Karikaturen

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M. Seibt (SoSe2012); P.Berger (SoSe2013)


Karikatur leitet sich vom lateinischen Wort „carrus“ ab für „Überladung“ und vom italienischen Wort „caricare“, was so viel wie überladen bzw. übertreiben bedeutet. Es ist die humoristische-überzeichnete Darstellung von gesellschaftlichen Ereignissen, Zuständen oder von Menschen. Oft hat die Karikatur einen sozialen, politischen oder propagandistischen Hintergrund. Sie stellen immer die Sicht des Zeichners dar. Karikaturen legen Probleme offen dar, ohne Lösungen anzugeben. Karikaturen sind kritische Beobachter und bleiben auf Distanz.


Inhaltsverzeichnis

Geschichte der Karikatur

Entstehung

Die heutige Form der Karikatur geht auf drei verschiedene historische Grundtypen zurück.

Durch die Erfindung des Buchdrucks wurde die Entwicklung der Karikatur als Massenmedium erstmals möglich gemacht. In der Zeit der Reformation wurden so viele Holzstiche mit politisch-religiösen Inhalten veröffentlicht. Diese dienten der Schmähung und Denunziation von politischen Gegnern. Sie wurden von katholischer wie auch von protestantischer Seite eingesetzt.

Die Porträtkarikatur bedarf der theoretischen Unterscheidung zwischen Ähnlichkeit und Äquivalenz.[1] Es handelt sich hierbei um die Gleichheit in der Ungleichheit 1933.[2] Der Italiener Anibale Caracci (1560-1600) verstärkte in seinen Werken die körperlichen Merkmale der Gezeichneten um sie zu schmähen. Gianlorenzo Bernini (1598-1680) ging noch einen Schritt weiter und arbeitete die Wesenszüge der Porträtierten mit in seine Werke ein.

Die Wegnahme der Zensur in England im Jahre 1696 ermöglichte es den Karikaturisten ihre Zeichnungen als visuell-politische Leitartikel zu drucken. So wurde die Karikatur zur starken publizistisch-politischen Waffe.

Die Karikatur in Deutschland

Die Geschichte der Karikaturen in Deutschland geht ab dem 19. Jahrhundert einher mit dem bürgerlichen Ringen um Pressefreiheit. Alle Presseerzeugnisse unterlagen der Vorzensur. Diese wurde 1842 für Karikaturen in Preußen abgeschafft, jedoch im Folgejahr wieder eingeführt. 1848/49 wiederholte sich diese Prozedur. Dennoch entstanden in dieser Zeit einige Karikaturblätter, z.B. Kladderadatsch (1848) und der Simplizissimus (1896).

Nach einer Blütezeit verschiedener, vor allem linksorientierter Karikaturblätter, kam es im Dritten Reich zu einer Verbotswelle und Unterdrückung durch Hitlers Gleichschaltungsgesetze (1933). Die Nationalsozialisten verwendeten für ihre eigenen Zwecke keine Karikaturen im eigentlichen Sinne, da die Ironie fehlte. Sie setzten auf propagandistische Schandbilder. Meist wurden Juden, Marxisten oder ähnliche Feindbilder beschworen bzw. verunglimpft.

Nach dem Zweiten Weltkrieg erlebte die Karikatur in der Bundesrepublik Deutschland (BRD) eine Renaissance. Neben den klassischen Bereichen wie Innen- und Außenpolitik richtete sie sich nun auch gesellschaftlichen Themen zu. In der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) diente die Karikatur der Abrechnung mit dem Klassenfeind und dessen kapitalistischem System. Innenpolitisch waren Karikaturen wenig kritisch.

In der heutigen Zeit hat die Karikatur einen verminderten Stellenwert in der Gesellschaft. Die mediale Omnipräsenz führte zu einem Strukturwandel. So ist die Karikatur meist heute auf das Wesentliche beschränkt, weniger bildgewaltig und beschäftigt sich mit allen Themen der Gesellschaft.

Definitionsmerkmale und Quellenwert

In einer Karikatur werden Inhalte oder Personen reduziert bzw. verknappt dargestellt und dennoch überzeichnet. Meist kommt es zu einer Verknüpfung von Personen mit Objekten, wie z.B. zu einer Analogie zwischen Helmut Kohl und einer Birne. Der Karikaturist schafft so eine erkennbare Ähnlichkeit in entstellter Form.[3]

Eine Karikatur ist durch folgende Kennzeichen erkennbar:

Zu beachten und den Schülerinnen und Schülern zu vermitteln, ist, dass eine Karikatur nie ein neutrales, wertfreies Bild zeichnet. Sie hat immer eine Tendenz und möchte auf vermeintliche Missstände, aus Sicht des Karikaturisten, hinweisen. Seine Absicht ist es, das vermeintlich „wahre“ Gesicht einer Person oder eines Umstandes aufzuzeigen.

Durch die veränderte bildliche Darstellung der Mächtigen und die darin beinhaltete Ironie erzeugt der Karikaturist beim Betrachter Lustempfinden. Dieser Akt der Erniedrigung setzt kurzzeitig das Mächteverhältnis zwischen den Karikierten, als echte Personen, und dem Betrachter außer Kraft und erzeugt so Freude. Eine Karikatur hat auch immer einen hohen sozialen Charakter. So sucht der Karikaturist als Täter Anerkennung bzw. Sympathisanten bei den Karikaturbetrachtern. Beide machen sich über das Opfer, also den Karikierten, lustig. Durch die Karikatur werden abstrakte Inhalte sichtbar gemacht. Sie dienen somit als Vorstellungshilfe. Dennoch dürfen sie nicht unkommentiert bleiben, da sie meinungsorientiert sind und immer stark werten. Durch diesen Verstoß gegen den geschichtlichen Grundsatz der Neutralität muss ihr Einsatz in der Schule mit den Schülerinnen und Schülern gut vorbereitet, besprochen und geübt werden.Ein weiteres Kriterium im Umgang mit Karikaturen im Unterricht ist der historische Hintergrund, welcher den Schülerinnen und Schülern bekannt sein muss und, dass unsere heutigen Werte und Normen nicht zwangsläufig auf die damalige Zeit übertragbar sind.

Karikaturen verfügen auch über einen hohen Quellenwert, da ihre Entstehung eine direkte Reaktion auf ein historisches Ereignis ist. Sie sind somit immer zeitnah, spiegeln die damalige Gegenwart und waren Teil deren Öffentlichkeit. Sie gehören dadurch zur multiperspektivischen Geschichtsbetrachtung. In einem hohen Maß unterliegen Karikaturen der Vergänglichkeit. So werden Inhalte undeutbar, wenn die Ereignisse zu lange zurückliegen oder nicht dokumentiert wurden. Der heutige Betrachter kann dann keinen Zusammenhang zwischen dem Überrest, also der Karikatur und ihrem Kontext herstellen.

Eine Karikatur übermittelt immer eine Botschaft. Jeder Künstler will mit seinen Zeichnungen etwas zum Ausdruck bringen. Dabei werden viele unterschiedliche Stilmittel genutzt, um diese Botschaft zu übermitteln. Es stellt sich immer die Frage: Was steckt dahinter? Karikaturen spitzen Sachverhalte zu und erhöhen ihre Wirkung. Die versteckten Botschaften zu entschlüsseln erfordert Übung im Umgang mit Stilmitteln.[5]


Häufig verwendete Stilmittel in Karikaturen

Schülerinnen und Schüler müssen bei der Arbeit mit Karikaturen mit verschiedenen Stilmitteln arbeiten, diese erkennen, übersetzen und entschlüsseln können.[6]


Symbolrepertoire und historisches Denken

Symbolrepertoire

Das Symbolrepertoire für Karikaturen ist unerschöpflich und entwickelt sich stetig weiter. Es umfasst bekannte Mythen, Märchen, Fabeln, Symbole, Metaphern, Redensarten, Vergleiche, Zitate und vieles mehr. All diese in einer Karikatur verwendeten Mittel müssen analysiert und dekodiert werden, um den Inhalt sowie die Bedeutung der Karikatur bzw. die Intention des Karikaturisten erfassen und bewerten zu können. So müssen die Schülerinnen und Schüler Personifikationen auflösen, Symbole deuten, natürliche Metaphern verstehen, politische Metaphern erkennen, historische Personen und Situationen benennen und Allegorien auflösen können.[7]

Historisches Denken

Die Einbettung von Karikaturen in den Geschichtsunterricht dient der Entwicklung des historischen Denkens.[8] Die Karikatur als spontane Reaktion auf ein historisches Ereignis ist ein Teil der damaligen Interaktion, also ein Überrest. Die Schülerinnen und Schüler können so verschiedene Sichtweisen auf ein historisches Thema erfahren und lernen diese zu bewerten.

Typologie

Dietrich Grünewald klassifiziert in seinem Werk „Karikaturen im Unterricht“ (1979) die Karikaturen in vier Bereiche.

Die deskriptive Karikatur

Deskriptive Karikatur

Diese Art der Karikatur beschreibt einen Sachverhalt. Sie ist eher neutral und objektiv. Die Karikatur „He Made Some hootch and tried it on the dog“ (1921) von Arthur Burdett Frost (1851-1928) beschreibt die Folgen der Prohibition in den USA und die daraus folgende illegale Herstellung von Alkohol.


Die kommentierende Karikatur

Kommentierende Karrikatur

Bei dieser Kategorie werden die Ereignisse auf den Punkt gebracht. Sie gelten als bissig und subjektiv. So verdeutlicht die Karikatur „Dropping the Pilot“(1890) von John Tenniel (1820-1914) die Entlassung Otto von Bismarck, welcher als Lotse das Schiff verlässt.

Die analytische Karikatur

Analytische Karikatur

Die analytische Karikatur zeigt Ursachen, Entwicklungen auf und gibt Erklärungen ab. Des Weiteren stellt sie Prognosen auf. Myriam Thyes (*1963) verweist mit ihrer Karikatur „SCHWARZ-GELB: Deutschland -Radioaktiv -NRW – Düsseldorf“(2009) auf die Koalition von CDU und FDP in Nordrhein-Westfalen, die geplante Verlängerung der Atomkraftwerke und die daraus resultierende innere Zerrissenheit Deutschlands.

Die agitatorische Karikatur

Agitatorische Karikatur

Karikaturen dieser Kategorie wollen den Betrachter aufwiegeln bzw. haben einen starken reißerischen Charakter. Diese Karikaturen besitzen propagandistische Züge. Die Karikatur „Allah ist groß“ (2012) von „newath2009“ zeigt das Bild der Muslime aus Sicht des Verfassers auf.

Didaktik und Methodik

Die Erarbeitung von Karikaturen ist betrachterorientiert und es gibt keine festen Regeln zu ihrer Bearbeitung. Es handelt sich um eine visuelle Darstellung, die keine klare Leserichtung vorgibt. Die Karikatur hat also keine lineare Lesestruktur[9]. Die Schülerinnen und Schüler beginnen mit ihnen bereits vertrauten Inhalten oder Symbolen, welche sie in der Karikatur wiederentdecken und erarbeiten sich anhand dieser die noch unbekannten Aspekte. Hierfür sind individuelle Vorkenntnisse und Einstellungen der Schülerinnen und Schüler ebenso wichtig wie die Auswertung der Quellenlegende. Der Erarbeitungsprozess ist zweigeteilt. Zuerst sollen die Schülerinnen und Schüler lediglich berichten, was sie sehen. In dieser Phase geben sie noch keine Wertung oder Interpretation zur Karikatur und dem Dargestellten ab. Sie stellen also lediglich Beobachtungen an. Die Interpretation folgt im zweiten Teil. Nun sollen die Schülerinnen und Schüler ihre Beobachtungen reflektieren, mit ihrem Vorwissen abgleichen und die eigentliche Interpretation starten. Karikaturen können im gesamten Stundenbereich eingesetzt werden oder gar „stundenfüllend“ sein. Es ist davon abzuraten, sie nur zum Einstieg , zur Vertiefung oder zum Abschluss eines Themas einzusetzen.[10]

Karikatureinsatz im Geschichtsunterricht

Die Karikatur ist ein sehr umfassendes Medium für den Unterricht. Begleitet wird die Karikatur von Entdeckungen, Rätseln und Vermutungen. Sie verbindet Text, Symbol und Bild. Laut Ulrich Schnakenberg ist der Einsatz von Karikaturen sehr motivationsfördernd für Schülerinnen und Schüler jeglichen Alters. Sie stehen den heutigen visuellen Medien wesentlich aufgeschlossener gegenüber als den üblichen Lehrbüchern. Im Vergleich zu den üblichen Unterrichtsmaterialien, wie zum Beispiel ein Lehrbuchtext oder ein Gemälde, wirkt eine Karikatur wesentlich ansprechender und interessanter. Karikaturen bieten für das Unterrichtsgeschehen die Möglichkeit der Auseinandersetzung und dienen als anspielungsreiche historische Quelle. Fragen werden aufkommen, Wissen und Nachdenken wird gefordert. Von den Schülerinnen und Schülern wird erwartet, dass sie sich eine Meinung bilden und somit zu einer Thesen- und Urteilsbildung gelangen. Neben allgemeinpädagogischen und lernpsychologischen Vorteilen, fördert der Einsatz von Karikaturen im Unterricht außerdem das historische und ideologiekritische Denken. Karikaturen sind immer verkürzt, verzerrt, übertrieben und ergreifen Partei. Das muss den Schülerinnen und Schülern immer wieder bewusst gemacht werden, da Karikaturen ein Mittel der politischen Auseinandersetzung sind. Sowohl zum Einstieg in ein neues Thema, zur Vertiefung und Verinnerlichung aktiver Lernprozesse eignet sich eine Karikatur. Der Lehrer sollte für die Auseinandersetzung mit Karikaturen genügend Zeit zur Verfügung stellen. Außerdem erfordert die Arbeit mit Karikaturen Übung. [11]

Die Einzelkarikatur

Der Lehrer präsentiert den Schülerinnen und Schülern per Overheadfolie oder Arbeitsblatt eine einzelne Karikatur zu einem bestimmten historischem Ereignis. Hierbei können die Schülerinnen und Schülern frei arbeiten oder sich an Leitfragen orientieren.

Die diachrone Reihe

Der Lehrer präsentiert den Schülerinnen und Schülern mehrere Karikaturen mit dem gleichen Grundmotiv, aber einer der geschichtlichen Situation angepassten Varianz. Bei dieser Art der Karikaturerarbeitung ist die Motivkonstante von bedeutender Aussagekraft. Da die einzelnen Karikaturen aus ihrem zeitlichen Kontext herausgelöst sind, ist der Vergleiche der abgebildeten Personen umso bedeutungsvoller. Ein weiterer Aspekt einer diachronen Reihe wäre die Intention des Verfassers und warum er diese Art der Darstellung wählt. Die Schülerinnen und Schülern könnten auch die Veränderungen bzw. die angepasste Situation auswerten. Hierfür würde sich ein tabellarisches Arbeitsblatt eignen.

Die synchrone Reihe

Diese Art der Karikaturzusammenstellung dient der multiperspektivischen Geschichtsbetrachtung, da die Schülerinnen und Schülern mehrere Darstellungen von verschiedenen Karikaturisten zu einem Ereignis haben. So können sie verschiedene Sichtweisen erfahren und diese vergleichen.

Das Bildpaar

Die Arbeit mit Karikaturbildpaaren ermöglicht den Schülerinnen und Schülern große kreative Freiräume. So kann der Lehrer nur einen Teil des Bildpaares vorgeben und die Schülerinnen und Schülern ergänzen das fehlende Bild bzw. die fehlende Bildhälfte. Doch auch zum „Vorher-Nachher-Vergleich“ bzw. dem „Hier-Dort-Vergleich“ eignet sich diese Unterrichtsmethode ebenso, wie zum Vergleich verschiedener sozialer Schichten.

Interview mit dem Bild

Mit dem Bild ein Interview zu führen wäre eine Methode für die Arbeit mit Karikaturen im Unterricht. Einige Schülerinnen und Schüler stellen Fragen an das Bild und der Rest der Klasse versucht Antworten auf diese zu finden. Diese Methode eignet sich zur Erfassung der Entstehungsgeschichte des Bildes und/ oder seines Problemgehalts. Das dabei verwendete Bild muss genügend Anstöße für Fragen bieten, damit es sich für diese Methode eignet.[12]

Vergleich von Bild und Text

Zu einem im Unterricht behandelten Text wird eine Karikatur gereicht. Die Schülerinnen und Schüler bearbeiten die Unterschiede von Text und bildlicher Darstellung. Durch diese Methode werden Differenzen verdeutlicht. Diese Methode funktioniert genauso gut andersherum, wenn zuerst das Bild bearbeitet wird und anschließend der Text hinzu kommt.[13]

Bildbeschreibung

Eine Karikatur wird einem Schüler gegeben und dieser beschreibt der Klasse ausschließlich die bildliche Darstellung. Dadurch wird die Aufmerksamkeit der Klasse fokussiert. Anschließend bekommen alle die Karikatur zu sehen und beginnen dann zu interpretieren.[14]

Analyse von Karikaturen: Fragenkatalog

Hilfreich bei der Analyse einer Karikatur wäre ein vorliegender oder gemeinsam erarbeitete Fragenkatalog. [15]

Was? Was ist zu sehen?
Welches Thema/Problem ist dargestellt?
Welche handelnden Personen sind dargestellt?
Wie? Welche Auffälligkeiten gibt es?
Wie werden Personen dargestellt?
Welche Stilmittel verwendet die Karikatur?
Wer? Wer hat die Karikatur gezeichnet?
In wessen Auftrag?
Was ist über Zeichner und Auftraggeber bekannt?
Wann? Wann ist die Karikatur entstanden?
Was wissen wir über diese Zeit?
Warum? Was will der Zeichner erreichen?
Wer oder was wird thematisiert?
Was sind seine Gründe dafür?
Wirkung? Welche Emotionen löst die Karikatur aus?
Wie wirkt sie auf Betroffene?
Wie auf den Betrachter?
Wie auf andere?
Verbreitung? Wie wird die Karikatur verbreitet?
Gibt es Rückmeldungen?

Rekonstruieren – Dekonstruieren: Fragenkatalog

Im Geschichtsunterricht sind spezifische Fragen zu klären. Mögliche Fragen nach Reinhard Kremmer:[16]

Lernen, Fragen an die Vergangenheit zu stellen: Auf welches historische Ereignis/welchen historischen Sachverhalt nimmt die Karikatur Bezug?
Wer ist der Zeichner/ die Zeichnerin?
Was ist über ihn/ sie bekannt?
War er/ sie einer Zensur unterworfen?
In welchem Medium wurde die Karikatur veröffentlicht?
Ist das Medium politisch engagiert/ eingebunden?
Aus der Vergangenheit „Geschichte“ erzählen: Was erfahren wir aus der Karikatur?
Wer ist angesprochen?
Was will der Karikaturist zum Ausdruck bringen?
Kläre den historischen Kontext und wandle die Karikatur in eine kleine Erzählung um.
Bilder richtig lesen lernen –
Dekonstruktionskompetenz anbahnen:
Wie „argumentiert“ der Karikaturist? Wo wendet er das Stilmittel der Übertreibung an? Was verschweigt er?
Wo argumentiert er tendenziös, einseitig und dezidiert?
Verwendet er Symbole, was sollen sie bewirken?
Welches Urteil fällt der Zeichner, welche Forderung stellt er?
Welche Normen und Werte, die der Karikatur zugrunde liegen, unterscheiden sich von den heutigen oder den „unseren“?

Kriterien zum Einsatz von Karikaturen

Beim Einsatz von Karikaturen im Unterricht sollten bestimmte Kriterien [17] beachtet werden.


Häufig verwendete Stilmittel in Karikaturen

Schülerinnen und Schüler müssen bei der Arbeit mit Karikaturen mit verschiedenen Stilmitteln arbeiten, diese erkennen, übersetzen und entschlüsseln können.[18]


Häufige Fehler bei der Interpretation von Karikaturen[19]

  1. Häufung von Impulsen: Es besteht die Gefahr, dass eine ausgewählte Karikatur von Andeutungen überladen ist und die aufkommenden Impulse in eine falsche Richtung gehen.
  2. Überspringen der Beschreibung: Auf den ersten Blick wird meist nie die Aussage des Zeichners erfasst. Daher immer erst beschreiben, was zu sehen ist. Keine Deutungen einfließen lassen.
  3. Assoziationen begrenzen: In der Deutungsphase kommt es meist zu sehr breitgefächerten Assoziationsfeldern seitens der Schülerinnen und Schüler. Diese Ausschweifungen können vermieden werden, wenn politische Deutungen bereits im Vorfeld formuliert werden und den Schülerinnen und Schülern bekannt sind.
  4. Zuspitzung vernachlässigen: Jede Karikatur will eine Botschaft überbringen. Diese Transformation bildet den Abschluss einer jeden Interpretation und ist sehr bedeutend. Diesem Teil sollte besondere Aufmerksamkeit geschenkt werden. Die aufgestellte These zu einer Karikatur kann in den darauffolgenden Unterrichtsstunden genutzt werden.
  5. Ambivalenz von Symbolisierungen unterschätzen: Die in einer Karikatur verwendeten Stilmittel müssen unbedingt geklärt und besprochen werden. Viele Schülerinnen und Schüler innerhalb einer Klasse sind häufig nicht auf dem gleichen Wissensstand bezüglich stilistischer Mittel. Innerhalb einer Karikatur können diese auch mehrdeutig sein.
  6. Umkehrung als Kontrastfolie nicht nutzen: Es hilft ungemein, wenn man mit der Verfremdung in der Karikatur arbeitet – sie erneut umzukehren. Es verstärkt das Verständnis einzelner Elemente bzw. des Gesamtbildes.
  7. Gedankenarbeit unterschätzen: Bei der Arbeit mit (politischen) Karikaturen ist ein (politisches) Vorwissen von grundlegender Bedeutung für das Verständnis der Zeichnung. Auch innerhalb der Klasse kann es hier erneut Differenzen beim Wissensstand geben.
  8. Vorschnelle Vereinnahmung: Ein Lehrer sollten seinen Schülern immer ausreichend Zeit zur Verfügung stellen und nicht voreilig, nur um das gesetzte Stundenziel zu erreichen, Erkenntnisse vorwegnehmen.
  9. Übergänge zu den einzelnen Phasen werden nicht vorgeplant: Die Hauptaufgabe des Lehrenden besteht darin, die einzelnen Bearbeitungsphasen zu verdeutlichen. Dadurch wird die methodische Kompetenz der Schülerinnen und Schüler besser gefördert.
  10. Trennung von Beschreibung, Deutung und Kritik einebnen: Den Schülerinnen und Schülern müssen die Arbeitsweisen in den jeweiligen Bearbeitungsphasen bewusst sein. Durch die deutliche Trennung der einzelnen Phasen, werden die Kriterien des Zeichners verdeutlicht, um daran eigenen Wege zu erarbeiten, sich ein Urteil zu bilden.

Fazit

Seit der Erfindung des Buchdrucks gibt es Karikaturen. Sie spiegeln die Gesellschaft bzw. das was diese Gesellschaft bewegt. Dadurch eignen sie sich sehr gut für den Einsatz in der Schule und vor allem im Geschichtsunterricht. Sie sind für Schülerinnen und Schülern ein ansprechendes Fenster in die Vergangenheit und somit ein geeigneter Zugang.

Die Arbeit mit Karikaturen kann den Schülerinnen und Schüler komplexe Sachverhalte gut veranschaulichen und dient gleichzeitig der Reflexion. Natürlich hat die Karikatur auch Nachteile, aber diese können bei guter Vorbereitung des Lehrers leicht behoben werden. So ist der Einsatz von Karikaturen eine Bereicherung für den Geschichtsunterricht. Beim Einsatz ist deren hohes Maß an Flexibilität und deren multiperspektivisches Wesen von einem hohen Nutzwert.


Belege

Literatur

Gombrich, Ernst H.: Das Experiment der Karikatur. In: Kunst und Illusion. Zur Psychologie der bildenden Darstellung. Köln/Berlin 1967, S.368-397

“Frech, Siegfried (2004): Methodentraining für den Politikunterricht. Wochenschauverlag. Schwalbach/ Ts. 30f.

“Frick, Lothar (Hrg.): Zeitschrift für die Praxis der politischen Bildung: Politik und Unterricht. Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg. Heft 3/4 – 2005

“Krammer, Reinhard (2006): Mit Bildern arbeiten: historische Kompetenzen erwerben. S. 36/37

Kris, Ernst: Psychologie der Karikatur. 1977

“Niehl, Franz W. (2001): Damit uns die Augen aufgehen. Über den Umgang mit Bildern im Religionsunterricht. Hrsg. Vom Katechetischen Institut des Bistums Trier. 3. Aufl. 1992 und Michael Sauer: Geschichte unterrichten. Eine Einführung in die Didaktik und Methodik, Seelze-Veiber 2001

Pandel, Hans-Jürgen: Handbuch Medien im Geschichtsunterricht. Schwalbach/Ts.: Wochenschau Verlag 2011

“ Schnakenberg, Ulrich (2011): Geschichte unterrichten. Geschichte in Karikaturen. Wochenschau Verlag. Schwalbach/ Ts. S. 6

Webquellen

Einzelnachweise

  1. vgl. Gombrich 1967, 376
  2. vgl. Kris 1977, 147
  3. vgl. Pandel 2011, 269
  4. Krammer, Reinhard (2006): Mit Bildern arbeiten: historische Kompetenzen erwerben. S. 37
  5. Vgl. Frech, Siegfried (2004): Methodentraining für den Politikunterricht. Wochenschauverlag. Schwalbach/ Ts. 24f.
  6. Schnakenberg, Ulrich (2011): Geschichte unterrichten. Geschichte in Karikaturen. Wochenschau Verlag. Schwalbach/ Ts. S. 6
  7. vgl. Pandel 2011, 279
  8. vgl. Pandel 2011, 280
  9. vgl. Pandel 2011, 286
  10. vgl. Pandel 2011, 286
  11. Schnakenberg, Ulrich (2011): Geschichte unterrichten. Geschichte in Karikaturen. Wochenschau Verlag. Schwalbach/ Ts. S. 5
  12. bearbeitet und ergänzt nach Franz W. Niehl: Damit uns die Augen aufgehen. Über den Umgang mit Bildern im Religionsunterricht. Hrsg. Vom Katechetischen Institut des Bistums Trier. 3. Aufl. 1992 und Michael Sauer: Geschichte unterrichten. Eine Einführung in die Didaktik und Methodik, Seelze-Veiber 2001
  13. bearbeitet und ergänzt nach Franz W. Niehl: Damit uns die Augen aufgehen. Über den Umgang mit Bildern im Religionsunterricht. Hrsg. Vom Katechetischen Institut des Bistums Trier. 3. Aufl. 1992 und Michael Sauer: Geschichte unterrichten. Eine Einführung in die Didaktik und Methodik, Seelze-Veiber 2001
  14. bearbeitet und ergänzt nach Franz W. Niehl: Damit uns die Augen aufgehen. Über den Umgang mit Bildern im Religionsunterricht. Hrsg. Vom Katechetischen Institut des Bistums Trier. 3. Aufl. 1992 und Michael Sauer: Geschichte unterrichten. Eine Einführung in die Didaktik und Methodik, Seelze-Veiber 2001
  15. Herbert Uppendahl: Die Karikatur im historisch-politischen Unterricht, Freiburg/Würzburg 1978, S. 47
  16. Krammer, Reinhard (2006): Mit Bildern arbeiten: historische Kompetenzen erwerben. S. 36
  17. Lothar Frick (Hrg.): Zeitschrift für die Praxis der politischen Bildung: Politik und Unterricht. Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg. Heft 3/4 – 2005. S.4
  18. Schnakenberg, Ulrich (2011): Geschichte unterrichten. Geschichte in Karikaturen. Wochenschau Verlag. Schwalbach/ Ts. S. 6
  19. Vgl. Frech, Siegfried (2004): Methodentraining für den Politikunterricht. Wochenschauverlag. Schwalbach/ Ts. 30f.
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