Grundlagen der Fachdidaktik

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Geschichtsdidaktik ist diejenige wissenschaftliche Disziplin, die sich mit der Form, Entstehung und Förderung von Geschichtsbewusstsein beschäftigt. Sie ist keine Unterdisziplin der allgemeinen Didaktik, sondern eine eigenständige Disziplin, mit Bezügen zur Geschichtswissenschaft (besonders der Geschichtstheorie), Erziehungswissenschaft bzw. Pädagogik und Psychologie sowie den Sozial- und Kulturwissenschaften. Der schulische Geschichtsunterricht ist das vorrangige, aber nicht das einzige Handlungsfeld der Geschichtsdidaktik.

Geschichtsbewusstsein im Zentrum[Bearbeiten]

Die moderne Geschichtsdidaktik (in Deutschland seit etwa 1970) grenzt sich von einem früheren Verständnis ab, ihre Aufgabe nur als pragmatische Disziplin zur besseren Vermittlung geschichtswissenschaftlicher Erkenntnisse an Schülerinnen und Schüler (Abbilddidaktik) im Geschichtsunterricht zu sehen. Ebenso ist sie keine rein pädagogisch motivierte Geschichtspädagogik, wie in der Erziehung im Nationalsozialismus. Sie hat mit der Kategorie des Geschichtsbewusstseins ein Zentrum gefunden, das einschließt:

  • theoretische Reflexion über die Logik und Eigenheiten historischen Denkens,
  • empirische Forschungen zu Struktur und Genese von Geschichtsvorstellungen und Prozessen historischen Denkens,
  • pragmatische Bemühungen um die Entwicklung von Prinzipien und Verfahren (Methoden) von Geschichtsunterricht.

Geschichte der Geschichtsdidaktik[Bearbeiten]

Das gegenwärtige Selbstverständnis der Geschichtsdidaktik im deutschsprachigen Raum hat sich in der Bundesrepublik seit etwa Mitte der 1960er Jahre entwickelt, als auch eigene Lehrstühle für dieses Fach außerhalb der praxisorientierten Pädagogischen Hochschulen entstanden.[1] In der DDR gab es eine so verstandene Disziplin nur in eingeschränkter Form. Die entsprechende Disziplin verstand sich dort seit etwa 1960 nur noch als Methodik des Geschichtsunterrichts.

Didaktische Reflexion zum Geschichtsunterricht gab es verstärkt seit dem Aufkommen der Pädagogik als Wissenschaft im frühen 20. Jahrhundert. Die didaktischen Ansätze standen zwischen einer strikten Wissenschaftsorientierung in der gymnasialen Oberstufe und einer normativen Geschichtspädagogik in Unterstufe und Volksschule, in denen sie auf einfache Wissensreproduktion oder günstigenfalls Erlebnispädagogik durch lebhafte Lehrererzählungen setzten. Erst die Reformpädagogik brachte vor allem in der Weimarer Republik, in der der Arbeitsunterricht sogar in der Verfassung (Art. 148) genannt wurde, eine freiere Diskussion über geschichtsdidaktische Fragen in Gang.[2]

Ziele[Bearbeiten]

Die Ziele moderner Geschichtsdidaktik sind

  • hinsichtlich der Theoriereflexion die Erarbeitung einer Theorie des historischen Denkens sowohl von Individuen als auch in Kollektiven (Gesellschaften) hinsichtlich seiner Strukturen, Einflussgrößen und Verlaufsformen als auch seiner Funktionen für die Gesellschaft und das Individuum,
  • hinsichtlich der empirischen Forschung die Herausarbeitung von verschiedenen Typen historischen Bewusstseins, historischer Argumentations- und Denkformen und ihrer Bestimmungsfaktoren;
  • hinsichtlich der Pragmatik die Erarbeitung von Prinzipien, Verfahren und Kategorien für verschiedene Formen von historischem Lernen, die die/den Lernende(n) befähigen sollen, ein reflektiertes Geschichtsbewusstsein in dem Sinne zu entwickeln, dass sie/er in der Lage ist,
    • selbstständig Erfahrungen über die Vergangenheit auf die eigene Gegenwart und Zukunft zu beziehen und somit sein eigenes heutiges Handeln zu orientieren,
    • Aussagen anderer über Geschichte daraufhin zu befragen, was sie zum Zusammenhang von Vergangenheit mit Gegenwart und Zukunft und über die Bedeutung der Vergangenheit für Gegenwart und Zukunft aussagen.

Theoretische Prämissen[Bearbeiten]

Zu den theoretischen Prämissen der heutigen Geschichtsdidaktik gehören

  • die prinzipielle Unterscheidung von Vergangenheit und Geschichte: erstere gilt nur abhängig von einer Narration als erkennbar, letzterer Begriff bezeichnet eine grundsätzlich narrativ verfasste Bezugnahme auf die Vergangenheit und ihren Zusammenhang mit der Gegenwart;
  • der konstitutive Zusammenhang von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft im historischen Denken;
  • die Bedeutung des Geschichtsbewusstseins für die individuelle und kollektive Identität;
  • die Einsicht, dass jegliche Aussagen über die Vergangenheit geschichtsperspektivisch sind, eine vollständige Rekonstruktion einer vergangenen Wirklichkeit erkenntnistheoretisch daher unmöglich ist [3]
  • die Notwendigkeit einer multiperspektivischen Betrachtung und Vermittlung von Geschichte in empirischer Forschung (Fachwissenschaft) und Geschichtsunterricht;
  • das Verständnis von historischem Lernen nicht als Übernahme von vermeintlich perspektivübergreifend gültigem Wissen, sondern als Erwerb der Kompetenz zu eigenständigem historischem Denken.

Literatur[Bearbeiten]

Danto, Arthur C.: Analytische Philosophie der Geschichte. Frankfurt am Main 1980

Engeler, Knut: Geschichtsunterricht und Reformpädagogik. LIT. Berlin 2009, ISBN 3-8258-1922-1 (Google books)


Weblinks[Bearbeiten]

Jordan, Stefan: Die Entwicklung einer problematischen Disziplin. Zur Geschichte der Geschichtsdidaktik. In: Zeithistorische Forschungen/Studies in Contemporary History. 2, H. 2, 2005. (online)

Einzelnachwseise[Bearbeiten]

  1. Jordan 2005
  2. Engeler 2009
  3. vgl. Danto 1980