von Mediengeräten, vom Overheadprojektor bis zum Computereinsatz in Lehr-/Lernprozessen) sowie Medienerziehung und Medienalphabetisierung bzw. Medienkompetenz von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen mit dem Ziel, die audiovisuellen Codes und neuen Zeichenwelten neben Schrift und Sprache entziffern und benutzen zu können, bis zu Übungen in aktiver Mediengestaltung und Medienbenutzung stellen Teilbereiche der Medienpädagogik dar.“ [11]

Begründung der Medienpädagogik

„Die Welt, wie wir sie kennen, ist eine Medienwelt – sie wird durch Medien erst erschaffen.“ [12]

Medien gehören zum Alltag und Leben aller Menschen, egal ob der Fernseher in der Familie oder das Internet in der Schule oder am Arbeitsplatz: Medien verändern und beeinflussen alle Lebensbereiche. „Medien nehmen auf die Kommunikation, die Sicht der Welt, die Informationsgewinnung, das Lernen und Vergessen, die Gesundheit und die Identitätsbildung Einfluss.“ [13]

Medien prägen und strukturieren also in einem gewissen Maße die Wahrnehmung und Handlungen jedes Einzelnen: „es existiert für uns keine Welt jenseits dieser Medienwelten, und damit werden die Medien auch zu einem bedeutsamen Aufgabenfeld für die Pädagogik, die die Medien und ihre Wirkungen in ihr pädagogisches Kalkül aufgenommen und mit der Medienpädagogik eine eigene Subdisziplin ausdifferenziert hat.“ [14]

Baacke formuliert die Aufgabe der Medienpädagogik wie folgt: „Aufgabe der Medienpädagogik ist es anzugeben, an welchen Stellen in der Interaktion von Medien und Menschen (hier vor allem: Kindern und Jugendlichen) erziehend und bildend, lehrend und beratend, orientierend und informierend einzugreifen sei." [15]

Vordergründige Aufgabe der Medienpädagogik ist es also, Erziehungsprozesse und Bildungsprozesse verantwortungsvoll zu begleiten. Dafür ist es erforderlich die aktuellen Entwicklungen der Medienwelt durchaus kritisch zu beobachten, um letztlich mögliche Chancen und Gefahren der Entwicklungen frühzeitig erkennen zu können.

Medienpädagogik ist für alle Lebensalter relevant und sollte in allen pädagogisch relevanten Institutionen von Bedeutung sein. Neuß nennt an dieser Stelle: Familie, Kindergarten, Grundschule, weiterführende Schulen, die außerschulische Arbeit mit Jugendlichen und Sozialpädagogik, die Interkulturelle Pädagogik, pädagogische Ausbildungen, die Erwachsenenbildung sowie Angebote für Senioren. [16]

Aufgabenfelder und Ziele der Medienpädagogik

Gerade weil Medien in unserer Alltagswelt nicht mehr wegzudenken und omnipräsent sind, gilt es als Hauptziel der Medienpädagogik den kompetenten Umgang mit Medien zu fördern.

Medienkompetenz als Zielperspektive gehört zu den medienpädagogischen Leitbegriffen schlechthin. Mit der Einführung des Kompetenzbegriffs in der Medienpädagogik, dessen Anfang in der Habilitationsschrift von Dieter Baacke 1973 auszumachen ist, wurde auch ein Paradigmenwechsel in der Medienpädagogik eingeläutet: statt ausschließlich auf die Gefahren durch die Medien ausgerichtet, rücken nun auch die Bedürfnisse und Interessen der Mediennutzer in den Fokus der Medienpädagogik.

Bis heute kennzeichnen vielfache Ausprägungen des Begriffs der „Medienkompetenz“ den wissenschaftlichen Diskurs. Als Rahmen für die Begriffsbestimmung, wird im folgenden Abschnitt auf das Verständnis von Dieter Baacke näher eingegangen, der als klassische Aufgabenfelder der Medienpädagogik die vier Teilbereiche von Medienkompetenz mit den unterschiedlichen Dimensionen Medienkritik, Medienkunde, Mediennutzung und Mediengestaltung, bestimmt. [17]

Was aber ist mit den Teilbereichen genau gemeint?

Während sich die Medienkritik und die Medienkunde verstärkt mit der „Dimension der Vermittlung“ von Medienkompetenz beschäftigen und vordergründig didaktische Fragen behandeln, richtet sich das Augenmerk bei den Dimensionen Mediennutzung und Mediengestaltung auf die Zielorientierung, d.h. das Handeln der Menschen.[19]


Neben den Ausführungen von Baacke gibt es eine Serie mehrerer Begriffsbestimmungen von Medienkompetenz. Problematisch dabei ist, dass der Begriff selbst wenig darüber aussagt wie Medienkompetenz im Einzelnen bestimmt ist. Der Begriff selbst lässt viel Spielraum hinsichtlich seiner genauen Bestimmung und nicht selten endet er in der Annahme und Vorstellung, dass ein „kompetenter“ Mediennutzer sich lediglich gewisse Fähigkeiten und Fertigkeiten aneignen muss, um die medienpädagogische Zielvorstellung der Medienkompetenz zu erfüllen.

Vollbrecht dagegen betont, in Anlehnung an Luhmann, dass es jedoch „gerade nicht um den Erwerb konkreter Handlungsmuster, sondern um den Erwerb kognitiver Strukturen geht“. [21] Medienkompetenz zeige sich „dann weniger darin, dass jemand z.B. ein Computerprogramm bedienen kann, sondern darin dass er oder sie gelernt hat, sich beliebige Programme anzueignen.“ [22]

Kein festgelegtes Handeln, sondern (kognitive) Schemata und Skripts, die Spielräume für frei gewähltes Handeln lassen, bestimmen also den Begriff der Medienkompetenz.

Medienkompetenz wird verstanden als eine „Fähigkeit im Umgang mit Wissen über mediale Kommunikation“, welche sich nicht einfach inhaltlich in bestimmte Lernbereiche auffächern lässt. [23]

Ein weiterer Ansatz zum Kompetenzbegriff in der Medienpädagogik stammt von Pöttinger (1997), der zwischen Wahrnehmungs-, Nutzungs- und Handlungskompetenz unterscheidet. Demnach sollen Medien durchschaut, zielgerichtet und angemessen genutzt werden, sowie aktiv gestaltet werden. [24]

Schorb fächert Medienkompetenz – ähnlich wie Baacke – in vier Dimensionen auf:[25]

  1. kognitive Dimension
  2. kritische Reflexivität
  3. Handlungsfähigkeit
  4. Fähigkeit zur kreativen, sozialen Interaktion.


Um der Enge des Kompetenzbegriffs an dieser Stelle zu entgehen und in einem weiteren Sinne die Ziele und Aufgabenfelder der Medienpädagogik zu bestimmen, folgt an dieser Stelle eine Auflistung von Neuß, dem zufolge Medienpädagogik folgende Aufgaben hat:[26]

Medienpädagogik fungiert in der Rolle eines „Anwalts“ für Kinder und Jugendliche und leistet durch die Aufklärung von Eltern, sowie Pädagoginnen und Pädagogen einen wichtigen Beitrag zum Medienschutz von Kindern und Jugendlichen. Ziel ist ein freies, eigenverantwortliches und eigenständiges, aber auch kritisches Zurechtfinden in der Medienwelt.

Des Weiteren betrachtet Medienpädagogik die Medien als Konstrukteure von Wirklichkeit:

„Medieninhalte sind inszenierte, symbolische Konstruktionen, die den inneren Aufbereitungslogiken des jeweiligen Mediums entsprechen. Dazu gehören zunehmend Visualisierung, Emotionalisierung, Personifizierung und Skandalisierung. Ziel von Medienpädagogik ist es, die jeweils spezifischen Formen der Wirklichkeitskonstruktion (z.B. geschlechtsstereotype Darstellungen) erkennbar zu machen und in Relation zu nicht medial vermittelten Erfahrungsprozessen zu setzen (wahrnehmungs- und erfahrungsorientierter Ansatz). In diesem Sinne versteht sich Medienpädagogik auch als „politische Bildung“.[27]

Darüber hinaus betrachtet Medienpädagogik die Mediennutzer als aktive Rezipienten: sie setzen sich aktiv mit den Inhalten auseinander und nutzen diese um ihre „Gefühle, Wünsche, Ängste und Träume“ zu entdecken.[28] So kann und muss die Medienpädagogik auch einen Weg finden Identitäten aufzubauen, zu festigen und zu stützen, was gerade in einer pluralisierten Gesellschaft von großer Bedeutung ist.

Neuß bezeichnet in Punkt vier die Medienpädagogik als zentrales Element kultureller Bildung, da sie ein maßgeblicher Teil der Kultur einer Gesellschaft sind. Medien können als „vielfältige z.B. dokumentarische, kreative, gestalterisch-künstlerische und partizipative Ausdrucksmittel pädagogisch genutzt werden“. [29]

In den Fokus der Medienpädagogik rückt die Teilhabe aller gesellschaftlichen Gruppen an ästhetischem Genuss.

Medienpädagogik fordert Partizipation, indem sie sich „für die aktive und verantwortungsvolle Nutzung von partizipativen Medien und Angeboten“ (z.B. Bürgermedien, Offene Kanäle, Web 2.0 usw.) einsetzt. [30] Ein wichtiges medienpädagogisches Anliegen ist es, Medien als Mittler und Vermittler zu nutzen.

Weiterhin wichtig, auch im Bezug auf die durchaus problematischen Einflüsse auf Erziehung und Bildung, ist die Aufgabe der Medienpädagogik kritisch Position gegenüber dem Medienmarkt zu beziehen. Mittels medienpädagogischer Methoden sollen Kinder und Jugendlich dabei unterstützt werden fragwürdige Identitätsangebote der Medien kritisch zu hinterfragen und zusätzlich sollen sie über die Gefahren der Medienwelt und bestimmte Techniken der Manipulation informiert werden. Aufgabe der Medienpädagoginnen und Medienpädagogen ist die Mitwirkung in entsprechenden Fachgremien um ihr Wissen weiterzutragen.

Schließlich ist Medienpädagogik Medienbildung: „Sie begleitet Menschen im Prozess ihrer Personalisation und (Selbst-)Sozialisation. Zentrales Element von Bildung ist Fähigkeit zur Kommunikation, und das schließt heute notwendig einen kritisch-konstruktiven Umgang mit Medien ein. Außerdem sind Medien ein wichtiger Gegenstand und ein Spiegel menschlicher Kultur. Vermittelt wird Medienbildung auch in medienpädagogischen Broschüren, Publikationen und Internetportalen.“ [31]

Medienpädagogik gilt als ein Element jeder Didaktik. Das weite Spektrum an Möglichkeiten von Multimedia und e-learning soll genutzt und vermittelt werden. Auch für eine angemessene Präsentation und zur Unterstützung von zwischenmenschlicher Kommunikation sollten die Möglichkeiten der digitalen Medien ausgeschöpft werden.

Aufgabe der medienpädagogischen Forschung ist es empirische Daten zu zentralen Fragen der Mediennutzung und -wirkung, der Mediensozialisation und -rezeption sowie der Medienentwicklung zu liefern. Mit den Ergebnissen der empirischen Forschung auf diesem Feld können dann andere wissenschaftliche Disziplinen wie z.B. die Kindheits-und Jugendforschung weiterarbeiten. [32]

Teilgebiete der Medienpädagogik

Medienerziehung

Auch der Begriff „Medienerziehung“ entwickelte sich in den 1960ern parallel mit der zunehmenden Verbreitung der Massenmedien. Eine deutliche Abgrenzung zum Begriff der Medienpädagogik gab es dabei allerdings vorerst nicht.

Wenn in damaligen Beiträgen von „Medienerziehung“ die Rede war, dann wurde vornehmlich Bezug auf die „erzieherischen Aufgaben bei der Auseinandersetzung mit Massenmedien“ genommen. [33]

Dabei haben sich zunächst folgende Ziele der Medienerziehung herauskristallisiert: „1. Beherrschen der Wort-Bild-Sprache (…). 2. Wecken und Stärken der eigenen Urteilsfähigkeit und der kritischen Auseinandersetzung mit dem Angebot der Massenmedien nach inhaltlichen und formalen Gesichtspunkten (…). 3. Anregung und Anleitung zum sinnvollen Gebrauch (Verhalten), zu einer sachlich und persönlich orientierten Nutzung der Möglichkeiten der Massenmedien zur Information, Bildung, Unterhaltung und Erbauung. Das schließt die sinnvolle Programmauswahl und das rechte Maß im Konsum ebenso ein wie die Bewältigung negativer Einflüsse.“ [34]

Gegen Ende der 1960er Jahre geriet der Erziehungsbegriff jedoch, wegen seiner autoritären Implikationen, zunehmend in gesellschaftliche Kritik. Im Zusammenhang mit dieser Entwicklung, wurde der damals noch neue Begriff der „Mediendidaktik“ teilweise dem der „Medienerziehung“ vorgezogen. [35] Erst in den 1980er Jahren, als die öffentliche Diskussion rund um die Gefahren im Zusammenhang mit dem Medienkonsum wieder auflebte, wurde deutlich, dass man auf eine erzieherische Einflussnahme im Medienbereich nicht länger verzichten kann.

Ganz allgemein wird unter „Medienerziehung“ nun jenes pädagogische Handeln verstanden, das zur richtigen, d.h. kritisch-reflexiven Aneignung der Medien anleiten soll.

Um dieses Anliegen müssen sich alle pädagogisch Verantwortlichen gleichermaßen kümmern. Da aber Medien so sehr in unseren Alltag verwoben sind, kommen bei vielen Erziehungsfragen unausweichlich Aspekte der Medien ins Spiel, ohne dass vor allem den Eltern oftmals gar nicht richtig bewusst wird, dass sie gerade Medienerziehung betreiben. [36] Oft geschieht Medienerziehung also unbewusst und in diesem Sinne betont auch Moser, dass dazu gar kein Spezialwissen nötig sei: „[…] es geht dabei um die Anwendung allgemeinpädagogischer Prinzipien und Grundsätze auf die Problematik der Medien. Mit anderen Worten: Insofern die Medien Teil eines umfassenden Lebenszusammenhanges sind, reicht es erst einmal aus, die pädagogischen Regeln des Alltagsverstandes und der praktischen Lebensklugheit, wie sie für viele andere Probleme des Heranwachsenden als Maximen beigezogen werden, auf die Frage der Medienerziehung anzuwenden.“ [37]

In der Medienpädagogik besteht allerdings der Konsens, dass Medienerziehung möglichst frühzeitig im familiären Bereich ansetzen müsse. Dafür müssten die Eltern aber über konkretes Wissen zur Handhabung und Bedeutung der Medien verfügen und darüber hinaus auch im Besitz eines kritischen Bewusstseins im Zusammenhang mit den Gefahren, aber auch den Chancen die mit der Medienwelt zusammenhängen, sein.

Für professionelle Pädagogen und Pädagoginnen gestaltet sich jedoch die Aufgabe der Medienerziehung anders, denn in den jeweiligen Institutionen müssen Erziehungs- und Bildungsaufgaben, die sich im Bereich der Medien ergeben, differenzierter angegangen werden. [38]

Die Medienerziehung gilt mittlerweile als komplexes Problemfeld innerhalb der Medienpädagogik, mit ihren eigenen Maßnahmen, Methoden, Aufgaben und Zielen. Letztlich hat sie die Aufgabe den Eltern und professionellen Pädagogen, auch bzw. gerade angesichts der zunehmenden Komplexität der Medienproblematik, ein eigeständiges Konzept von Medienerziehung als Orientierungshilfe für die „alltägliche Erziehungspraxis in einer immer stärker von Medien, Kommunikations- und Informationstechniken geprägten Lebenswelt“ zu geben.[39]

Kerres nennt als Hauptziel und Gegenstand der Medienerziehung die Aneignung einer Medienkompetenz zur Teilhabe an gesellschaftlicher Kommunikation, sowie individueller Artikulation und Persönlichkeitsentwicklung.[40]

Moser skizziert folgende Aufgabenbereiche einer Medienerziehung:

1.„Hilfe bei der Aneignung von Welt, beim Aufbau eines einigermaßen kohärenten Weltbilds in einer Welt, die durch die Medienangebote und -entwicklungen vielfältiger, widersprüchlicher und unbeständiger geworden ist. Hilfe durch Reduktion dieser Umweltkomplexität durch pädagogisch gestaltete Umgebung und durch Unterstützung der Lernfähigkeiten:


2.„Hilfe zur Integration in die sozialen Systeme und zur Teilnahme am sozialen Leben in einer sehr stark von medial vermittelten symbolischen Sinnwelten geprägten Gesellschaft“ [42] Demnach sollen Heranwachsende zur aktiven Teilhabe an diesen „symbolischen Sinnwelten“ befähigt werden, außerdem sollen sie als Rezipient die Medienbotschaften verstehen und kritisch hinterfragen, sie sollen die Medien als Kommunikator sachgerecht zur Verständigung nutzen und zuletzt die Wirkungen öffentlicher und privater Medienbotschaften nachvollziehen können. [43]


3.„Hilfe bei der selbstständigen Bewältigung der Entwicklungsaufgaben und beim Aufbau einer eigenen Identität unter Nutzung und Berücksichtigung der medialen Sinnwelten: Medienbildung im Sinne einer moralischen Verantwortungshaltung im Umgang mit den Medien.“ [44]

Mediendidaktik

Die Mediendidaktik gilt als ebenfalls als ein Teilgebiet der Medienpädagogik und gleichzeitig als bildungswissenschaftliche Disziplin welche „sich mit der Funktion und Bedeutung von Medien in Lehr- und Lernprozessen beschäftigt“. [45]

Laut Tulodziecki umfasst der Begriff der Mediendidaktik „den Bereich der Didaktik, in dem alle Überlegungen zusammengefasst sind, bei denen es im Wesentlichen um die Frage geht, wie Medien bzw. Medienangebote oder Medienbeiträge zur Erreichung pädagogisch gerechtfertigter Ziele gestaltet und verwendet werden können bzw. sollen.“ [46]

Hauptanliegen der Mediendidaktik ist es, Medien für Wissens- und Lernprozesse optimal zu gestalten und so unter anderem Möglichkeiten der Mediennutzung für Lehr- und Lernprozesse anzubieten. Die Mediendidaktik versucht also Aufschluss darüber zu geben, wie pädagogisch relevante Zielvorstellungen mit Hilfe von Medien umgesetzt und erreicht werden können. Laut Kerres will die die Mediendidaktik „Aussagen entwickeln, die für die Gestaltung von Lernangeboten nutzbar gemacht werden können. Es geht um sogenannte präskriptive Modelle, in denen beschrieben wird, wie didaktisch begründete Lernangebote entwickelt werden können.“ [47]

Für Kerres ist die Mediendidaktik ein interdisziplinäres Fachgebiet in den Bildungswissenschaften, sie selbst hat eine Reihe von Bezügen innerhalb und außerhalb der Bildungswissenschaften, wie z.B. zur Allgemeinen Pädagogik und Didaktik oder zur Lern- und Medienpsychologie. [48] Eine Position der Mediendidaktik im Sinne einer besonderen Nähe etwa zur Allgemeinen Didaktik oder zur empirischen Lehr-Lernforschung gestaltet sich schwierig und ist mitunter nicht eindeutig auszumachen.

Eine Didaktik kann sich auf folgende Modelle und Theorien beziehen:[49]

  1. Bildungstheorien
  2. Planungsmodelle der Didaktik
  3. Didaktische Methoden
  4. Muster pädagogischen Handelns


Zentrale Felder von Bildungstheorien sind Ziele des Lehrens und von Lerninhalten, sowie die Beschäftigung mit der Frage was überhaupt gelehrt werden sollte und letztlich die Grundsatzfrage nach den Aufgaben von Bildung in der Gesellschaft. [50]

Planungsmodelle der Didaktik beschäftigen sich mit der didaktischen Planung von mediengestützten Lernangeboten

Didaktische Methoden erläutern ganz allgemein, wie Lernen und Lernangebote aufbereitet werden können um die gesetzten Ziele zu erreichen. [51]

Erfahrungsmuster, also Muster pädagogischen Handelns, sind dagegen konkrete Methoden aus der Praxis und gesammelte Methoden für die Gestaltung von Lernangeboten. [52]

Während die Medienerziehung sich hauptsächlich auf die allgemeinen Kompetenzen im Umgang mit den Medien konzentriert, ist die Mediendidaktik an der Entwicklung fachlicher Kompetenzen mit Medien interessiert. [53] Genau hier wird die Schnittstelle der beiden Teilgebiete ersichtlich: denn auf der einen Seite muss die Mediendidaktik Medienkompetenz als Voraussetzung dafür ansehen, dass sich Menschen Wissen über Medien überhaupt erst aneignen können , auf der anderen Seite trägt der aktive Umgang mit den Medien wiederrum genau, dazu bei, dass sich Medienkompetenz entwickelt. [54]


Belege

Literatur

Kerres, M. (2012). Mediendidaktik Konzeption und Entwicklung mediengestützter Lernangebote. München: Oldenbourg Verlag .

Moser, H. (2000). Einführung in die Medienpädagogik . Opladen.

Tulodziecki, G. (2004). Mediendidaktik . Stuttgart: Klett-Cotta.

Tulodziecki, G. (2011). Zur Entstehung und Entwicklung zentraler Begriffe bei der pädagogischen Auseinandersetzung mit Medien. In H. Moser, P. Grell, & H. Neisyto, Medienbildung und Medienkompetenz (S. München). kopaed.

Vollbrecht, R. (2001). Einführung in die Medienpädagogik . Basel: Beltz-Verlag.

Weblinks

Neuß, N. (2011). GMK Gesellschaft für Medienpädagogik und Kommunikationskultur. Abgerufen am 21. 8 2013 von http://www.gmk-net.de/fileadmin/pdf/neuss_warum_medienpaedagogik.pdf

Einzelnachweise

  1. Vgl. Tulodziecki, 2008, S. 12.
  2. Vgl. Tulodziecki, 2008, S. 13.
  3. Tulodziecki, 2008, S. 13.
  4. Tulodziecki, 2008, S. 13.
  5. Vgl. Tulodziecki, 2008, S. 13.
  6. Tulodziecki, 2008, S. 13.
  7. Tulodziecki, 2008, S. 13.
  8. Kerres, 2012, S. 37.
  9. Kerres, 2012, S. 37.
  10. Kerres, 2012, S. 37.
  11. Zitat Dokument 4 S. 14.
  12. Vollbrecht, 2001, S. 9.
  13. Neuß, 2011, S. 1.
  14. Vollbrecht, 2001, S. 9.
  15. Neuß, 2011, S. 1.
  16. Vgl. Neuß, 2011, S. 1.
  17. Vgl. Vollbrecht, 2001, S. 60.
  18. Vgl. Vollbrecht, 2001, S. 61.
  19. Vgl. Vollbrecht, 2001, S. 61.
  20. Vgl. Vollbrecht, 2001, S. 60f.
  21. Vollbrecht, 2001, S. 57.
  22. Vollbrecht, 2001, S. 58.
  23. Vgl. Vollbrecht, 2001, S. 59.
  24. Vgl. Vollbrecht, 2001, S. 62.
  25. Vgl. Vollbrecht, 2001, S. 62.
  26. Neuß, 2011, S. 1.
  27. Neuß, 2011, S. 3.
  28. Vgl. Neuß, 2011, S. 3.
  29. Neuß, 2011, S. 3.
  30. Neuß, 2011, S. 4.
  31. Neuß, 2011, S. 4.
  32. Vgl. Neuß, 2011, S. 4.
  33. Vgl. Tulodziecki, 2011, S. 14.
  34. Tulodziecki, 2011, S. 15.
  35. Vgl. Tulodziecki, 2011, S. 15.
  36. Vgl. Moser, 2000, S. 9.
  37. Moser, 2000, S. 9.
  38. Vgl. Moser, 2000, S. 10.
  39. Vgl. Moser, 2000, S. 13.
  40. Vgl. Kerres, 2012, S. 49.
  41. Moser, 2000, S. 58.
  42. Moser, 2000, S. 58.
  43. Vgl. Moser, 2000, S. 58.
  44. Moser, 2000, S. 59.
  45. Kerres, 2012, S. 37.
  46. Tulodziecki, 2004, S. 249.
  47. Kerres, 2012, S. 36.
  48. Vgl. Kerres, 2012, S. 36.
  49. Kerres, 2012, S. 45.
  50. Vgl. Kerres, 2012, S. 47.
  51. Vgl. Kerres, 2012, S. 47.
  52. Vgl. Kerres, 2012, S. 47.
  53. Vgl. Kerres, 2012, S. 49.
  54. Vgl. Kerres, 2012, S. 49.
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