Koloniale Ausstellungen und Veranstaltungen in Karlsruhe

Tagung der Deutschen Anthropologischen Gesellschaft zu ihrem 16. Kongress

209 Personen nehmen teil, davon kommen 100 aus Karlsruhe.

Tagung der Generalversammlung des deutschen Kolonialvereins

Zur dritten Generalversammlung des noch recht jungen Vereins erscheinen 400 Personen.

Tagung des Deutschen Geographentags

Ein Teil davon war eine ethnographische und pflanzengeographische Abteilung, in der auch „Produkte und Kulturerzeugnisse der deutschen Kolonien vorgeführt wurden“. In der Stadtchronik des Jahres wird die Reichhaltigkeit gerade dieser Sammlung besonders hervorgehoben.

Ausstellung einer „Buschmannfamilie mit einer jungen Hottentottin“

Die vierköpfige Familie zeltet im Stadtgarten.

Vorstellungen einer „Singhalesenkarawane“

Die Karawane gab in der Ausstellungshalle ihre Vorstellungen. Mit dabei waren auch zahlreiche Tiere wie Zebras und Elefanten.

Konstituierung eines Ortsausschusses zum Emin-Pascha-Unternehmen

Im Eintrachtsaal wird Unterstützung für die Rettung des Deutschen Eduard Schnitzer („Emin-Pascha“) gesammelt.

Vorstellungen von „Buffalo Bills Wild West“

Die Vorstellungen, die „farbenreiche Szenen aus dem Indianer- und Ansiedlerleben“ präsentieren, finden auf der Wiese an der Durlacher Allee statt.

Ausstellung von Erzeugnissen „ostafrikanischer Völkerstämme“

Die Ausstellung wird von der „Abteilung Karlsruhe der deutschen Kolonialgesellschaft“ veranlasst.

Vorstellungen einer „Matabelen-Karawane“

Die 26 Personen sind auf der Durchreise nach St. Petersburg. Die Vorstellungen ihrer „heimatlichen Sitten und Gebräuche“ finden im Reichshallentheater statt.

Festrede von Dr. Nokk zum Geburtstag Wilhelm II.

Darin betont er den verdienten „Platz an der Sonne“ des Deutschen Reiches sowie dessen Aufgabe, „Ein Rüstzeug der Zivilisation zu sein“.

Neyo Bruce gastiert mit seiner „Dahomey-Togo-Karawane“ im Stadtgartentheater in Karlsruhe

Bruce war und ist ein bekanntes Beispiel dafür, wie sich zur Schau gestellte Menschen das Schaugewerbe selbst aneigneten.

25.-jähriges Jubiläum der Großherzoglichen Sammlungen für Altertums- und Völkerkunde

Der Sammlung kommen „namhafte Schenkungen“ zugute, besonders auch aus den deutschen Kolonialgebieten.

Verabschiedung von Truppenteilen nach China

Die Truppen werden unter jubelnder Menge und Militärmusik mit dem kommandierenden General von Bülow verabschiedet.

„Barnum & Bailleys größte Schaustellung der Erde“

Die vier Vorstellungen des amerikanischen Unternehmens auf dem Messplatz statt. Zuvor wurde das Unternehmen über Wochen beworben, weshalb es eine hohe Aufmerksamkeit genießt. Dabei zu sehen sind unter anderem „menschliche Abnormitäten jeder Art“.

„Drei Tage im Morgenland“ – Fest der Karlsruher Künstlerschaft

„Es war ein buntes und farbenprächtiges Bild, wie es eben nur Künstler hervorzuzaubern verstehen“.

Der Alldeutsche Verband veranstaltet einen „Burenabend“

Bei dem Abend, für den verschiedene Burenkommandanten gekommen waren, ist der Andrang so groß, dass „hunderte Besucher am Eingang der Festhalle wieder umkehren“ müssen.

Feier eines Landesmissionsfestes

In der Stadtkirche hält unter anderem ein Pfarrer aus Kamerun einen Missionsvortrag

Deutsch-Koloniale-Jagdausstellung

Die Ausstellung findet anlässlich der Hauptversammlung der deutschen Kolonialgesellschaft in Karlsruhe auf dem Messplatz statt und wurde von der Abteilung Karlsruhe konzipiert.

Hauptversammlung der deutschen Kolonialgesellschaft

Etwa 300 Personen nehmen an der Veranstaltung teil. Am 05. Juni findet die Hauptversammlung statt, zu der ca. 400 Personen erscheinen.

Parodistische „Weltausstellung in Karlsruhe“ des Vereins bildender Künstler

Durch das Fest soll ein Fonds zur Erbauung eines Künstlerhauses aufgebaut werden. Die Ausstellungsstraße wird von einigen „Etablissements“ gesäumt, darunter auch einem „Negerkolonialort“.

Vorstellungen „Indien“ der Gebrüder Hagenbeck

Insgesamt 75 Personen geben Vorstellungen auf dem Messplatz.

Gründung des „Badischen Landesvereins des Deutschen Frauenvereins für Krankenpflege in den Kolonien, Abteilung Karlsruhe“

Erstes Stiftungsfest des „Afrika- und Chinakriegervereins“

Ethnographische Ausstellung des Basler Mission

Die enthält „Darstellungen des Lebens und Treibens der Eingeborenen aus den vier Ländern, in denen die Basler Mission arbeitet (Goldküste, Kamerun, Indien und China)“ und wird laut Stadtchronik desselben Jahres von ca. 25 000 Personen besucht.

Hagenbecks indische Völkerschau

Etwa 100 Personen wohnen auf dem Messplatz.

Generalversammlung der Deutschen Kolonialgesellschaft, Abteilung Karlsruhe

Dabei geht es um die Entwicklung und Tätigkeiten der Gesellschaft. Zudem wird beschlossen, einen Mannheimer Professor bei der Sammlung von Geldern für eine Forschungsreise nach Kamerun gegenüber der Generalversammlung in Stuttgart zu unterstützen.

Generalversammlung der Deutschen Kolonialgesellschaft, Abteilung Karlsruhe

Dabei geht es um die Abnahme der Mitgliederzahl.

Ein „Afrikanerdorf“ ist zu Gast

Etwa 60 Personen zeigen „Interessantes und Charakteristisches aus Sitten und Gebräuchen der Senegalesen“ im Rollschuhpalast (Garten-Straße).

25jähriges Stiftungsfest der Deutschen Kolonialgesellschaft, Abteilung Karlsruhe

Auch der Präsident der Kolonialgesellschaft, Herzog Johann Albrecht zu Mecklenburg-Schwerin ist anwesend.

Missionskonferenz des badischen Vereins für äußere Mission

Es werden Spenden gesammelt und u.a. über die „Arbeit der Missionspioniere in Kamerun und Togo“ gesprochen.

Generalversammlung der Deutschen Kolonialgesellschaft, Abteilung Karlsruhe

Es geht um den Zuwachs der Abteilung auf 278 Mitglieder.

Tagung des „Badischen Landesverbandes des deutschen Frauenvereins vom Roten Kreuz für die Kolonien“

Es wird die Errichtung eines „Hilda-Genesungsheimes“ am Kamerunberg beschlossen.

Festspiel von Albrecht Thome Zugunsten des Deutsch-chinesischen Krankenhauses in Tsingtau

Fest der Fahnenweihe des der Afrika- und Chinakriegervereins

Geplante Völkerschau im Stadtgarten Karlsruhe

Der Stadtgartendirektor Friedrich Scherer bemüht sich mehrmals von der Stadtverwaltung eine Genehmigung zu erhalten, um Völkerschauen im Hagenbeckschen Stil durchzuführen. Die Gesuche werden aus wirtschaftlichen Gründen immer wieder abgelehnt.

„Zirkus Sarrasani“

Teil des Zirkusses ist eine Völkerschau.

Kolonial- und Marineausstellung

Die kolonialrevisionistische Ausstellung soll den Deutschen vor Augen führen, warum Deutschland Kolonien braucht und „allen Besuchern den Wert kolonialer Betätigung vor Augen führen“.

Die „Deutsche Kolonialausstellung“ findet statt

Die Ausstellung in der Landesgewerbehalle soll den Deutschen „die Notwendigkeit eigenen Kolonialbesitzes“ vor Augen führen.

Die „Deutsche-Afrika-Schau“ gastiert auf dem Frühjahrsmarkt

Die „Deutsche Afrika-Schau“ entstand 1936 und stand während ihres gesamten Bestehens im Spannungsfeld zwischen Kolonialrevisionismus und NS-Rassenpolitik. Bis 1939 trat die „Deutsche Afrika-Schau“ auf Jahrmärkten und Volksfesten auf.

Die im Zeitstrahl aufgeführten Ereignisse, werden an dieser Stelle nochmals, sofern sie einer Einbettung in einen Kontext bedürfen oder es noch mehr Informationen zu einem Ereignis gibt, ausführlicher beschrieben. Bei einigen Punkten mag es sinnvoll sein, für den Kontext nochmals im Hintergrundwissen zu stöbern – beispielsweise wurde bei völkerschauartigen Ereignissen wie „Vorstellungen einer Matabelen-Karawane“ darauf verzichtet, prinzipiell auf Völkerschauen einzugehen. Hierzu findet sich schon ein längerer Artikel an anderer Stelle auf der Website. Stattdessen wurden teilweise Aspekte aufgegriffen, die spezifisch für die genannte Schau waren.

Die meisten der genannten Ereignisse sind aus den Berichten der Stadtchroniken entnommen, die zwischen 1885 und 1920 herausgegeben wurden. Einige wenige konnten durch zufälliges Stöbern im Archiv entdeckt werden. Dies ist also zum Großteil eine Sammlung derjenigen kolonialen Ereignisse, die es in den Augen der Chronisten wert waren genannt zu werden – also schon eine Vorauswahl aus der Zeit selbst.

Die Suche nach Hinweisen auf kolonialrevisionistische Aktivitäten nach 1920 gestaltete sich wesentlich schwieriger. Einige große Ereignisse konnten durch Zeitungsartikel gefunden werden oder durch Nennung in Fachliteratur – die Listung hier wird aber mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit nicht vollständig sein.

Auch wenn es nicht in jedem Jahr, in denen die Stadtchronik herausgegeben wurde, eine größere Versammlung oder Ausstellung gab, die das Thema Kolonialismus aufgreift, haben die Diskurse weiterhin stattgefunden. Zu diesem Zweck soll hier eine Liste der Kolonialen Themen betreffenden Vorträge eines willkürlich gewählten Jahres (die Auswahl fiel, zufällig gewählt, auf 1890) gegeben werden:

Vorträge im Jahr 1890 (als Beispieljahr)

  • Februar, ein apostolischer Missionar aus Zentralafrika hält einen Vortrag über die Sklavenfrage
  • Februar, ein Marinepfarrer aus Kiel hält einen Vortrag „Leben und Treiben in Sansibar“, veranstaltet von der DKG
  • Februar, ein Missionar aus Stuttgart hält den Vortrag „Die Mission der Brüdergemeinde in Surinam (Südamerika)“
  • am 05. März hält Prof. Dr. W. Valentiner aus Karlsruhe, veranstaltet von der Deutschen Kolonialgesellschaft, den Vortrag „Die deutsche Togokolonie“
  • am 19. November hält ein Doktor aus Leipzig den Vortrag „Die Entdeckungsgeschichte der äquatorial-afrikanischen Schneegebirge“, veranstaltet von der DKG
  • November, Vortrag von Lieutnant v. Tiedmann „Die deutsche von Dr. K. Peters und Tiedmann geführte Emin-Pascha-Expedition“, veranstaltet von der DKG
  • November hält Carl von Grimm den Vortrag „Die deutschen Kolonieen [sic!]“

Auch wenn im Jahr 1890 also keine Versammlung einer Kolonialgesellschaft oder eine Ausstellung stattfand (oder die Chronisten es nicht wert fanden, diese zu erwähnen), so gab es trotz allem weiterhin eine Auseinandersetzung mit dem Thema. Dies soll die Vortragsliste exemplarisch verdeutlichen. Insgesamt wurde auf eine Listung aller kolonialen Vorträge jedes Jahres verzichtet, um die Seite übersichtlicher zu halten und lieber auf größere Ereignisse hinzuweisen. Die Vortragslisten sowie die meisten der genannten Ereignisse können aber sehr leicht selbst in den Stadtchroniken recherchiert werden. Diese sind sowohl online als auch im Lesesaal des Stadtarchivs einsehbar: https://www.karlsruhe.de/b1/stadtgeschichte/literatur/chronik.de

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7.-9. August 1885: Tagung der Deutschen Anthropologischen Gesellschaft zu ihrem 16. Kongress

209 Personen nahmen teil, davon kamen 100 aus Karlsruhe (Stadtarchiv Karlsruhe 4/Dq1 Chronik 1885:70f.).
Die Anthropologie erfuhr ab 1860 einen Aufschwung, der zu ihrem eigentlichen Beginn als Wissenschaft wurde. Dies geschah etwa zeitgleich mit Beginn der modernen, eigentlichen Kolonisation (Leclec 1973:16f.). Die Anthropologie war, wie andere Wissenschaften zu der Zeit auch, von einer evolutionistischen Ideologie geprägt, nämlich, dass sich Menschen in verschiedene Zivilisationsstufen einteilen ließen. Diese im Feld zu erforschen wurde zu ihrer neuen Aufgabe. Leclec (1973:24) schreibt weiterhin: „Wie die ‚wissenschaftliche‘ Kolonisation ist auch die Anthropologie eine neue Praxis; sie wird nur im Rahmen der ‚wissenschaftlichen Kolonisation‘ sinnvoll. Ihr Gegenstand ist entweder die Beschreibung der Lebensbedingungen der Eingeborenen vor der Kolonisation (sie müssen beschrieben werden, ehe man sie zerstört) oder die Beschreibung der durch die Kolonisation allererst geschaffenen Lebensbedingungen […].“ Die Kolonisation bildete dabei die äußere Bedingung, die die anthropologische Forschung ermöglichte und die nicht in Frage gestellt wurde. Die Überlegenheit der europäischen Mächte wurde so wissenschaftlich begründet (Leclec 1973:25).

10. April 1886: Tagung der Generalversammlung des deutschen Kolonialvereins

Am 30. April 1886 tagte in Karlsruhe die Generalversammlung des deutschen Kolonialvereins im Museumssaal (welches Museum ist leider unbekannt). Der Verein war, erst 1882 gegründet (Bendikat 1984:58), zum Zeitpunkt noch recht jung, weshalb sich erklären lässt, dass die Tagung in Karlsruhe erst die dritte dieser Art war.  Umso erstaunlicher ist es zum einen, dass diese gerade in Karlsruhe und nicht etwa in großen oder für die Kolonisation wichtigen Städten wie Hamburg oder Bremen stattfand und zum anderen, dass immerhin 400 Personen zur Generalversammlung erschienen (Stadtarchiv Karlsruhe 4/Dq1 Chronik 1886:56). Die Generalversammlungen des deutschen Kolonialvereines dienten formal dazu, Resolutionen zu erlassen und verbindliche Beschlüssen zu fassen. Außerdem wurden dort sowohl der Vorstand als auch der Präsident gewählt. Diese Sitzung fand ein Mal jährlich statt (Bendikat 1984:61). Auch wenn es schon zuvor diverse Vereine gegeben hatte, die sich für koloniale Interessen eingesetzt hatten, war der deutsche Kolonialverein der bis dahin größte und wichtigste (mehr dazu gibt es im Hintergrundwissen) (vgl. Bendikat 1984). Dass auch die Generalversammlung in Karlsruhe als wichtig wahrgenommen wurde, lässt sich auch daran erkennen, dass der Versammlung in der Stadtchronik immerhin eine halbe Seite gewidmet wurde unter dem Punkt „Versammlungen, Festlichkeiten, Ausstellungen, Sehenswürdigkeiten“ – ein Punkt, der für das gesamte Jahr 1886 überhaupt nur sechs Seiten umfasst. Insgesamt erschienen 400 Teilnehmende, darunter der Fürst Hohenlohe-Langenburg, der Präsident des Vereins. Die Verhandlungen betrafen die Gesetzgebung bezüglich der deutschen Schutzgebiete und die Entwicklung des Gesellschaftsrechts zur Förderung deutscher überseeischer Unternehmungen, Branntwein- und Waffenhandel in den deutschen Schutzgebieten. Anschließend wurde von der Stadt ein Bankett veranstaltet (Stadtarchiv Karlsruhe 4/Dq1 Chronik 1886:56) – wiederum ein Zeichen für Wertschätzung, die dem Verein auch von offizieller Seite entgegengebracht wurde.
Auch Friedrich Fabri war wohl auf der Versammlung 1886 anwesend und diskutierte die Frage des afrikanischen Sklavenhandels im Zuge der Antisklavereisiskussion (Bendikat 1984:118).

14.-17. April 1887: Tagung des Deutschen Geographentags

Dazu fand auch eine geographische Ausstellung statt. Einen Teil der Ausstellung bildete eine ethnographische und pflanzengeographische Abteilung, in der „Produkte und Kulturerzeugnisse der deutschen Kolonien vorgeführt wurden.“ Besonders eingegangen wird in der Stadtchronik auf die Größe der Ausstellung: „Die Reichhaltigkeit gerade dieser Abteilung übertrag nach dem Urteil von Fachmännern alle ähnlichen bisher veranstalteten Sammlungen“ (Stadtarchiv Karlsruhe 4/Dq 1 Chronik 1887:71f.).

August 1887: Ausstellung einer „Buschmannfamilie mit einer jungen Hottentottin“

Die vierköpfige Familie zeltete im Stadtgarten (Stadtarchiv Karlsruhe 4/Dq 1 1887:85).

 

1. Oktober 1888: Konstituierung eines Ortsausschusses zum Emin-Pascha-Unternehmen

Eduard Schnitzer, geboren 1840 in Schlesien, war studierter Mediziner, der zunächst in der Türkei eine Anstellung als Arzt suchte. 1876 trat er als „Emin Effendi“ in ägyptische Dienste und stellte sich dem Generalgouverneur des Sudan zur Verfügung. Von dort unternahm er einige Expeditionen in verschiedene Teile Afrikas. (vgl. Schweinfurth & Ratzel 1888). Durch den Mahdi-Aufstand im ägyptischen Sudan gegen die ägyptische Fremdherrschaft war „Emin Pascha“ zeitweise von der Außenwelt abgeschnitten. Um ihn zu suchen, wurde u.a. Carl Peters gesandt und im ganzen Land Spendengelder für die Unternehmung gesammelt. Bei der Expedition ging es nicht nur darum, Emin Pascha zu retten, sondern auch um die Ausdehnung der deutsch-ostafrikanischen Interessensphäre bis zum Oberen Nil samt Annexion der Gebiete nördlich des Viktoriasees und des ugandischen Hochplateaus (vgl. Peters 1907).

Emin Pascha wurde schon zu Lebzeiten als Abenteurer bewundert, was die mannigfaltige Literatur im Abenteuerromanstil um seine Person beweist. Schon vor und vor allem nach 1888 trugen Erzählungen rund um Emin Pascha Titel wie Dr. Emin Pascha, ein Vorkämpfer der Kultur im Innern Afrikas“ (1885 von Paul Reichard), „Mit Emin Pascha ins Herz von Afrika“ (1894 von Franz Stuhlmann) oder auch „Die Wahrheit über Emin Pascha, die ägyptische Aequatorialprovinz und den Sudan“ (1893 von Vita Hassan und Elie M. Baruck). Ein kleiner Blick in den Bestand der Badischen Landesbibliothek reicht, um erkennen zu können, wie viel Aufmerksamkeit das Emin-Pascha Unternehmen hervorrief. Auch die stark verklärten Beschreibungen Paschas helfen zu erklären, warum die Expedition zu seiner Rettung von solch großem Interesse war:

„Einem allein war es aber beschieden, die ausgestreute Saat der Gesittung zu hüten und die Keime der Cultur in ihrer ersten Entwickelung sicherzustellen. Dieser Eine ist Emin, der standhafte Befehlshaber in der einst ägyptischen Aequatorialprovinz. Nahe dem innersten Centralkern von Afrika regiert Emin nun nach schweren Anfechtungen von innern und äußern Feinden sein Volk in Frieden, der Hülfe gewärtig, die ihm das gesittete Europa in der Person Stanley’s bringen soll. Aller Augen sind dahin gerichtet, wo die Zivilisation ihr wichtiges Vorwerk in Afrika zu verteidigen hat, und jedermann fragt sich: wird es gelingen, das Gewonnene zu erhalten […]? […] Emin gehört uns ganz an, ein Deutscher, ein Preuße!“ (Schweinfurth & Ratzel 1888: v f.).

Obwohl Emin Pascha ab 1890 im deutschen Reichsdienst bei seinen Expeditionen sehr brutal gegen die autochtone Bevölkerung vorging, um diese zu unterwerfen und somit einen aktiven Teil in der deutschen Kolonialpolitik in Ostafrika spielte, wurde er als Held hochstilisiert, der „Kultur“ und „Zivilisation“ vertrete (Bendikat 1984:120).

Von daher wundert es nicht, dass selbst in die Stadtchronik von 1888 eine Art „Unterstützungsrallye“ für die Suche Paschas im selben Jahr benennt:

„Die allgemeine nationale Bewegung, welche in Deutschland die Teilnahme an dem ungewissen Schicksal unseres kühnen durch die Umwälzungen an der ostafrikanischen Küste schwer bedrängten Landsmannes Emin Pascha hervorrief, führte Ende September auch in Karlsruhe zur Konstituierung eines Ortsausschusses des Emin-Pascha-Unternehmens. Am 1. Oktober veranstaltete derselbe eine Versammlung im Eintrachtsaale, welche äußerst zahlreich besucht war. In derselben sprachen Ministerialpräsident K. Grimm, Professor P. Treutlein und erster Staatsanwalt E. Fieser, indem sie teils die hochdeutende Persönlichkeit jenes um die Verbreitung von Kultur und Zivilisation im Inneren des schwarzen Erdteils hochverdienten Mannes schilderten, teils Zweck und Ziele des geplanten Unternehmens darlegten und dadurch weitere Kreise für eine thatkräftige Unterstützung desselben gewannen“ (Stadtarchiv Karlsruhe 4/Dq1 Chronik 1888:73f.).

Auch in Karlsruhe war also, so geschildert, das Interesse an der Rettung Paschas sehr groß. Dieses Beispiel zeigt besonders gut, wie auch Karlsruhe in gesamtdeutsche Diskurse eingebunden war und ist – Kolonialismus und die Debatten darum haben nicht nur „weit weg“ stattgefunden, sondern ganz konkret vor Ort.

Juli 1888: Vorstellungen einer „Singhalesenkarawane“

Die Karawane gab in der Ausstellungshalle „ihre für die Kenntnis ihres Volkes lehrreichen Vorstellungen“. Mit dabei waren auch zahlreiche Tiere wie Zebras und Elefanten (Stadtarchiv Karlsruhe Chronik 1888:78). 
Eventuell handelte es sich um Hagenbecks „Singhalesenkarawane“, die ab 1886 auf Tour ging (vgl. Dreesbach 2005:52), kann aber nicht sicher gesagt werden.

 

24.-28. April 1891: Vorstellungen von „Buffalo Bills Wild West“

Die Vorstellungen, in denen etwa 200 „Indianer“, Cowboys, Daqueros, Pfadfinder, Trapper, Scharfschützen und Reiter „farbenreiche Szenen aus dem Indianer- und Ansiedlerleben“ präsentierten, fanden auf der Wiese an der Durlacher Allee statt (Stadtarchiv Karlsruhe 4/Dq1 Chronik 1891). Bei den Wild West Shows handelte es sich um eine Mischung aus sideshows und artistischer Darbietung (Dreesbach 2005:100). Sideshows waren zusätzliche Vorführungen des Zirkus‘ (eben nicht nur artistische Kunststücke) von „exotischen“ Menschen (Dreesbach 2005:99). Bei den Shows ging es darum zu zeigen, wie sich europäische Siedler gegen die Ureinwohner durchsetzten und die „Wildnis“ bezwangen – es war also eine Show, in der Weiße gegen „Indianer“ als ihren Feinden kämpften. Der berühmteste Veranstalter war „Buffalo Bill“, der mit bürgerlichem Namen William Frederick Cody hieß. 1889 gingen sie auf ihre erste Europatournee. Ab 1891 waren auch ca. 200 Sioux dabei, die nach dem Massaker von Wounded Knee (1890) von der amerikanischen Armee in Reservate konzentriert worden waren. Bei „Buffalo Bills Wild West“ Show sollten die Zuschauer*innen über das vermeintliche Leben in den westamerikanischen Plains aufgeklärt werden. Zudem konnten sie „Indianer“ bei ihrem „alltäglichen Leben“ in Wohnwagen oder Zelten beobachten (Dreesbach 2005:100f.).

September 1893: Ausstellung von Erzeugnissen „ostafrikanischer Völkerstämme“

Die Ausstellung wurde von der „Abteilung Karlsruhe der deutschen Kolonialgesellschaft“ veranlasst und entstammte einer Sammlung des „Afrikareisenden“ Kapitän Spring (Stadtarchiv Karlsruhe 4/Dq1 Chronik 1893).

3.-9. September 1894: Vorstellungen einer „Matabelen-Karawane“

Die 26 Personen waren auf der Durchreise nach St. Petersburg. Die Vorstellungen ihrer „heimatlichen Sitten und Gebräuche“ fanden im Reichshallentheater statt (Stadtarchiv Karlsruhe 4/Dq1 Chronik 1894).

27. Januar 1898: Festrede von Dr. Nokk zum Geburtstag Wilhelm II.

„[…] Der Deutsche hatte das unschätzbare Bewußtsein wiedererlangt, das Glied eines großen Volkes zu sein. Wo auf Erden er sein Wesen und seine Kraft entfaltete, fühlte er über sich seines Vaterlandes schützende Hand. Die Welt sah deutsche Arbeit wachsen und gedeihen und unser Kaufmann […], er umspannt wieder die Erde mit seinem Schaffen und Wagen.

Über all diesem Werdenden wacht in treuer Sorge der Kaiser. Das deutsche Reich ist ein Reich des Rechts und des Friedens. Aber Deutschland will all‘ seinen Kindern ein menschenwürdiges Dasein sichern und braucht freie Bahn. Wir dürfen diesen ‚Platz an der Sonne‘ auch fordern, denn wo immer wir auftreten, soll die Kultur ihren Einzug erhalten und milde Sitte des Vaterlandes. Wir wollen mit den Völkern der Erde Güter tauschen und die Schätze des Geistes, die wir heilig behütet haben, auch in den trüben Tagen. Das in Freiheit geeinte deutsche Volk wird seiner großen Aufgabe, ein Rüstzeug der Zivilisation zu sein, gerecht werden, es wird alle Müdigkeit abschütteln und sich des Wortes von Fischart erinnern: ‚Unverdrossen und allgemach werden verricht‘ die schwersten Sach.‘ […]“ (Stadtarchiv Karlsruhe 4/Dq1 Chronik 1898:63f.).

7.-22. September 1899: „Dahomey-Togo-Karawane“

Neyo Bruce gastierte 1899 mit seiner „Dahomey-Togo-Karawane“ im Stadtgartentheater in Karlsruhe (Brändle 2007:204). Bruce war und ist ein bekanntes Beispiel dafür, wie sich zur Schau gestellte Menschen das Schaugewerbe selbst aneigneten. Er organisierte vermutlich 1896 das erste Mal eine Schautruppe für die Berliner Gewerbeausstellung und reiste anschließend über zwanzig Jahre als selbstständiger Völkerschauunternehmer mit seiner Familie durch Europa. So versuchte Bruce seinen Kindern eine Ausbildung in Europa zu ermöglichen (Lewerenz 2006:76).

1900: 25.-jähriges Jubiläum der Großherzoglichen Sammlungen für Altertums- und Völkerkunde

Der Sammlung kamen „namhafte Schenkungen“ zugute, besonders auch aus den deutschen Kolonialgebieten (Stadtarchiv Karlsruhe 4/Dq1 Chronik 1900:93f.).

22.-23. September 1900: „Barnum & Bailleys größte Schaustellung der Erde“

Die vier Vorstellungen des amerikanischen Unternehmens auf dem Messplatz statt. Zuvor wurde das Unternehmen über Wochen beworben, weshalb es eine hohe Aufmerksamkeit genießt. Dabei zu sehen sind unter anderem „menschliche Abnormitäten jeder Art“ (Stadtarchiv Karlsruhe 4/Dq1 Chronik 1900:95). Ein (weiterer) Hinweis darauf, dass es auch zur Ausstellung von Menschen kam, findet sich nicht in den Chroniken. Dreesbach (2005:100) schreibt jedoch, dass Barnum & Baileys mit zwei sideshows reiste. Sideshows waren zusätzliche Vorführungen des Zirkus‘ (eben nicht nur artistische Kunststücke) von „exotischen“ Menschen (Dreesbach 2005:99). Von daher ist davon auszugehen, dass es auch in Karlsruhe solche Vorführungen bei Barnum & Baileys gab.

Mitte Juli 1900: Verabschiedung von Truppenteilen nach China

Die Truppen werden unter jubelnder Menge und Militärmusik mit dem kommandierenden General von Bülow verabschiedet (Stadtarchiv Karlsruhe Chronik 1900:113) – Diese Truppen wurden also von jubelnden Karlsruher*innen zur Niederschlagung des gegen den Imperialismus gerichteten Aufstandes in China entsandt.

10.-12. März 1901: „Drei Tage im Morgenland“ – Fest der Karlsruher Künstlerschaft

„Drei Tage im Morgenlande“; Quelle: Stadtarchiv Karlsruhe 8_PBS_XI_1816

Vom 10.-12. März veranstaltete die Karlsruher Künstlerschaft in den Räumen der Festhalle ein Fest, das „drei Tage im Morgenland“ darstellen sollte. Dort wurde alles ausgestellt, was für die Besucherschaft „exotisch“ und „orientalisierend“ war – von einer Pantomimenvorstellung über „König Ramses und der Maler“ über Sänger, Musiker und Kunsttänzer, bis hin zu Sehenswürdigkeiten wie „eine Beduinengruppe, die Königsgräber, der ägyptische Tempel, Mumienzauber, das Serail und Projektionsbilder aus dem Orient. Verkaufsläden befanden sich im Tempel der Kunst, wo Werke der Maler, und im ‚Weißen Ibis‘, wo die Festliteratur erstanden werden konnte. Außerdem gab es fliegenden Verkauf, Bettler, Sklaven u.s.w. […] Es war ein buntes farbenprächtiges Bild, wie es eben nur Künstler hervorzuzaubern verstehen.“ (Stadtarchiv Karlsruhe 4/Dq1 Chronik 1901:63)

Blick in die Festhalle; Quelle: Stadtarchiv Karlsruhe 8_PBS_XI_1466

16. Oktober 1901: Der Alldeutsche Verband veranstaltet einen „Burenabend“

Am 16. Oktober veranstaltete Ortsgruppe Karlsruhe des Alldeutschen Verbandes einen sogenannten ‚Burenabend‘, für den verschiedene Burenkommandanten und ein deutscher Arzt aus Kapstadt als Redner gekommen waren. Anscheinend war der Andrang der Besucher „ein so gewaltiger, daß hunderte von Besuchern am Eingang der Festhalle wieder umkehren mußten, da die Polizei eine weitere Überfüllung des Saales nicht gestattete.“ Das Eintrittsgeld ging „zum Besten der verwundeten Buren und notleidenden Burenfamilien.“ (Stadtarchiv Karlsruhe Chronik 1901:61f.). Holländer und Buren wurden als „Niederdeutsche“ vom völkisch-nationalen „Alldeutschen Verband“ mit umsorgt (Kruck 1954:32).

17.09.1902: Feier eines Landesmissionsfestes

In der Stadtkirche hielt unter anderem ein Pfarrer aus Kamerun einen Missionsvortrag (Stadtarchiv Karlsruhe 4/Dq1 Chronik 1902:85).

19. Mai – 10. August 1903: Deutsch-Koloniale-Jagdausstellung

Ausstellungsplan; Quelle: Stadtarchiv Karlsruhe 8_PBS_XII_36

Die Deutsch-Koloniale-Jagdausstellung in Karlsruhe unterschied sich von anderen kolonialen Ausstellungen in der Hinsicht, dass es sich nicht um ein Gastieren einer schon vorhandenen Ausstellung oder Schau handelte, sondern vollständig in Karlsruhe geplant und durchgeführt wurde. Ihre Bedeutung für die Stadt lässt sich darin erkennen, dass sich im Stadtarchiv Karlsruhe nicht nur zahlreiche Bilder der Ausstellung, ein Ausstellungskatalog sowie ein Abschlussbericht dieser finden lassen können, sondern dass ihr in der Stadtchronik von 1903 (Stadtarchiv Karlsruhe 4/Dq1 Chronik 1903) ganze fünf Seiten gewidmet wurden inklusive einer Fotoseite – in einem Druck, der auf 150 Seiten die gesamten Vorgänge der Stadt (Vereinsleben, Industrie, Veranstaltungen, Schulen, und vieles mehr) beschreibt und vieles nur in einem Satz erwähnt werden kann und insgesamt (inklusive der Abbildung der Jagdausstellung) nur sieben Abbildungen beinhaltet, verdeutlicht dies die Wichtigkeit und Prominenz der Ausstellung. Selbst Kaiser Wilhelm sollte ursprünglich die Ausstellung am 11. Mai, also kurz vor Eröffnung besuchen – ein Umstand, der dazu führte, die Ausstellung früher fertig zu stellen als gedacht. Am 11. Mai war „das Gebäude […] festlich geschmückt und das Komite [sic!] stand zum Empfang bereit“ – letztendlich kam der Kaiser aufgrund der Kürze seines Besuchs in Karlsruhe doch nicht (Stadtarchiv Karlsruhe 10/A D 904 Schlussbericht über die Deutsch-Koloniale Jagdausstellung zu Karlsruhe 1903:5). Trotzdem zeigt diese Anekdote den Bekanntheitsgrad, den die Ausstellung genoss.

Blick in die Ausstellung; Quelle: Stadtarchiv Karlsruhe 8_PBS_XII_231

Die Ausstellung wurde im Jahr 1902 mit dem Gedanken, sie anlässlich der Hauptversammlung der Deutschen Kolonialgesellschaft, die 1903 in Karlsruhe stattfand, zu veranstalten. Theodor Rehbock hatte als Vorsitzender des Karlsruher Ablegers den Vorsitz und hielt auch die Eröffnungsrede. Umgesetzt werden konnte die Ausstellung nur dank der Unterstützung der badischen Herrscherfamilie, nämlich der Übernahme des Protektorates durch den Großherzog von Baden und dem Ehrenpräsidium durch den Erbgroßherzog Friedrich von Baden sowie der Unterstützung Herzogs Johann Albrecht von Mecklenburg, der Vorsitzinder der Deutschen Kolonialgesellschaft war (Stadtarchiv Karlsruhe 4/Dq1 Chronik 1903:100f.). Untergebracht war die Ausstellung im sogenannten „Ratzel’schen Bau“ auf dem Messplatz. Er war ursprünglich für die Jubiläumskunstausstellung erbaut worden und sollte wieder abgerissen werden. Dank der Bemühungen der DKG Karlsruhe blieb er ein weiteres Jahr zur Unterbringung der Deutsch-Kolonialen-Jagdausstellung erhalten. Als Ausstellungsstücke wurden im vornherein Jagdtrophäen aus den Kolonien, Jagdwaffen der „Eingeborenen“ und Jagdausrüstung für die Kolonien angedacht (Stadtarchiv Karlsruhe 10/A D 904 Schlussbericht über die Deutsch-Koloniale Jagdausstellung zu Karlsruhe 1903:4). Laut Rehbock sollte in der Ausstellung der „deutschnationale Charakter“ streng gewahrt werden; das heißt, es sollten nur Sammlungen und Jagdtrophäen aus deutschen Kolonien stammen, allenfalls wurden einige Sammlungen aus den benachbarten Gebieten Deutsch-Ostafrikas mitaufgenommen (Rehbock 1903:10).

Blick in die Ausstellung; Quelle: Stadtarchiv Karlsruhe 8_PBS_XII_228

Beschrieben wird der Inhalt in der Stadtchronik 1903 (101) folgendermaßen: „Die Ausstellung bot einen großen einheitlichen Ueberblick über die Kulturzustände der Eingeborenen der deutschen Kolonien, wobei die auf die Jagd bezüglichen Gegenstände, entsprechend der Bedeutung, die der Jagd im gesamten Wirtschaftsleben unseren bisher fast ausschließlich von Jägervölkern bewohnten überseeischen Besitzungen zukommt, den meisten Raum einnahm.“ Auch im Ausstellungskatalog (Deutsche Kolonialgesellschaft, Abteilung Karlsruhe 1903:37) wird als Ziel beschrieben, dass der Besucher bei betreten der Ausstellung „sofort ein Bild der Kulturverhältnisse der Eingeborenen erhalten“ soll. Deshalb gab es zu Beginn eine ethnographische Ausstellung mit großflächigen Fotos, danach eine Gemäldeausstellung und eine „wissenschaftliche Abteilung“. Im Ausstellungskatalog findet sich eine detaillierte Beschreibung der einzelnen Stücke in den jeweiligen Räumen der Ausstellung, die Räume waren nach den einzelnen Kolonien getrennt. Interessant zu nennen ist, dass die jeweiligen geographischen Notizen immer Baden als Bezugspunkt nahmen, um den Besuchern die Größe der einzelnen Kolonien zu verdeutlichen und so eine Brücke zu deren Lebensrealität zu bauen; beispielsweise sei Kamerun 36 Mal so groß wie das Großherzogtum Baden oder Deutsch-Südwestafrika 55 Mal so groß (vgl. Deutsche Kolonialgesellschaft, Abteilung Karlsruhe 1903:32). Die „Eingeborenen“ wurden insgesamt im rassistischen Sprachduktus der Zeit beschrieben. So wurde zum Beispiel die Bevölkerung Deutsch-Südwestafrikas folgendermaßen beschrieben (Deutsche Kolonialgesellschaft, Abteilung Karlsruhe 1903:32): „In der nördlichen Hälfte die Ovambo und Herero (beides Bantuneger), dazu die Buschmänner; in der südlichen Hälfte die Nama (Hottentotten von gelblicher Farbe). Über das ganze Land zerstreut die Bergdamara und die Bastards (Mischlinge von Europäern und Hottentotten). Die weisse Bevölkerung beträgt ca. 4000 Personen.“

Als Sonderausstellung wurden die Sammlungen von Wißmann und der Firma Karl Hagenbeck aus Hamburg gezeigt, die vornehmlich Jagdtrophäen enthielten. Eine weitere Sonderausstellung enthielt die Sammlung des Malers Wilhelm Kuhnert in Berlin. Insgesamt besuchten 44 751 Personen die Ausstellung (vgl. Deutsche Kolonialgesellschaft, Abteilung Karlsruhe 1903). Rentabel war die Ausstellung letztendlich nur Dank einer Ausstellungslotterie, die in zwölf Bundesstaaten genehmigt wurde und deren Ziehung am 07. Oktober 1903 stattfand. Dadurch konnte ein Reinüberschuss von 3003,33 Mark erzielt werden. Der größte Teil des Geldes kam der DKG Karlsruhe zugute, die damit ihre Kosten der Hauptversammlung der DKG deckte. Die weiteren Gewinne gingen unter anderem an die „Sammelstelle der Deutschen Kolonialgesellschaft für die durch den Aufstand der Herero geschädigten Ansiedler“ (Stadtarchiv Karlsruhe 10/A D 904 Schlussbericht über die Deutsch-Koloniale Jagdausstellung zu Karlsruhe 1903:7f.). Im Schlussbericht der Ausstellung lässt Theodor Rehbock noch einmal Revue passieren über den Erfolg der Ausstellung und kommt zu dem Schluss, dass – auch wenn sich dieser nicht in Zahlen messen ließe – es immerhin ein Anwachsen der Mitgliedschaft in der DKG gegeben hätte und dass er „nach wie vor koloniale Ausstellungen für das wirksamste Mittel der kolonialen Propaganda“ hält, weil darüber ein Großteil der Bevölkerung, allen voran die Jugend, erreicht werden könne (Stadtarchiv Karlsruhe 10/A D 904 Schlussbericht über die Deutsch-Koloniale Jagdausstellung 1903:8f.).

03.-06. Juni 1903: Hauptversammlung der deutschen Kolonialgesellschaft

Anfang Juni 1903 fand die Hauptversammlung der DKG in der Festhalle in Karlsruhe, statt, zu deren Anlass die Deutsch-Koloniale-Jagdausstellung stattfand. Es nahmen etwa 300 Personen an der dreitägigen Versammlung teil, darunter auch der Vorsitzende der DKG, Herzog Johann Albrecht von Mecklenburg. Die Wichtigkeit der Versammlung stellte sich auch dadurch dar, dass die Vorstandsmitglieder sowie einige Vertreter der Abteilung vom Großherzog von Baden empfangen wurden. Am 05. Juni fand die Hauptversammlung selbst statt, zu der etwa 400 Personen erschienen (StadtKA 4/Dq1 Chronik 1903:78ff.).

07. April 1905: Parodistische „Weltausstellung in Karlsruhe“ des Vereins bildender Künstler

Abbildung aus dem zur Ausstellung herausgegebenen Buch „Was ist die Kunst?“

 

Plakat zur Veranstaltung; Quelle: Stadtarchiv Karlsruhe 8_PBS_X_6995

Durch das Fest sollte ein Fonds zur Erbauung eines Künstlerhauses aufgebaut werden. Die Ausstellungsstraße wurde von einigen „Etablissements“ gesäumt, darunter auch einem „Negerkolonialort“ (Stadtarchiv Karlsruhe 4/Dq1 Chronik 1905:116). Auch wenn das Fest parodistisch angedacht war, kamen doch die gleichen Stereotype zum tragen.

19.-28. September 1905: Vorstellungen „Indien“ der Gebrüder Hagenbeck

Insgesamt 75 Personen gaben Vorstellungen auf dem Messplatz (Stadtarchiv Karlsruhe 4/Dq1 Chronik 1905:139).

14. Oktober 1908: Gründungsversammlung des „Badischen Landesvereins des Deutschen Frauenvereins für Krankenpflege in den Kolonien, Abteilung Karlsruhe“

Die Hauptaufgabe des Vereins bestand„in der geordneten Krankenpflege für die Kolonien in Friedenszeiten“. In Kriegsfällen stellte er sich dem Zentralkomitee des Roten Kreuzes zur Verfügung (Stadtarchiv Karlsruhe 4/Dq1 Chronik 1908:169).

20. März 1909: Erstes Stiftungsfest des „Afrika- und Chinakriegervereins“

„Die Begrüßungsrede hielt Verwaltungsassistent Evert. Generalmajor Dürr zog in seiner Rede eine Parallele der letzten Kolonialkämpfe mit dem Kriege von 1870/71. Oberleutnant Heusch schloß seine Ansprache mit einem Hoch auf den Großherzog. Mitglieder des Vereins führten das Schauspiel: ‚Deutsche Treue in Afrika‘ von Liliencron auf. Lebende Bilder, die Szene [sic!] aus dem Hereroaufstand zeigten, und Gesangsvorträge folgten“ (Stadtarchiv Karlsruhe 4/Dq Chronik 1909:101).

28. März – 17. April 1910: Ethnographische Ausstellung des Basler Mission

Diese enthielt „Darstellungen des Lebens und Treibens der Eingeborenen aus den vier Ländern, in denen die Basler Mission arbeitet (Goldküste, Kamerun, Indien und China)“ und wurde laut Stadtchronik desselben Jahres (S.175) von ca. 25 000 Personen besucht.

23.-28. August 1910: "Hagenbecks indische Völkerschau"

Etwa 100 Personen wohnten auf dem Messplatz (Stadtarchiv Karlsruhe 4/Dq1 Chronik 1910:182). Es ist anzunehmen, dass es sich dabei um „Gustav Hagenbeck’s größte indische Völkerschau“ handelte, wie sie bei Dreesbach (2005:96) für das Jahr 1911 auf dem Bremer Freimarkt beschrieben wird. Außer den rund 100 Männern, Kindern und Frauen waren wohl auch Elefanten, Bären, Affen und Schlangen zu sehen. Eine Nachbildung von Madras bildete das Zentrum der Schau. Weiterhin wird beschrieben, dass die „Truppe […] ‚staunenerregende Productionen aus dem indischen Wunderlande‘ und ihr ‚Leben und Treiben‘ vor[führte], Handwerker zeigten Töpfern, Kunststicken, Ebenholzschnitzen sowie Gold- und Silberarbeiten. In den Bazaren konnten Kauflustige verschiedene Waren erwerben und wer den Mut besaß, konnte auf den Elefanten reiten“ (Dreesbach 2005:96).

19. Mai 1911: Generalversammlung der Deutschen Kolonialgesellschaft, Abteilung Karlsruhe

Dabei berichtete der Vorsitzende, Professor Dr. von Oechelhaeuser über die Entwicklung und Tätigkeiten der Gesellschaft.  Er erwähnte auch den Erfolg einiger Vorträge von Freiburger Professoren in der Technischen Hochschule für Mitglieder und eingeladene Studenten und Schüler.  Dies ist der einzige Beweis in den Stadtchroniken, dass die DKG zu propagandistischen Zwecken und Rekrutierung von neuen Mitgliedern auch in der Hochschule in Karlsruhe aktiv war. Zudem wird beschlossen, einen Mannheimer Professor bei der Sammlung von Geldern für eine Forschungsreise nach Kamerun gegenüber der Generalversammlung in Stuttgart zu unterstützen (Stadtarchiv Karlsruhe 4/Dq1 Chronik 1911:126).

10. Mai 1912: Generalversammlung der Deutschen Kolonialgesellschaft, Abteilung Karlsruhe

„Die Abteilung Karlsruhe der Deutschen Kolonialgesellschaft hielt am 10. Mai ihre Generalversammlung ab, Der Vorsitzende Geh. Hofrat Prof. Dr. von Oechelhäuser erstattete den Jahresbericht, mußte dabei eine nicht unerhebliche Abnahme der Mitgliederzahl feststellen. Es soll in eine neue Werbetätigkeit eingetreten werden. Der Kassenbericht gab einen günstigen Abschluß, so daß aus dem Überschuß der Kolonialschule in Witzenhausen ein Beitrag von 50 Mk. überwiesen werden konnte. An den geschäftlichen Teil schloß sich ein Vortrag von Professor von Oechelhäuser über die wirtschaftliche Nutzbarmachung der neuesten technischen Errungenschaften für unsere Kolonien.“ (Stadtarchiv Karlsruhe 4/Dq1 Chronik 1912:97).

08. Januar 1913: Ein „Afrikanerdorf“ ist zu Gast

„Ein Afrikanerdorf war am 8. Januar im Rollschuhpalast (Garten-Straße) zu sehen. Die Bewohner waren Neger aus Senegambien, Männer, Weiber und Kinder, etwa 60 Personen. Das Dorf bot Interessantes und Charakteristisches aus Sitten und Gebräuchen der Senegalesen. Man sah eine Schule, Handwerker, Tänzer, Musikanten, Ringkämpfer, Krieger u.a. Auch die Tätigkeit der schwarzen Hausfrau war zu beobachten.“ (Stadtarchiv Karlsruhe 4/Dq1 Chronik 1913:207).

13. Februar 1913: 25jähriges Stiftungsfest der Deutschen Kolonialgesellschaft, Abteilung Karlsruhe

„Die Abteilung Karlsruhe der deutschen Kolonialgesellschaft feierte am 13. Februar ihr 25jähriges Stiftungsfest. Eine Festsitzung und ein Bankett fanden statt. Der Festsitzung wohnte der Großherzog an. Zu den Feierlichkeiten war der Präsident der Kolonialgesellschaft, Herzog Johann Albrecht zu Mecklenburg-Schwerin, Regent von Braunschweig, mit Gemahlin hier eingetroffen. Der erste Vorsitzende der Karlsruher Abteilung, Geh. Hofrat Professor Dr. Adolf von Oechelhaeuser, eröffnete die Festsitzung mit einer Ansprache zur Begrüßung der Anwesenden und einem kurzen Überblick über die Entwickelung der Abteilung. Er schloß mit einem Hoch auf den Kaiser und den Großherzog. Dann hielt Reichstagsabgeordneter Dr. Paasche einen Lichtbildervortrag über ‚Deutsche Kulturaufgaben im Osten‘ (Japan, China). Nach einer kurzen Pause, während der sich der Großherzog und die Großherzogin zu Mecklenburg verabschiedeten, begann das Bankett. Ministerialdirektor Dr. Karl Weingärtner dankte Geh. Rat Paasche für seinen Vortrag. Er sprach weiter über die Entfaltung des Kolonialgedankens im deutschen Volke und schloß mit einem Hoch auf Herzog Johann Albrecht. Dann ergriff der Herzog das Wort verbreitete sich über die bisherigen Leistungen und künftigen Aufgaben der Kolonialgesellschaft. Er ließ seine Ansprache in ein Hoch auf den Großherzog ausklingen. Im Verlaufe des Abends wurden dem Herzog zur Bereicherung seiner Sammlung ein kleines präpariertes Krokodil überreicht und den vier Mitgliedern, die seit Gründung der Abteilung dem Vorstand angehören, Baurat Williard, Major Kreßmann, Major Hoffmann und Buchhändler Gräff, Ehrendiplome. […] – Am 19. Mai berichtete Professor von Oechelhaeuser in der Generalversammlung über den Verlauf des Stiftungsfestes und über den Zuwachs, den die Abteilung erlangt hat. Sie zählt 278 Mitglieder. Oberbaurat Professor Theodor Rehbock hielt einen Lichtbildervortrag über ‚Talsperren in Deutschland und den Kolonien.‘“ (Stadtarchiv Karlsruhe 4/Dq1 Chronik 1913:112f.)

26. März 1913: Missionskonferenz des badischen Vereins für äußere Mission

Es wurden Spenden gesammelt und u.a. über die „Arbeit der Missionspioniere in Kamerun und Togo“ gesprochen (StadtKA 4/Dq1 Chronik 1913:173).

Missionare bildeten häufig die ‚geistige‘ Vorhut für Forschungsarbeiten und Expansionsbestrebungen. Leclerc (1973:15) schreibt, dass sie sich „[…] [z]war […] meist der engen Bande zwischen ‚Evangelisierung‘ und Kolonisation bewußt [waren]- doch ohne Schuldgefühle.“

19. Mai 1913: Generalversammlung der Deutschen Kolonialgesellschaft, Abteilung Karlsruhe

„Am 19. Mai berichtete Professor von Oechelhaeuser in der Generalversammlung über den Verlauf des Stiftungsfestes und über den Zuwachs, den die Abteilung erlangt hat. Sie zählt 278 Mitglieder. Oberbaurat Professor Theodor Rehbock hielt einen Lichtbildervortrag über ‚Talsperren in Deutschland und den Kolonien‘“ (StadtKA 4/Dq1 Chronik 1913:112f.).

16. Dezember 1913: Tagung des „Badischen Landesverbandes des deutschen Frauenvereins vom Roten Kreuz für die Kolonien“

„Am 16. Dezember tagte hier der Badische Landesverband des deutschen Frauenvereins vom Roten Kreuz für die Kolonien in Gegenwart der Großherzogin. Nach ausführlichen Darlegungen des Gouverneurs Ebermeier von Kamerun beschloß der Vorstand einstimmig, das Hilda-Genesungsheim des Landesverbandes auf dem in der Nähe von Buea am Kamerunberge gelegenen Botekehügel zu errichten. Eine Sammel-Arbeit ist noch nötig, wenn das Heim in der geplanten soliden Ausführung und guten Einrichtung erstellt werden soll. Für Karlsruhe nimmt Bankdirektor Robert Nicolai Anmeldungen zum Beitritt in die Abteilungen des Landesverbandes entgegen“ (Stadtarchiv Karlsruhe 4/Dq1 Chronik 1913:178.).

2.-3. Mai 1914: Festspiel von Albrecht Thome Zugunsten des Deutsch-chinesischen Krankenhauses in Tsingtau
5. Juli 1914: Fest der Fahnenweihe des der Afrika- und Chinakriegervereins

Während des ersten Weltkrieges und kurz danach fanden keine Völkerschauen statt, da die anderen europäischen Kolonialmächte Genehmigungen für die Anwerbung von Kolonisierten für Völkerschauen nicht mehr erteilten (Lewerenz 2006:78). Dies machte sich natürlich auch in Karlsruhe bemerkbar: es sind keine Ausstellungen und Schauen mehr in den Chroniken erwähnt. Auch um die DKG, Abteilung Karlsruhe blieb es ruhig: im ersten Weltkrieg gab es andere Prioritäten.

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1924 - 1928: Geplante Völkerschau im Stadtgarten Karlsruhe

Um den Stadtgarten nach dem Krieg wiederzubeleben, erhielt das Städtische Gartenamt im April 1920 den Auftrag, ein „Programm für die Umgestaltung aufzustellen“ wofür sie einen externen Gutachter zurate zog. Dieser fand sich in Kurt Priemel, Leiter des Frankfurter Zoos, der unter anderem vorschlug, den Zoo für Veranstaltungen wie „Völkerschauen“ zu nutzen, um mehr Besucher anzuziehen.

Diese Idee griff der Stadtgartendirektor Friedrich Scherer auf und bemühte sich mehrmals von der Stadtverwaltung eine Genehmigung zu erhalten, um Völkerschauen im Hagenbeckschen Stil durchzuführen. In der Sitzung der Stadtgartenkommission am 29.04.1924 argumentierte er, dass die Schau „für den Stadtgarten eine grosse Anziehungskraft ausüben [sollte], nicht nur beim Karlsruher Publikum, sondern auch die nähere und weitere Umgebung dürfte hieran Interesse haben.“

Bei solchen Schauen konnte man den sogenannten „Primitiven“ bei vermeintlich „typischen“ Tätigkeiten zuschauen; die ausgestellten Menschen lebten einige Zeit in Hütten auf dem Ausstellungsgelände und Besucher konnten ihnen bei Handwerksarbeiten und „nationaltypischen“ Ritualen zuschauen, wie Tänzen, musikalischen und akrobatischen Darbietungen.

Zwischen 1924 und 1926 gab es mehrfach Diskussionen mit dem damaligen Oberbürgermeister Julius Finter, dem Stadtrat und der Stadtgartenverwaltung, ob solche Ausstellungen stattfinden sollten. Auch Hagenbeck und andere Veranstalter fragten regelmäßig an, die Gesuche wurden allerdings genauso regelmäßig abgelehnt.

Die Ablehnung geschah allerdings nicht aus moralischen, sondern aus wirtschaftlichen Gründen: zum einen, weil kurz Zuvor ein Zirkus mit ähnlichen Darbietungen in Karlsruhe gewesen war und der Markt nach dieser Art der Völkerschau gesättigt sei, zum anderen weil die daraus folgende Preiserhöhung negativ bei den Abonnenten ankommen würde.

1926 gab die Stadt schließlich eine Genehmigung für die Ausstellung einer Ausstellungstruppe von Indern mit Elefanten und „dazugehörigen Tieren“. Diese fand allerdings nie statt, weil man sich weder über die Gestaltung, noch über die Eintrittspreise einigen konnte (Beil 2015:37-40).

Juni 1930: „Zirkus Sarrasani“

Sarrasani übernahm, durch Buffalo Bill angeregt, ab 1907 Kunstschützennummern und „Indianer“ in das Programm seines Zirkus (Dreesbach 2005:101).

12. Juli – 03. August 1930: Kolonial- und Marineausstellung

Die deutsche Kolonial- und Marineausstellung war 1930 im Landesgewerbeamt Karlsruhe zu Gast.

Die Ausstellung sollte vor allem dazu dienen, den „kolonialen Gedanken zu pflegen“, also zu erhalten. Es ging darum, der Bevölkerung zu zeigen, dass man auch weiterhin seinen Anspruch auf Kolonien einforderte:

„Unsere Kolonien, einst unser Stolz, sind heute in fremden Händen. […] Für uns gilt aber nach wie vor das Wort: ‚Koloniale Wiederbetätigung unseres Volkes – wir wollen wieder ein Kolonialvolk werden‘!“ (Badische Kriegerzeitung 1.07.1930:277).

Dabei wurde die Theorie vertreten, dass Deutschland überbevölkert und die Deutschen die Fläche sowohl als Lebensraum wie zur Ernährungssicherheit bräuchten. Dabei wurde geflissentlich vergessen, dass die deutschen Kolonialgebiete aufgrund von fehlendem Interesse als Lebensraum während der Kolonialzeit von keiner Bedeutung gewesen waren (Kämper 2016:203).

Auch wurde die „zivilisatorische Aufgabe betont“, die mit der Kolonialisierung einherginge:

„Im besonderen würde die dauernde Ausschaltung der geistigen und sittlichen Werte der deutschen Kultur von den Aufgaben, die sich die kolonisiserenden Völker in der kulturellen Erschließung der noch unentwickelten Länder der Erde, vor allem auf dem Gebiete des Gesundheitswesens und der Erziehung der eingeborenen Völker gestellt haben, eine wirkliche Lösung dieser Aufgaben verhindern und eine Verarmung der gesamten Menschheitskultur bedeuten“ (Badische Kriegerzeitung 1.07.1930:277).

Da „Deutschlands überseeische Zukunft“ mit einer Stärkung der Seemacht einherging, war die Ausstellung nicht nur als Kolonial-, sondern eben auch als Marineausstellung konzipiert.
Letztendlich ging es, wie so oft, auch um den „Kampf gegen Versailles (vgl. Gründer 2012):

„Aus allen diesen Gründen erheben wir, unter Aufrechterhaltung unserer kolonialen Rechtsansprüche, die Forderung auf den Wiedereintritt Deutschlands in eine aktive Kolonialarbeit in eigenen Kolonialgebieten“ (Badische Kriegerzeitung 1.07.1930:277).

4. Mai – 01. Juni 1936: „Deutsche Kolonialausstellung“

Die vom Reichskolonialbund konzipierte Deutsche Kolonialausstellung gastierte 1936 unter der Schirmherrschaft von Ministerpräsident Walter Köhler im Landesgewerbeamt.

Die Themen der Ausstellungen sind ähnliche wie zuvor in der deutschen Kolonial- und Marineausstellung 1930. Wie damals ging es 1936 um die „Raumnot“ der Deutschen, die durch die Kolonisierung gelöst werden könne sowie um den Kampf gegen den Versailler Vertrag:

„[…] [W]ir [sehen] auf eine geradezu vorbildliche Leitung des deutschen Volkes und der Schaffung von Kolonien zurück, so daß der Einwurf des Auslands, wir seien ja gar nicht fähig zur Kolonisierung, zurückgewiesen werden muß. Der Versailler Vertrag hat uns eingeengt; dennoch dürfen und können wir in keiner Weise auf jene Lebensräume verzichten“ (Der Führer 05.05.1936).

Auch ging es darum, dass Deutschland die Kolonien brauche, um Waren aus den Kolonien unabhängig importieren zu können:

„Weißt du überhaupt, wieviel Dinge Deines täglichen Gebrauchs koloniale Produkte sind? Ueber zwei Milliarden Reichsmark muss dein Vaterland jährlich an das Ausland für diese Kolonialprodukte zahlen! Bedenke: Fast die Hälfte der Summe der gesamten Einfuhr! ‚Nur deutscher Kolonialbesitz läßt deutsches Geld in deutschen Händen bleiben.‘“ (Der Führer 03.05.1936).

Deshalb sollte die Ausstellung die deutsche Bevölkerung motivieren, sich für eine koloniale Tätigkeit einzusetzen:

„Die Ausstellung hat die Pflicht, im deutschen Volke und gerade bei der Jugend die Befähigung und den Wunsch zu erwecken, hinaus zu gehen und ihren Platz im Sinne deutscher Kultur auszufüllen“ (Der Führer 05.05.1936).

1938: Die „Deutsche-Afrika-Schau“ gastiert auf dem Frühjahrsmarkt

Die „Deutsche Afrika-Schau“ entstand 1936 und stand während ihres gesamten Bestehens im Spannungsfeld zwischen Kolonialrevisionismus und NS-Rassenpolitik. Die Schausteller*innen waren keine direkt aus ehemaligen Kolonien migrierten Personen mehr, sondern allesamt in Deutschland lebende schwarze Menschen – viele von ihnen in Deutschland geboren. Die Schau entstand vor dem Hintergrund, dass Schwarze in Deutschland kaum Arbeit fanden. Sie wurde von zwei Männern gegründet, die selbst davon betroffen waren: einem aus Togo stammenden, aber in Deutschland lebenden Mann sowie einem mit einer schwarzen Frau verheirateten Deutschen. Es handelte sich also zunächst um keine Völkerschau im klassischen Sinne; die Schausteller*innen konzipierten ihre Vorstellungen selbst und ließen auch Teile populärer Unterhaltungsveranstaltungen (Akrobatik, Gesang, etc.) mit einfließen. Man könnte die „Deutsche Afrika-Schau“ in den ersten Jahren also eher als Varieté beschreiben, die vor allem auf Jahrmärkten und Volksfesten auftrat wie beispielsweise auch in Karlsruhe auf dem Frühjarsmarkt 1938 (Lewerenz 2006:167). Trotz diesen in Teilen selbstbestimmten Vorführungen, ist anzumerken, dass viele der Schausteller*innen keine andere Wahl hatten als sich solchen Schaus anzuschließen, da sie keine Arbeit fanden und sich wieder in ein koloniales Machtgefüge zu stellen.

Nach einem Transporterunfall 1937 geriet die Schau in finanzielle Not, weswegen sich die „Deutsche Gesellschaft für Eingeborenenkunde einschaltete“, die die Schau unter der Bedingung übernahm, sie „positiv zu unterstützen“. Ab diesem Zeitpunkt wurde die Schau bis zu ihrem Ende immer mehr von Nationalsozialisten vereinnahmt. Ab 1937 stand die Schau direkt unter der Kontrolle der NSDAP und ihrer Behörden. Die „Deutsche Afrika-Schau“ wurde nicht mehr nur als Arbeitsplatz für schwarze Menschen gesehen, sondern auch als Ort, an dem schwarze Männer „unter Kontrolle gehalten“ und überwacht werden konnten, damit es nicht zu einer „Rassenvermischung“ käme. 1938 wurde daher sogar überlegt, ob alle in Deutschland lebenden Kolonialmigranten in der „Deutschen Afrika-Schau“ leben sollten, um sie zu kontrollieren und auch, um zu schauen, welche Personen aus der Schau nicht ursprünglich aus den deutschen Kolonien kamen. Aus verschiedenen Gründen wurde sich jedoch dagegen entschieden. Bis 1939 trat die „Deutsche Afrika-Schau“ auf Jahrmärkten und Volksfesten auf. Sie sorgte aber für immer mehr Unmut: zum einen war sie eine Konkurrenz zu anderen Schaustellunternehmen, zum anderen vielen zu wenig kolonialpropagandistisch, und zu „unauthentisch“ (es waren eben keine Personen aus den Kolonien, die auftraten, sondern Deutsche). Ab 1939 trat die Schau in extra angemieteten Sälen auf, wurde also aus dem Jahrmarktsmilieu herausgelöst und immer mehr kolonialpropagandistisch ausgerichtet (Lewerenz 2006:87-109). Ihr Ende fand die „Deutsche Afrika-Schau“, da die NS Propaganda Hass gegen Frankreich für den Krieg schüren wollte -dafür griff man die „Schwarze-Schmach“-Kampagne auf gegen die nach dem ersten Weltkrieg am Rhein stationierten Kolonialsodaten (dies wurde als extrem stigmatisierend empfunden). Die Kolonialsodaten sollten als besonders brutal dargestellt werden, es war nicht förderlich, dass durch den Kontakt bei der „Deutschen Afrika-Schau“ gezeigt wurde, dass auch schwarze Deutsche „normale Menschen“ sind. Einige der Schausteller*innen überlebten den Nationalsozialismus, von mindestens zwei Personen ist bekannt, dass sie hingerichtet oder ins Konzentrationslager deportiert wurden (Lewerenz 2006:131-141).

6. Bundestreffen des Verbands ehemaliger Angehöriger des deutschen Afrika-Korps 12.-14 September 1958

Das Treffen des Verbands ehemaliger Angehöriger des Deutschen Afrika-Korps fand größtenteils in der Schwarzwaldhalle statt und wurde durch die Stadt gefördert. Auch der damalige Oberbürgermeister Günther Klotz sprach ein Grußwort. Anwesend waren Krieger des Afrika-Korps, das im zweiten Weltkrieg von 1941-1943 in Nordafrika kämpfte sowie Angehörige der kaiserlichen Schutztruppe (allesamt als „Afrikaner“ tituliert).
Das Treffen ist ambivalent zu beurteilen; auf der einen Seite gab es immer wieder die Aufforderung zu einem demokratischem Bekenntnis und dem Eintritt für „Versöhnung und Verständigung“ sowie „Kampfe für eine hellere Welt“ (ohne genauere Angaben, was dies bedeutet) (Verband ehemaliger Angehöriger des Deutschen Afrika-Korps e.V. 1958:25).
Auf der anderen Seite wurde und wird durch den Verband Kriegs- und Soldatenromantik gefördert sowie der eigene Einsatz im Krieg verherrlicht, wenn beispielsweise vom „tapferen Kampf der ehemaligen Schutztruppe [bei] der Niederwerfung des Hereroaufstandes 1904“ gesprochen wird (Verband ehemaliger Angehöriger des Deutschen Afrika-Korps e.V. 1958:27). Generell werden Kampfhandlungen in keiner Weise hinterfragt, zum Beispiel beim Bericht über eine Karlsruher Division, die „in treuester Pflichterfüllung bis zum Äußersten im Jahr 1945“ in Danzig die Stellung gegen die Sowjets hielt (Verband ehemaliger Angehöriger des Deutschen Afrika-Korps e.V. 1958:19), sondern die „Soldatentreue“ Romantisiert sowie der Zusammenhalt von Soldaten („Familienverbundenheit“): „Das Düsseldorfer Treffen [im Jahr zuvor, N.H.] hat diese Verbundenheit erneut sichtbar werden lassen, […] weil sie von demselben einzigartigen Geist der Zusammengehörigkeit getragen war“ (Verband ehemaliger Angehöriger des Deutschen Afrika-Korps e.V. 1958:6). Auch wurde und wird Edwin Rommel verherrlicht, dessen Foto gleich zu Beginn eine ganze Seite der Festschrift prägt, zu dessen Ehren eine Sonderpostkarte mit einem Holzschnitt seines Porträts herausgegeben wurde und über den der Vorsitzende des Verbandes in seinem Abschiedsgruß schrieb: „Es ist und bleibt unsere wichtigste Pflicht, dieses Andenken an Rommel für immer wachzuhalten. Ich bin gewiß, daß jeder, der unter seinem Kommando in Afrika gestanden hat, das als eine Herzensangelegenheit betrachtet“ (Verband ehemaliger Angehöriger des Deutschen Afrika-Korps e.V. 1958:13).
Den „Verband Deutsches Afrika-Korps“ gibt es noch heute. Laut eigenen Angaben auf der Homepage tritt er für die Völkerverständigung und gegen die Propaganda von Nationalsozialisten ein, unterhält aber weiterhin ein Museum in der „Villa Lindenhof“ zu Ehren Erwin Rommels.