Karlsruhe Postkolonial

Nora Häuser

Autorin

Dr. Brigitte Übel

Betreuerin

Was hat denn Karlsruhe mit dem Kolonialismus zu tun?!

Einleitung

Koloniale und kolonialrevisionistische Diskurse haben auch in Karlsruhe stattgefunden. Mit diesen Diskursen gibt und gab es nach dem Zweiten Weltkrieg fast keine Auseinandersetzung oder sie wurden ignoriert. Wenn beispielsweise bei der Reise des Karlsruher Wasserbauingenieurs Theodor Rehbock nach Deutsch-Südwestafrika in regionalen Zeitungen nur von Studienreise gesprochen wird, obwohl sie die Besiedelung (also Enteignung) des Landes zum Ziel hatte, kann durch diese Auslassung Rehbock weiterhin als ausnahmslos verdienstvoller Bürger Karlsruhes dargestellt werden. Auch muss sich niemand mit Thematiken wie Enteignung, Rassismus oder Kolonialismus auseinandersetzen, der sich für Wasserbau in der Region interessiert. Durch solche sprachlichen Auslassungen wird die These aufrechterhalten, dass der Kolonialismus in Deutschland unbedeutend war. Indem aber Diskurse angeregt werden, kann auch eine Meinungsbildung stattfinden. Das Ziel ist nicht, am Ende dieser ein schwarz-weiß Bild einer Person, eines Ereignisses oder gar der ganzen Stadt zu zeichnen, sondern eine differenzierte Auseinandersetzung zuzulassen.

Die Überschrift „Karlsruhe postkolonial“ müsste dabei eigentlich mit einem Fragezeichen versehen werden („Karlsruhe postkolonial?“). Eine Anregung zur (weiteren, teilweise stattfindenden) Aufarbeitung der Geschichte der Stadt hilft sicherlich dabei, den Kolonialismus und eventuell auch koloniale Sichtweisen zu überwinden. Letztendlich kann dies aber nur ein Anstoß sein für eine viel tiefer gehende Auseinandersetzung mit den Nachwirkungen des Kolonialismus wie Denkmustern, Darstellungen und Handlungen von „Anderen“, Gentrifizierungsprozessen in der Stadt, dem Umgang mit Migrant*innen und vielem mehr. Hier gilt es, in noch stärkerem Maße historische Kontinuitäten aufzuzeigen.

Über diese Seite

Ziel dieser Seite ist es, aufbauend auf die bereits stattfindenden Veranstaltungen, zu einem Diskurs einzuladen über die (städtische) koloniale Vergangenheit. Auch soll eine Beschäftigung mit der Stadtgeschichte angeregt werden in einem Bereich, der häufig vergessen wird. Durch den konkreten geografischen Bezug können sich die Bürger*innen Karlsruhes sehr greifbar mit Kolonialthemen auseinandersetzen.

Ganz generell geht es um Fragen wie: wo sind Orte der Erinnerung an Personen, die eine Rolle im (deutschen) Kolonialismus gespielt haben? Welches sind Orte, an denen koloniales Wissen (re-)produziert wurde, beispielsweise Ausstellungen, Schauen, Museen etc. Welche Stadtpersönlichkeiten haben sich für die koloniale Sache eingesetzt? Und weitere Fragen.

Zur besseren Übersichtlichkeit ist die Seite in vier Bereiche unterteilt.

Sie befinden sich gerade auf der Startseite „Karlsruhe Postkolonial“. Bewegen Sie den Mauszeiger auf „Karlsruhe Postkolonial“ in der Menüleiste, öffnet sich das Menü dieser Seite. Als erstes sehen Sie einen Menüpunkt mit der Überschrift Hintergrundwissen. Dort soll ein grober Überblick über die Zusammenhänge des Kolonialismus gegeben werden – denn die Geschichte Karlsruhes kann unmöglich unabhängig von der Geschichte Deutschlands oder gar Europas betrachtet werden. Sie werden beim weiteren Lesen der Homepage immer wieder auf Verlinkungen zu relevanten Artikeln in diesem Bereich stoßen. Wenn Sie also etwas nicht verstehen oder einordnen können, können Sie beim „Hintergrundwissen“ weitere Informationen erhalten.

Im nächsten Teil geht es um die konkrete koloniale Geschichte Karlsruhes – eben Karlsruhe als koloniale Stadt.

Diese wird unterteilt in drei Teilbereiche: in Ausstellungen und Veranstaltungen geht es um solche Ausstellungen und Veranstaltungen, die koloniales Wissen (re-)produziert haben und / oder die Bevölkerung für die koloniale Frage begeistern wollten. Bei Personen geht es um Menschen, die sich in Karlsruhe für die koloniale Sache eingesetzt haben. Im Bereich Wirtschaft und Handel geht es um Karlsruher Unternehmen, die ökonomisch vom Kolonialismus profitiert haben – die also erst durch den Kolonialismus entstehen oder zu Wohlstand kommen konnten.

Nach der Auseinandersetzung mit Karlsruhe als kolonialer Stadt soll aber auch der Bezug zur Gegenwart hergestellt werden: ist Karlsruhe: neokolonial oder postkolonial? Deshalb wird zuerst im Punkt Orte der kolonialen Erinnerung auf die Orte in Karlsruhe hingewiesen, die immer noch an die koloniale Vergangenheit erinnern und diese gegebenenfalls sogar ehren. Es soll aber auch darauf eingegangen werden, wo sich schon mit dieser Vergangenheit auseinandergesetzt wurde oder diese Auseinandersetzung heute noch stattfindet – im Bereich Auseinandersetzung.

Auch Sie sollen die Möglichkeit bekommen, sich mehr mit dem Thema weiterführend auseinandersetzen zu können. Im Bereich Literatur finden Sie diejenige Literatur, die zum Erstellen dieser Seite benutzt wurde und die in den einzelnen Artikeln angegeben wird. 
Zuletzt können Sie Informationen über die Autorin der Seite sowie deren Betreuerin im Punkt Über entnehmen.

Viele interessante Erkenntnisse beim Lesen!