Perspektivität von Diagrammen

Dienstag, April 3, 2012

 

Deutsch oder Englisch = ein Vergleich lohnt sich

Diagramme sind Darstellungen, die versuchen strukturelle Zusammenhänge und Datenmengen graphisch zu visualisieren. Das hier abgebildete Beispiel versucht die Verluste an Menschen durch den 2. Weltkrieg graphisch aufzuarbeiten – sowohl als Säulen-, als auch als Kreisdiagramm.

Ein durchaus kritisches Thema: Die genauen Verlustzahlen sind bis heute unbekannt. Zahlreiche Historiker streiten sich über die wahren Opferzahlen, während in Osteuropa, vorwiegend in Russland, immer neue Massengräber gefunden werden.

Nach Ulrich Mayer können  Diagramme im Unterricht verschiedene Aufgaben erfüllen: Sie dienen der historisch-politischen Bildung, dem Informationsgewinn, erlauben eine Problematisierung oder sind dazu geeignet wissenschaftliche Methoden kennen zu lernen. Die Problematisierung erlaubt es, Trends und Tendenzen aufzuzeigen, besonders wenn die Quellenlage uneindeutig und/oder widersprüchlich ist.

Eine ganz besondere Rolle spielt hierbei die Perspektivität, die zwischen Faktenschemata und Gedankenschemata unterscheidet. Während das Faktenschemata versucht, Daten möglichst genau und ohne Kommentar und Interpretation wiederzugeben, versucht das Gedankenschemata quasi das Gegenteil zu bewirken. Hierbei wird versucht, wenig greifbare und quantitativ schwer messbare Sachzusammenhänge darzustellen. Schon die Zusammenstellung jedoch, lässt die Interpretation des Autors erkennen.

Der Umgang mit dieser Darstellung bietet nicht nur die Möglichkeit wissenschaftliche Methoden oder Informationsgewinnung einzuüben. Durch einen problematisierenden Einsatz im Unterricht kann das Diagramm Anlass für Lernenden sein, eigene Betrachtungen und Recherchen folgen zu lassen. So lässt sich auch an diesem Beispiel recht gut eine Dekonstruktion durchführen, die beachtet, welche Gruppierungen und Organisationen Einfluss auf die Opferzahlen nahmen und nehmen. Weiterhin bietet die graphische Darstellung Möglichkeiten, gegenwärtige Entwicklungen in der Politik zu ergründen. So nehmen rechtsextreme Parteien den Angriff auf Dresden vom 13. bis 15. Februar 1945 regelmäßig zum Anlass, die Leiden der deutschen Zivilbevölkerung mit denen der Opfer anderer, alliierter Nationen gleichzustellen. Zumindest nach den reinen Zahlen lässt sich dies mit Hilfe dieses Diagramms widerlegen. Über Anregungen und Kommentare würde ich mich sehr freuen!

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