Tondokumente

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Jonas Metz

Inhaltsverzeichnis

Tondukumente als Quelle

Tondokumente existieren seit 1890. Ein Großteil der historisch-politisch relevanten Tondokumente entsprangen dem 20. Jahrhundert. Meist waren es politische Reden zur Zeit der Weimarer Republik und des Nationalsozialismus. Mittlerweile sind Tondokumente in Bildstellen auf CD-Roms erhältlich. Beim Einsatz von Tondokumenten sind ähnliche methodische Aspekte zu beachten, wie bei herkömmlicher Quellenarbeit. In der Hierarchie rangieren Tondokumente an vierter Stelle. Häufiger genutzt werden Folien, Videokassetten und Dias. Statistiken zu Folge, nutzen nur 1/8 der Lehrkräfte Tondokumente im Unterricht. Um diese Zahl zu erhöhen, hier nun einige Anregungen zur erfolgreichen Arbeit mit Tondokumenten.

Methodische Aspekte

Zu Beginn sei gesagt, dass das Abspielen einer langatmigen Rede, eines Politikers, sinnlos ist. Die gesammelten Eindrücke würden durch die Überlagerung verwischen. Kurze Ausschnitte einer Rede sind völlig ausreichend. So können sich die Schüler auf die verschiedenen Höreindrücke fokussieren. Das Abspielen eines Tondokumentes allein, erreicht nicht automatisch einen Wissenszuwachs. Es ist nötig, mit dem Tondokument zu arbeiten und die Inhalte zu diskutieren. Es sollte zunächst, "der unmittelbare 'emotionale' Eindruck des Gehörten im Vordergrund stehen".[1] Die Schüler sollen wiedergeben, wie und an welchen Stellen die Rede auf sie gewirkt hat. Nachdem erste Hypothesen aufgestellt wurden ist es wichtig, den historischen Kontext, Zeitpunkt und Anlass der Rede zu thematisieren. Die Intention und Identität des Redners müssen geklärt werden. Auch die Rolle der Zuhörerschaft und deren Reaktionen sind aufzugreifen. Wichtig ist, dass die Schüler das Gehörte in einen historischen Kontext setzen zu können. Die Schüler müssen verstehen, was der Redner durch seine Worte erreichen wollte. Dafür ist es notwendig zu klären, wer der Redner ist und zu welchem Zeitpunkt er die Rede gehalten hat. Um die Zusammenhänge zwischen der Rede und den Reaktionen des Publikums (Jubel, Erschütterung, etc.) zu verstehen, müssen die Schüler die Reaktionen anhand eines Analysebogens festhalten. Dieser Analysebogen könnte anhand eines Arbeitsblattes durchgeführt werden. Auf dem Arbeitsblatt hält der Lehrer im Voraus wichtige Aussagen der Rede fest. Anhand dieser Aussagen, sollen Schüler während des Hörens (gegebenenfalls ein zweites Mal hören) die jeweiligen Zuschauerreaktionen in Stichpunkten festhalten. Da dies sich zeitlich während der laufenden Rede schwierig gestaltet, ist es möglich lediglich unter positiven und negativen Reaktionen zu unterscheiden. Diese könnten mit Smileys festgehalten werden.


Vorteile

Ein Vorteil des Einsatzes von Tondokumenten liegt im Neuen und Unbekannten. Schüler sind es nicht gewohnt, Dinge ausschließlich über das Gehör zu erschließen, obwohl "das Gehör das am zuerst entwickelte Organ und damit der am frühsten entfalteter Sinn ist". Durch Tondokumente werden die Schüler auf einer anderen emotionalen Ebene berührt. Nachweisbar, prägt sich von den Eltern oder Großeltern erzählte Geschichten nachhaltiger ins Geschichtsbewusstsein der Schüler ein. "Aus der Unterrichtspraxis ist bekannt, dass manche Texte erst dadurch verständlich werden, dass sie gut laut vorgetragen und nicht von den Lernenden individuell gelesen werden." Diese Argumente sprechen für den Versuch, durch Tondokumente die Schüler auf einer zusätzlichen Ebene anzusprechen.

Nachteile

Der Einsatz von Tondokumente birgt jedoch auch Gefahren. Oft sind Tondokumente keine authentischen Dokumente. Sie wurden häufig nachträglich erst aufgenommen, ohne dies mitzuteilen. Ein weiteres Problem stellen die beigefügten Kommentare da. Diese enthalten meist eine Wertung. Bei Exemplaren dieser Art, ist kein didaktischer Wert vorhanden. Ausreichende empirische Untersuchungen zum Einsatz dieses Mediums liegen nicht vor. Dadurch, dass ausschließlich die Stimme zu hören ist, weder Gestik noch Mimik des Redners können Inhalte schneller fehlinterpretiert werden. Trotz der genannten Schwächen, ist ein Einsatz dieses Mediums ratsam. Wichtig ist jedoch, dass sowohl die Stärken als auch die Schwächen, einer solchen Quelle, mit den Schülern thematisiert werden.


Unterrichtspraxis

Beim Einsatz von Tondokumenten sollen nicht ausschließlich die Inhalte des Redetextes im Vordergrund stehen. Das Zusammenspiel des Textes mit der Stimme des Redners ist entscheidend. In dem von mir gewählten Tondokument, handelt es sich um eine Rede Hitlers ("Und sie werden nicht mehr frei ihr ganzes Leben."). Dieses Tondokument eignet sich für den Einsatz im Unterricht. Die Rolle der Jugendlichen während der NS-Zeit wird darin thematisiert. Die kurze Abspieldauer lässt einen Einsatz während einer Einzelstunde zu. Ein weiterer Vorteil ist, dass die Schüler aufgrund der geringen Dauer ihre Aufmerksamkeit aufrechterhalten können. Im Gegensatz zu Wunderer meint Ketsch, dass man bei jüngeren Schülern auf den Einsatz von Tondokumente aus dem Dritten Reich verzichten sollte. Ketsch begründet diese Aussage damit, dass die Stimme Hitlers zur Belustigung der Schüler führen könnte. Wunderer hingegen erläutert dies gegenteilig. Er vertritt die Meinung, dass gerade der Einsatz der Stimme in verschiedenen historischen Zusammenhängen unterschiedliche Wirkung entfaltet. Dies kann didaktisch insofern wertvoll sein, dass es zu einer kritischen Betrachtung unserer Hörgewohnheiten kommen kann. Nicht nur der Redner selbst, sondern auch die Reaktionen des Publikums können zu Diskussionen führen. Schüler lernen das Geschehene kritisch zu hinterfragen. Durch die geringe Dauer des Tondokuments bleibt ausreichend Zeit, über inhaltliche Aspekte zu sprechen.

Belege

Literatur

Pandel, Hans-Jürgen: Medien im Geschichtsunterricht. Forum Historisches Lernen. 3. Auflage. Schwalbach/Ts.: Wochenschau Verlag 2005

Einzelnachweise

  1. vgl. Pandel, Hans Jürgen 2005
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