Das Bild: Unterschied zwischen den Versionen

Aus Wiki
Zeile 185: Zeile 185:
 
Bei Rekonstruktionen wird hingegen versucht, wissenschaftlich kontrolliere Wiederherstellungen zu schaffen, wenn ein originaler Zustand nicht mehr unmittelbar erkennbar ist. In wie weit dies möglich erscheint, ist eine andere Frage. Diese Form ist gerade im Zeitalter der digitalen Medien sehr beliebt, da sie mit Grafikprogrammen mit dem entsprechenden ''"Knowhow"'' mit recht wenig Aufwand zu meistern ist.
 
Bei Rekonstruktionen wird hingegen versucht, wissenschaftlich kontrolliere Wiederherstellungen zu schaffen, wenn ein originaler Zustand nicht mehr unmittelbar erkennbar ist. In wie weit dies möglich erscheint, ist eine andere Frage. Diese Form ist gerade im Zeitalter der digitalen Medien sehr beliebt, da sie mit Grafikprogrammen mit dem entsprechenden ''"Knowhow"'' mit recht wenig Aufwand zu meistern ist.
 
Als Anwendung im Unterricht wäre es sicherlich spannend zu testen, wie Schülerinnen und Schüler eigene Rekonstruktionen herstellen.
 
Als Anwendung im Unterricht wäre es sicherlich spannend zu testen, wie Schülerinnen und Schüler eigene Rekonstruktionen herstellen.
 +
 +
==Einsatz und Präsentation im Unterricht==
 +
 +
Bilder im Geschichtsunterricht haben vielerlei Aufgaben. Sie sollen unter anderem: „…historisches Lernen anstoßen, unterstützen, weiterführen, ausdifferenzieren.“<ref> Gautschi & Binnenkade 2006, 104 </ref> Demnach können Bilder grundsätzlich in sämtlichen Unterrichtsphasen eingesetzt werden: Klassisch zum Unterrichtsbeginn, beispielsweise um eine Arbeitsthese entwickeln zu können oder zur Vertiefung beziehungsweise Zusammenfassung am Ende der Geschichtsstunde. Aber auch in der Erarbeitungsphase, sollten geeignete Bilder zur Verfügung stehen, kann ein Bild Verwendung finden um technische Verfahren oder Entwicklungen wie den Aufbau und die Funktionsweise einer sogenannten Camera Obscura nachvollziehbar zu machen.“<ref> vgl. Sauer 2003, 31 </ref> Wenn jedoch Bilder tagtäglich in all ihren Formen im Unterricht nutzbar gemacht werden, so sollten Überlegungen zu deren technischer Darstellung in der Praxis nicht vernachlässigt werden.
 +
 +
===Technische Darstellung===
 +
 +
Zunächst ist folgende Feststellung für den Geschichtslehrer von Bedeutung: Originale in der Unterrichtssituation zu präsentieren, wird das Interesse und die Motivation der Schüler zusätzlich zur authentischen Aura des Bildes auch durch das Gefühl, anhand eines Originals eigenständig geschichtliche Forschung betreiben zu können, geweckt werden.“<ref> vgl. Sauer 2003, 42 </ref> Dementsprechend sollten Originale von der Lehrperson genutzt werden wann immer ihm oder ihr dies möglich ist. Gerade wenn regionale Geschichte im Fokus einer Unterrichtseinheit stehen sollte, können in diesem Zusammenhang originale Bildquellen aus nächster Nähe, d.h. aus Archivbeständen oder privater Hand, zum Einsatz kommen. Aber auch die Möglichkeit selbst im alten Familienalbum Fotografien zu sammeln, welche beispielsweise die Rolle oder das Bild der Frau über das letzte Jahrhundert hinweg darstellen, kann wegen oben genannter Gründe, auf großes Interesse seitens der Schülerschaft stoßen. Auch historische Geldscheine und Briefmarken gelten in diesem Zusammenhang als Originalquellen in bildlicher Form und sind gut innerhalb der entsprechenden Thematik einsetzbar.<ref> vgl. Sauer 2003, 42 </ref>
 +
 +
Da es jedoch häufig nicht zu vermeiden sein wird, im Geschichtsunterricht Reproduktionen zu verwenden, lohnt es sich die unterschiedlichen Präsentationsformen einer solchen genauer zu betrachten. Nahe liegend ist hier natürlich, die vom benutzten Schulbuch bereitgestellten Abbilder von Gemälden, Holz-, Kupferstichen oder Fotografien für den eigenen Unterricht fruchtbar zu machen. Unvermeidbar ist hier jedoch die Tatsache, dass grundsätzlich nur ein ungefährer Eindruck des Originals über das Schulbuch zu vermitteln ist. Grund hierfür sind die Verzerrung von Größenverhältnissen und die geringeren Farbintensität.<ref> vgl. Sauer 2003, 43 </ref> Nur im Falle eines vollständig vorhandenen Begleittextes, das heißt bei einer Nennung der Bildgattung oder –technik, der Originalmaße, des Künstler sowie des Entstehungsjahres, kann überhaupt ein halbwegs angemessener Eindruck des Bildes entstehen.<ref> vgl. Sauer 2003, 44 </ref> Hintergründiges Wissen, welches sich auf „Auftraggeber, Adressat, Verwendungszweck, Entstehungszeit und –ort des Bildes“ bezieht muss „wenigstens der Lehrperson geläufig sein, damit diese das Bild richtig einsetzen kann“.<ref> Bernhardt 2006, 51 </ref>
 +
 +
Gleiches gilt auch für Bilder, welche in kopierter Form über Arbeitsblätter aus Papier den Schülern und Schülerinnen zugänglich gemacht wird. Zusätzlich muss hier jedoch auf Druckqualität, der geraden Ausrichtung und die Forderung Bilder immer im Ganzen abzubilden, geachtet werden. Soll sich die Präsentation eines Bildes auf einzelne Ausschnitte beschränken, so sind diese Ausschnitte im Begleittext zwingend zu kennzeichnen.  Selbstverständlich sollten farbige Bilder auch durch eine Farbkopie repräsentiert werden.<ref> vgl. Sauer 2003, 44 </ref>
 +
Da sich in deutschen Klassenzimmern üblicherweise ein Tageslichtprojektor oder im Glücksfall gar ein Beamer finden lässt, kann an dieser Stelle auf drei wesentliche Vorteile der Präsentation eines Gemäldes, einer Fotografie oder Ähnlichem anhand einer (Powerpoint-) Folie hingewiesen werden: Zunächst kann so das entsprechende Bild im Normalfall sowohl größer als auch lichtstärker an die Wand projiziert werden, wodurch der Betrachter einen besseren Eindruck vom Originalbild erhält.<ref> vgl. Sauer 2003, 45 </ref> In der Folge können Einzelheiten besser erkannt und somit auch besprochen werden. Dritter Vorteil einer Folie ist, dass so dargestellte Bilder bearbeitbar gemacht wurden: Pfeile, Linien, Kreise können neben allem anderen was dem Erkenntnisgewinn beziehungsweise der Interpretation des Bildes dienen kann, ohne weitere Probleme eingefügt werden.<ref> vgl. Sauer 2003, 45 </ref> Da dies bereits einen handlungsorientierten Umgang mit Bildern im Geschichtsunterricht propagiert, sollen im Weitern dementsprechende Unterrichtsverfahren und ihre Chancen genannt sein.
 +
  
 
==wichtige Links==
 
==wichtige Links==

Version vom 9. Januar 2013, 18:06 Uhr

P. Schönherr, M. Laquai, K. Hartlieb, D. Göttel

Der Begriff "Bild" ist weit gefasst.[1] Im Folgenden werden als Einschränkung nur sogenannte stehende Bilder näher betrachtet. Pandel schließt bei Bildern Dreidimensionalität und Rekonstruktionen aus.[2] Sauer tut dies nicht, vielmehr teilt er Bilder in Kategorien ein. Dabei teilt er Bilder zum einen nach den verschiedenen Herstellungstechniken und zum anderen nach den jeweiligen Themen ein. Diese beiden Einteilungsraster schließen sich nicht aus, sondern ergänzen sich vielmehr.

Die Einteilung in die oben genannten Einteilungsraster nach Sauer greift folgende Fragen auf:

• Mit welcher Technik werden Bilder gefertigt?

• Wie teuer ist das Material?

• Wie aufwendig ist die Herstellung?

• Ist das Bild ortsgebunden oder transportabel? (bei neuen Medien sind Bilder digitalisiert, wobei das Problem der Ortsgebundenheit keine Rolle mehr spielt)

• Kann das Bild vervielfältigt werden? (bei neuen Medien ebenso kein Problem mehr)

Heute können alle Schülerinnen und Schüler Bilder – überwiegend handelt es sich dabei um Fotos – herstellen und veröffentlichen. Mit einem Smartphone können sehr schnell Fotografien angefertigt und ebenso schnell in sozialen Netzwerken, zum Beispiel auf Facebook, veröffentlicht werden.

Vor dem Zeitalter der Digitalisierung und dem Einsatz neuer Medien war dies nicht möglich. Es stellt sich die Frage, wann welche Technik der Bildherstellung möglich war und wer dazu die finanziellen Mittel hatte. Somit hilft das Einteilungsraster nach Sauer, die Geschichte „hinter dem Bild“ deutlich zu machen.

Bildtypen (Einteilung nach Handlungstechnik)

Bei der Einteilung nach Herstellungstechnik unterscheidet Sauer zwischen den drei Hauptgattungen der Kunst, der Plastik, der Malerei und der Druckgrafik. Er ergänzt diese um die Fotografie. [3]

Plastik

"Plastiken sind dreidimensionale Kunstwerke, die durch die Gestaltung und Formung eines Materials entstehen."[4]

Nackter Mann KA.jpg

Dabei ist zu beachten, dass es sich um verschiedene Materialien, wie zum Beispiel Stein, Holz, Metall, Ton und Elfenbein handelt und dabei der Begriff "Plastik" eher als Sammelbegriff dient. Eine genauere Unterscheidung wird zwischen Plastik, Skulptur und dem Relief vorgenommen.

Folgende Tabelle fasst die genauere Unterscheidung kurz zusammen:

Tabelle Plastik.jpg

Handelt es sich bei einer Plastik um eine öffentliche Darstellung, die frei zugänglich ist, lässt es sich einer Skulptur zuordnen. Bei einem Relief in einem Herrscherpalast ist dies nicht der Fall. Münzen sind reliefartige Darstellungen und sind damit die mit Abstand am Meisten veröffentlichten Plastiken weltweit. Dies als Frage an Schülerinnen und Schüler zu verwenden und so eine Schülerorientierung zu erwirken, erscheint sinnvoll.

Plastik.jpg

Plastik der französischen Künstlerin Niki de Saint Phalle in Hannover: Nanas Sophie, Caroline und Charlotte

Skulpturen.jpg

Skulpturen Moais am Ahu Tongariki (Polynesien, ca. 1.500 Jahre alt)

Relief.jpg

Relief aus der klassischen Antike auf dem Forum Romanum in Rom

Malerei

"Malerei ist die farbige Gestaltung von Flächen, in Abgrenzung von der dreidimensionalen Plastik und der in der Regel farblosen und linearen Grafik."[5]

In der Kunst wird noch genauer, in Wandmalerei, Tafelmalerei, Buchmalerei, sowie in Porzellan- und Vasenmalerei oder Glasmalerei und Mosaiken, unterschieden. Hierbei ist bei der Glasmalerei und Mosaiken die Besonderheit zu beachten, dass die Gestaltung farbiger Flächen nicht im direkten Farbauftrag, sondern durch Zusammenfügen von Einzelelementen zustande kommt.[6] Außerdem ist zu beachten, dass die Wirkung(en) von Malerei immer im Kontext zu betrachten sind. So haben das Bodenmosaik und der Adam an der Decke im Petersdom gerade wegen der besonderen Architektur und Wucht der Gesamtanlage und die dadurch entstehenden visuellen Effekte eine besondere Bedeutung. Weitere berühmte Beispiele, die deutlich machen, den Kontext immer mit zu beachten, sind die Buchmalerei der Goldenen Bulle und die Glasmalerei in Notre Dame in Paris.

Atem Gottes.jpg

"Gott haucht Adam Leben ein"

Mosaik Petersdom.jpg

Mosaik, Petersdom

Goldener Bulle.jpg

Goldener Bulle um 1400

Notre Dame de Paris.jpg

Notre Dame de Paris

Um auf die Frage der Zugänglichkeit zurückzukehren, ist auch die der Herstellungskosten besonders zu beachten. So waren Mosaiken besonders teuer und müssen immer in Bezug auf die Entstehungszeit gesetzt werden. Als eine neue Form der Wandmalerei ist Graffiti zu sehen. Dies ist zwar nicht teuer, aber in den meisten Fällen illegal und somit auch immer im Kontext zu betrachten. Entscheidend bleibt aber auch hier immer die Frage der Veröffentlichungsmöglichkeit.

Druckgrafik

"Druckgrafiken sind Bilder, die zunächst auf einem Druckstock ausgeführt und dann von dort durch Aufpressen auf Papier oder ein anderes Material übertragen und vervielfältigt werden."[7]

Bei der genaueren Untersuchung von Druckgrafiken werden die technische Entwicklung und die dadurch entstandenen verschiedenen Druckverfahren deutlich. Dabei wird zwischen Hochdruckverfahren, Tiefdruckverfahren und Flachdruckverfahren unterschieden, deren genauere Unterscheidungen durch nachfolgendes Schaubild erklärt wird und eine technische Weiterentwicklung aufzeigen.

Schaubild Hauptdruckverfahren.jpg

Für die heutige Schülergeneration ist auf Fotos kaum ein Unterschied zwischen den verschiedenen Druckverfahren zu erkennen, was für die Unterrichtspraxis zu beachten ist.

Apokalyptischer Reiter.jpg

Holzschnitt von Albrecht Dürer: Die Apokalyptischen Reiter

Ritter, Tod und Teufel.jpg

Kupferstich von Albrecht Dürer: Ritter, Tod und Teufel

Die entscheidende Veränderung ist und bleibt jedoch die neu entstandene Möglichkeit, eine größere Anzahl an Exemplaren eines Bildes herstellen zu können. Die große Anzahl an Menschen, die (noch) nicht lesen und schreiben konnten, kam noch hinzu, dass gerade Flugblätter als Verbreitung von Informationen genutzt und geschätzt wurden. Als Kehrseite der Medaille, so Sauer, verlor das Bild das Besondere, da Bilder nach und nach erschwinglich wurden. [8] Dass die Faszination des Bildes in ihrem Ursprung jedoch weiterhin Bestand hat, wird auf breite Zustimmung stoßen.

Fotographie

Fotografie: "Fotografien sind zweidimensionale Darstellungen eines Ausschnitts einer "vermeintlichen" Realität."[9]

Sauer definiert das Themenfeld "Fotografie" nicht so deutlich wie Plastik, Malerei und die Druckgrafik zuvor. Vielmehr wird die Geschichte und somit die technische Entwicklungsgeschichte der Fotografie deutlich gemacht. Entscheidende Schritte zum heutigen Entwicklungsstand sind die von Johann Heinrich Schulze entdeckte Lichtempfindlichkeit des Silberchlorids im Jahre 1727[10], wodurch "Lichtbilder" erstellt werden konnten, die jedoch noch nicht haltbar waren. Erst 1826 gelang es dem französischen Wissenschaftler Joseph Nicephore Niepce eine dauerhafte Fotografie herzustellen. Diese mit Asphalt beschichtete Zinnplatte ist bis heute zu bewundern.[11] Die ca. 8 bis 10 Stunden Belichtungszeit wurde in den 40er und 50er Jahren reduziert und die Fotografie grundlegend revolutioniert. Den eigentlichen Beginn der Fotographie leitete der Maler Louis Jaques Daguerre ein, indem er das nach ihm benannte Verfahren der Daguerreotypie entwickelte. Dabei wurde eine versilberte Kupferplatte mit Joddämpfen lichtempfindlich und die Belichtungszeit reduzierte sich auf 20 bis 30 Minuten, jedoch waren alle so erstellten Fotos Unikate, welche nicht kopiert werden konnten.[12]

In Konkurrenz zu Daguerre, entwickelte der Engländer Fox Henry Talbot ein Positiv-Negativ-Verfahren mit Papier, wovon Vervielfältigungen möglich waren. Qualitativ waren sie hingegen der Daguerreotypie weit unterlegen.[13]

Den entscheidenden Schritt zur heutigen Technik schafften die beiden Amerikaner Hanibal Goodwin und George Eastman, die den ersten Rollfilm und die dazugehörige Kamera, die Kodak entwickelten. Somit konnte ein ganzer Film abfotografiert werden, diese dann wieder auf einen Holzstich und dadurch wiederum unbegrenzt viele gedruckte Fotografien hergestellt werden.[14]

Durch immer weitere Fortschritte der Technik in Bezug auf die Lichtempfindlichkeit der Filme und der Kameras war es immer besser möglich, den entscheidenden Vorteil der Fotografie zu ermöglichen. Die Möglichkeit, Plastiken, Malereien und Druckgrafiken mobil zu machen und somit einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Spätestens nach dem Ersten Weltkrieg, als sich das Zeitungsbild endgültig durchsetzte, nahm die Pressefotografie eine Schlüsselrolle ein, die dann später zur NS-Zeit genutzt wurde, um die Stilisierung Hitlers voranzutreiben.[15] Doch nicht nur im negativen Sinne gehen seit ca. 100 Jahren Pressefotografien um die Welt. So sind viele Bilder bei einem Großteil der (vor allem Westlichen) Welt so verbreitet, dass unten stehende Bilder kaum jemandem unbekannt sein dürften.

Lunch atop a skyscraper, NY 1932.jpg

Fotografie in New York 1932: Luch atop a Skyscraper

Blick auf Manhattan.jpg

Fotografie vom 11.09.2001: Blick auf Manhattan

Kim Phuc, Vietnam 1972.jpg

Fotografie in Vietnam 1972: Kim Phuc

Unknown Rebel, Peking 1989.jpg

Fotografie in Peking 1989: Unknown Rebel

Willy Brandt, Warschau 1970.jpg

Fotografie in Warschau 1970: Willy Brandt

Doch obwohl viele Menschen über Bilder an Informationen gelangen und oft der Eindruck entsteht, dass Bilder die Wirklichkeit widerspiegeln, ist Vorsicht gefragt.

Der Entstehungskontext, also Blickwinkel und Kamera sowie die Bildlegende sind wichtig zu wissen und helfen dabei, sich bewusst zu machen, dass es sich immer nur um einen Ausschnitt der Realität handelt. So können auch gestellte Bilder einen Ausschnitt zeigen, der den eigentlichen Tatsachen zwar nicht entspricht, der aber eine gewisse Ansichtsweise zeigen soll. Eine neue Situation der historischen Überlieferung stellt die Amateurfotografie dar. Durch Smartphones und Handykameras ist es sehr vielen Menschen möglich, Bilder zu erstellen und zu veröffentlichen.

Auch hier ist eine kritische Auseinandersetzung entscheidend, die am besten mit multiperspektivischer Herangehensweise zu einem guten Ergebnis führt. Denn niemand erstellt und veröffentlicht ein Bild ohne Hintergedanken und Absicht. Dies gilt auch für die Amateurfotografie. Bereits in der Grundschule ist dies mit Kindern möglich.[16]

Einteilung nach Themen

Nach SAUER ist eine weitere Einteilungsmöglichkeit die der Einteilung nach Thema, was als Ergänzung zur Einteilung nach der Herstellungstechnik zu sehen ist. So unterscheidet Sauer zwischen Zeitglichen Bildern und Geschichtsbildern. Zeitgleiche Bilder nehmen nach SAUER "ihren Gegenstand aus der Gegenwart oder der jüngeren Vergangenheit. Dargestelltes und Darstellung liegen auf einer Zeitebene."[17]

Als passendes Beispiel ist das des Spiegels zu nennen, denn auch hier kann man getäuscht werden. Bei den Personenbildern nennt Sauer die Personenbilder und Ereignis-, Alltags-, Landschafts- und Stadtbilder, die ich zum besseren Verständnis in zwei Kategorien unterteilt habe. Geschichtsbilder sind hingegen Historienbilder, Rekonstruktionsbilder und historische Comics.

Personenbilder

So sind Personenbilder Darstellungen eines oder mehrerer Menschen, die einen nicht Anwesenden oder Toten re-präsentieren sollen. Dabei soll erinnert, geehrt, bekannt gemacht, kritisiert oder verspottet werden.[18] Als passende Beispiele, dass trotzdem zur Vorsicht geraten wird, sind zum Beispiel die berühmten Fotografien von Mao und von Marylin Monroe. An Maos Beispiel wurden Haare, Farben nachträglich bearbeitet, wodurch der chinesische Führer deutlich jünger, gesünder und kräftiger zu sein schein. Auf dem 1954 gemacht Bild von der berühmten Filmschauspielerin Monroe ist nicht zu erahnen, dass das Bild komplett gestellt wurde, da eine Windzug eines U-Bahnschachts bei weitem nicht ausreicht, um ein Kleid derart aufreizend in die Höhe steigen zu lassen.

Mao Zedong, 1960.jpg

Beispiel eines Personenbildes: Mao Zedong 1960

Marilyn Monroe, NY 1954.jpg

Beispiel eines Personenbildes: Marilyn Monroe in New York 1954

Ereignisbilder, Alltagsbilder, Landschaftsbilder und Stadtbilder

Bei Ereignis-, Alltags-, Landschafts- und Stadtbilder soll von einmaligen Ereignissen und Zuständen berichtet werden, ohne dabei zu überhöhen oder kritische, propagandistische Ausrichtungen deutlich zu machen. Im Gegensatz dazu steht das Historienbild. Dabei ist als Ziel die „reine“ Informationsvermittlung zu nennen. Als passende Beispiele sind eine in Capua gefundene Vase, die Sportler bei der Vorbereitung auf den Wettkampf zeigt und ein Bild Dresdens nach dem Bombenangriff zu nennen.

Dresden 1945.jpg

Das zerstörte Dresden nach dem 2.Weltkrieg 1945

Vase.jpg

Eine Vase, die Sportler bei der Vorbereitung auf den Wettkampf zeigt

Geschichtsbilder

Geschichtsbilder nehmen nach Sauer "ihren Gegenstand nicht aus der Gegenwart ihrer Entstehungszeit, sondern aus der Vergangenheit".[19]

Warum dies überhaupt entscheidend ist, wird am Beispiel Johannes Gutenbergs deutlich. Seine Person und sein Wirken wurde erst für die Nachwelt historisch bedeutsam, war er doch zu Lebzeiten weitaus weniger geschätzt. So zeigt zum Beispiel auch, dass wenn es aus einer gewissen Epoche keine "Originale", also Geschichtsbilder gibt, hat dies nicht weniger eine Aussage! Nämlich die, dass für die Menschen in der Zeit keine oder keine entscheidende Rolle einnahm.

So sind Geschichtsbilder im Hinblick auf die behandelte Zeit Darstellungen und im Hinblick auf ihre Entstehungszeit Quellen. Somit sind in einem Schulbuch nachträglich erstellte Gemälde über eine Schlacht eine passende Darstellung einer Handlung über ein geschichtliches Ereignis für die heutige Zeit, im Hinblick auf die Entstehungszeit des Schulbuchs hingegen eine Quelle.

Historienbilder - Rekonstruktionen

Des Weiteren unterscheidet Sauer zwischen Historienbilder und Rekonstruktionen. Bei Historienbildern wird im Gegensatz zu Ereignisbildern ein gewisser Stoff verdichtet, überhöht und verherrlicht. Nicht selten wurde so ein Bild von Herrschenden in Auftrag gegeben. Ein bekanntes Beispiel ist das Bild der Proklamation Kaiser Wilhelms als Ölgemälde 1885, auf der Bismarck mit Galauniform und Orden zu sehen ist, die er zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht hatte. Außerdem ist Kriegsminister Roon anwesend, der jedoch an diesem Tag krank das Bett hüten musste. Da jedoch das Bild von Bismarck persönlich in Auftrag gegeben wurde, wurde es so gemalt, wie es der Auftraggeber haben wollte.

Proklamation Kaiser Wilhelm 1885, Ölgemälde.jpg

Ölgemälde: Proklamation Kaiser Wilhelm 1885

Bei Rekonstruktionen wird hingegen versucht, wissenschaftlich kontrolliere Wiederherstellungen zu schaffen, wenn ein originaler Zustand nicht mehr unmittelbar erkennbar ist. In wie weit dies möglich erscheint, ist eine andere Frage. Diese Form ist gerade im Zeitalter der digitalen Medien sehr beliebt, da sie mit Grafikprogrammen mit dem entsprechenden "Knowhow" mit recht wenig Aufwand zu meistern ist. Als Anwendung im Unterricht wäre es sicherlich spannend zu testen, wie Schülerinnen und Schüler eigene Rekonstruktionen herstellen.

Einsatz und Präsentation im Unterricht

Bilder im Geschichtsunterricht haben vielerlei Aufgaben. Sie sollen unter anderem: „…historisches Lernen anstoßen, unterstützen, weiterführen, ausdifferenzieren.“[20] Demnach können Bilder grundsätzlich in sämtlichen Unterrichtsphasen eingesetzt werden: Klassisch zum Unterrichtsbeginn, beispielsweise um eine Arbeitsthese entwickeln zu können oder zur Vertiefung beziehungsweise Zusammenfassung am Ende der Geschichtsstunde. Aber auch in der Erarbeitungsphase, sollten geeignete Bilder zur Verfügung stehen, kann ein Bild Verwendung finden um technische Verfahren oder Entwicklungen wie den Aufbau und die Funktionsweise einer sogenannten Camera Obscura nachvollziehbar zu machen.“[21] Wenn jedoch Bilder tagtäglich in all ihren Formen im Unterricht nutzbar gemacht werden, so sollten Überlegungen zu deren technischer Darstellung in der Praxis nicht vernachlässigt werden.

Technische Darstellung

Zunächst ist folgende Feststellung für den Geschichtslehrer von Bedeutung: Originale in der Unterrichtssituation zu präsentieren, wird das Interesse und die Motivation der Schüler zusätzlich zur authentischen Aura des Bildes auch durch das Gefühl, anhand eines Originals eigenständig geschichtliche Forschung betreiben zu können, geweckt werden.“[22] Dementsprechend sollten Originale von der Lehrperson genutzt werden wann immer ihm oder ihr dies möglich ist. Gerade wenn regionale Geschichte im Fokus einer Unterrichtseinheit stehen sollte, können in diesem Zusammenhang originale Bildquellen aus nächster Nähe, d.h. aus Archivbeständen oder privater Hand, zum Einsatz kommen. Aber auch die Möglichkeit selbst im alten Familienalbum Fotografien zu sammeln, welche beispielsweise die Rolle oder das Bild der Frau über das letzte Jahrhundert hinweg darstellen, kann wegen oben genannter Gründe, auf großes Interesse seitens der Schülerschaft stoßen. Auch historische Geldscheine und Briefmarken gelten in diesem Zusammenhang als Originalquellen in bildlicher Form und sind gut innerhalb der entsprechenden Thematik einsetzbar.[23]

Da es jedoch häufig nicht zu vermeiden sein wird, im Geschichtsunterricht Reproduktionen zu verwenden, lohnt es sich die unterschiedlichen Präsentationsformen einer solchen genauer zu betrachten. Nahe liegend ist hier natürlich, die vom benutzten Schulbuch bereitgestellten Abbilder von Gemälden, Holz-, Kupferstichen oder Fotografien für den eigenen Unterricht fruchtbar zu machen. Unvermeidbar ist hier jedoch die Tatsache, dass grundsätzlich nur ein ungefährer Eindruck des Originals über das Schulbuch zu vermitteln ist. Grund hierfür sind die Verzerrung von Größenverhältnissen und die geringeren Farbintensität.[24] Nur im Falle eines vollständig vorhandenen Begleittextes, das heißt bei einer Nennung der Bildgattung oder –technik, der Originalmaße, des Künstler sowie des Entstehungsjahres, kann überhaupt ein halbwegs angemessener Eindruck des Bildes entstehen.[25] Hintergründiges Wissen, welches sich auf „Auftraggeber, Adressat, Verwendungszweck, Entstehungszeit und –ort des Bildes“ bezieht muss „wenigstens der Lehrperson geläufig sein, damit diese das Bild richtig einsetzen kann“.[26]

Gleiches gilt auch für Bilder, welche in kopierter Form über Arbeitsblätter aus Papier den Schülern und Schülerinnen zugänglich gemacht wird. Zusätzlich muss hier jedoch auf Druckqualität, der geraden Ausrichtung und die Forderung Bilder immer im Ganzen abzubilden, geachtet werden. Soll sich die Präsentation eines Bildes auf einzelne Ausschnitte beschränken, so sind diese Ausschnitte im Begleittext zwingend zu kennzeichnen. Selbstverständlich sollten farbige Bilder auch durch eine Farbkopie repräsentiert werden.[27] Da sich in deutschen Klassenzimmern üblicherweise ein Tageslichtprojektor oder im Glücksfall gar ein Beamer finden lässt, kann an dieser Stelle auf drei wesentliche Vorteile der Präsentation eines Gemäldes, einer Fotografie oder Ähnlichem anhand einer (Powerpoint-) Folie hingewiesen werden: Zunächst kann so das entsprechende Bild im Normalfall sowohl größer als auch lichtstärker an die Wand projiziert werden, wodurch der Betrachter einen besseren Eindruck vom Originalbild erhält.[28] In der Folge können Einzelheiten besser erkannt und somit auch besprochen werden. Dritter Vorteil einer Folie ist, dass so dargestellte Bilder bearbeitbar gemacht wurden: Pfeile, Linien, Kreise können neben allem anderen was dem Erkenntnisgewinn beziehungsweise der Interpretation des Bildes dienen kann, ohne weitere Probleme eingefügt werden.[29] Da dies bereits einen handlungsorientierten Umgang mit Bildern im Geschichtsunterricht propagiert, sollen im Weitern dementsprechende Unterrichtsverfahren und ihre Chancen genannt sein.


wichtige Links

Literatur

Sauer, Michael: Bilder im Geschichtsunterricht, Typen Interpretationsmethoden Unterrichtsverfahren. Seelze-Velber: Kallmeyer‘sche Verlagsbuchhandlung 2003

Bergmann, K./Schneider, G.: Das Bild. In: Mayer, U./Pandel, H.-J./Schneider, G. (Hrsg): Handbuch Methoden im Geschichtsunterricht (S.211-254). Schwalbach/Ts: Wochenschau Verlag 1999

Pandel, H.-J.: Bildinterpretation. In: Mayer, U./Pandel, H.-J./Schneider, G. (Hrsg): Handbuch Methoden im Geschichtsunterricht (S.172-187). Schwalbach/Ts: Wochenschau Verlag 2004


Verweise

  1. vgl. Bergmann 1999, 217-218
  2. vgl. Pandel 2004, 172
  3. vgl. Sauer 2003, 141
  4. Sauer 2003, 141
  5. Sauer 2003, 145
  6. vgl. Sauer 2003, 145
  7. Sauer 2003, 153
  8. vgl. Sauer 2003, 160
  9. eigene Definition (Seminar)
  10. vgl. Sauer 2003, 160
  11. vgl. Sauer 2003, 160
  12. vgl. Sauer 2003, 161
  13. vgl. Sauer 2003, 161
  14. vgl. Sauer 2003, 161
  15. vgl. Sauer 2003, 161
  16. vgl. Bergmann 2004, 68
  17. Sauer 2003, 47
  18. vgl. Sauer 2003, 47-48
  19. Sauer 2003, 112
  20. Gautschi & Binnenkade 2006, 104
  21. vgl. Sauer 2003, 31
  22. vgl. Sauer 2003, 42
  23. vgl. Sauer 2003, 42
  24. vgl. Sauer 2003, 43
  25. vgl. Sauer 2003, 44
  26. Bernhardt 2006, 51
  27. vgl. Sauer 2003, 44
  28. vgl. Sauer 2003, 45
  29. vgl. Sauer 2003, 45