Das Bild

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P. Schönherr, M. Laquai, K. Hartlieb, D. Göttel

Der Begriff "Bild" ist weit gefasst.[1] Im Folgenden werden als Einschränkung nur sogenannte stehende Bilder näher betrachtet. Pandel schließt bei Bildern Dreidimensionalität und Rekonstruktionen aus.[2] Sauer tut dies nicht, vielmehr teilt er Bilder in Kategorien ein. Dabei teilt er Bilder zum einen nach den verschiedenen Herstellungstechniken und zum anderen nach den jeweiligen Themen ein. Diese beiden Einteilungsraster schließen sich nicht aus, sondern ergänzen sich vielmehr.

Die Einteilung in die oben genannten Einteilungsraster nach Sauer greift folgende Fragen auf:

• Mit welcher Technik werden Bilder gefertigt?

• Wie teuer ist das Material?

• Wie aufwendig ist die Herstellung?

• Ist das Bild ortsgebunden oder transportabel? (bei neuen Medien sind Bilder digitalisiert, wobei das Problem der Ortsgebundenheit keine Rolle mehr spielt)

• Kann das Bild vervielfältigt werden? (bei neuen Medien ebenso kein Problem mehr)

Heute können alle Schülerinnen und Schüler Bilder – überwiegend handelt es sich dabei um Fotos – herstellen und veröffentlichen. Mit einem Smartphone können sehr schnell Fotografien angefertigt und ebenso schnell in sozialen Netzwerken, zum Beispiel auf Facebook, veröffentlicht werden.

Vor dem Zeitalter der Digitalisierung und dem Einsatz neuer Medien war dies nicht möglich. Es stellt sich die Frage, wann welche Technik der Bildherstellung möglich war und wer dazu die finanziellen Mittel hatte. Somit hilft das Einteilungsraster nach Sauer, die Geschichte „hinter dem Bild“ deutlich zu machen.

Bildtypen (Einteilung nach Handlungstechnik)

Bei der Einteilung nach Herstellungstechnik unterscheidet Sauer zwischen den drei Hauptgattungen der Kunst, der Plastik, der Malerei und der Druckgrafik. Er ergänzt diese um die Fotografie. [3]

Plastik

"Plastiken sind dreidimensionale Kunstwerke, die durch die Gestaltung und Formung eines Materials entstehen."[4]

Dabei ist zu beachten, dass es sich um verschiedene Materialien, wie zum Beispiel Stein, Holz, Metall, Ton und Elfenbein handelt und dabei der Begriff "Plastik" eher als Sammelbegriff dient. Eine genauere Unterscheidung wird zwischen Plastik, Skulptur und dem Relief vorgenommen.

Folgende Tabelle fasst die genauere Unterscheidung kurz zusammen:

Handelt es sich bei einer Plastik um eine öffentliche Darstellung, die frei zugänglich ist, lässt es sich einer Skulptur zuordnen. Bei einem Relief in einem Herrscherpalast ist dies nicht der Fall. Münzen sind reliefartige Darstellungen und sind damit die mit Abstand am Meisten veröffentlichten Plastiken weltweit. Dies als Frage an Schülerinnen und Schüler zu verwenden und so eine Schülerorientierung zu erwirken, erscheint sinnvoll.

Plastik der französischen Künstlerin Niki de Saint Phalle in Hannover: Nanas Sophie, Caroline und Charlotte

Skulpturen Moais am Ahu Tongariki (Polynesien, ca. 1.500 Jahre alt)

Relief aus der klassischen Antike auf dem Forum Romanum in Rom

Malerei

"Malerei ist die farbige Gestaltung von Flächen, in Abgrenzung von der dreidimensionalen Plastik und der in der Regel farblosen und linearen Grafik."[5]

In der Kunst wird noch genauer, in Wandmalerei, Tafelmalerei, Buchmalerei, sowie in Porzellan- und Vasenmalerei oder Glasmalerei und Mosaiken, unterschieden. Hierbei ist bei der Glasmalerei und Mosaiken die Besonderheit zu beachten, dass die Gestaltung farbiger Flächen nicht im direkten Farbauftrag, sondern durch Zusammenfügen von Einzelelementen zustande kommt.[6] Außerdem ist zu beachten, dass die Wirkung(en) von Malerei immer im Kontext zu betrachten sind. So haben das Bodenmosaik und der Adam an der Decke im Petersdom gerade wegen der besonderen Architektur und Wucht der Gesamtanlage und die dadurch entstehenden visuellen Effekte eine besondere Bedeutung. Weitere berühmte Beispiele, die deutlich machen, den Kontext immer mit zu beachten, sind die Buchmalerei der Goldenen Bulle und die Glasmalerei in Notre Dame in Paris.

"Gott haucht Adam Leben ein"

Mosaik, Petersdom

Goldener Bulle um 1400

Notre Dame de Paris

Um auf die Frage der Zugänglichkeit zurückzukehren, ist auch die der Herstellungskosten besonders zu beachten. So waren Mosaiken besonders teuer und müssen immer in Bezug auf die Entstehungszeit gesetzt werden. Als eine neue Form der Wandmalerei ist Graffiti zu sehen. Dies ist zwar nicht teuer, aber in den meisten Fällen illegal und somit auch immer im Kontext zu betrachten. Entscheidend bleibt aber auch hier immer die Frage der Veröffentlichungsmöglichkeit.

Druckgrafik

"Druckgrafiken sind Bilder, die zunächst auf einem Druckstock ausgeführt und dann von dort durch Aufpressen auf Papier oder ein anderes Material übertragen und vervielfältigt werden."[7]

Bei der genaueren Untersuchung von Druckgrafiken werden die technische Entwicklung und die dadurch entstandenen verschiedenen Druckverfahren deutlich. Dabei wird zwischen Hochdruckverfahren, Tiefdruckverfahren und Flachdruckverfahren unterschieden, deren genauere Unterscheidungen durch nachfolgendes Schaubild erklärt wird und eine technische Weiterentwicklung aufzeigen.

Für die heutige Schülergeneration ist auf Fotos kaum ein Unterschied zwischen den verschiedenen Druckverfahren zu erkennen, was für die Unterrichtspraxis zu beachten ist.

Holzschnitt von Albrecht Dürer: Die Apokalyptischen Reiter

Kupferstich von Albrecht Dürer: Ritter, Tod und Teufel

Die entscheidende Veränderung ist und bleibt jedoch die neu entstandene Möglichkeit, eine größere Anzahl an Exemplaren eines Bildes herstellen zu können. Die große Anzahl an Menschen, die (noch) nicht lesen und schreiben konnten, kam noch hinzu, dass gerade Flugblätter als Verbreitung von Informationen genutzt und geschätzt wurden. Als Kehrseite der Medaille, so Sauer, verlor das Bild das Besondere, da Bilder nach und nach erschwinglich wurden. [8] Dass die Faszination des Bildes in ihrem Ursprung jedoch weiterhin Bestand hat, wird auf breite Zustimmung stoßen.

Fotographie

Fotografie: "Fotografien sind zweidimensionale Darstellungen eines Ausschnitts einer "vermeintlichen" Realität."[9]

Sauer definiert das Themenfeld "Fotografie" nicht so deutlich wie Plastik, Malerei und die Druckgrafik zuvor. Vielmehr wird die Geschichte und somit die technische Entwicklungsgeschichte der Fotografie deutlich gemacht. Entscheidende Schritte zum heutigen Entwicklungsstand sind die von Johann Heinrich Schulze entdeckte Lichtempfindlichkeit des Silberchlorids im Jahre 1727[10], wodurch "Lichtbilder" erstellt werden konnten, die jedoch noch nicht haltbar waren. Erst 1826 gelang es dem französischen Wissenschaftler Joseph Nicephore Niepce eine dauerhafte Fotografie herzustellen. Diese mit Asphalt beschichtete Zinnplatte ist bis heute zu bewundern.[11] Die ca. 8 bis 10 Stunden Belichtungszeit wurde in den 40er und 50er Jahren reduziert und die Fotografie grundlegend revolutioniert. Den eigentlichen Beginn der Fotographie leitete der Maler Louis Jaques Daguerre ein, indem er das nach ihm benannte Verfahren der Daguerreotypie entwickelte. Dabei wurde eine versilberte Kupferplatte mit Joddämpfen lichtempfindlich und die Belichtungszeit reduzierte sich auf 20 bis 30 Minuten, jedoch waren alle so erstellten Fotos Unikate, welche nicht kopiert werden konnten.[12]

In Konkurrenz zu Daguerre, entwickelte der Engländer Fox Henry Talbot ein Positiv-Negativ-Verfahren mit Papier, wovon Vervielfältigungen möglich waren. Qualitativ waren sie hingegen der Daguerreotypie weit unterlegen.[13]

Den entscheidenden Schritt zur heutigen Technik schafften die beiden Amerikaner Hanibal Goodwin und George Eastman, die den ersten Rollfilm und die dazugehörige Kamera, die Kodak entwickelten. Somit konnte ein ganzer Film abfotografiert werden, diese dann wieder auf einen Holzstich und dadurch wiederum unbegrenzt viele gedruckte Fotografien hergestellt werden.[14]

Durch immer weitere Fortschritte der Technik in Bezug auf die Lichtempfindlichkeit der Filme und der Kameras war es immer besser möglich, den entscheidenden Vorteil der Fotografie zu ermöglichen. Die Möglichkeit, Plastiken, Malereien und Druckgrafiken mobil zu machen und somit einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Spätestens nach dem Ersten Weltkrieg, als sich das Zeitungsbild endgültig durchsetzte, nahm die Pressefotografie eine Schlüsselrolle ein, die dann später zur NS-Zeit genutzt wurde, um die Stilisierung Hitlers voranzutreiben.[15] Doch nicht nur im negativen Sinne gehen seit ca. 100 Jahren Pressefotografien um die Welt. So sind viele Bilder bei einem Großteil der (vor allem Westlichen) Welt so verbreitet, dass unten stehende Bilder kaum jemandem unbekannt sein dürften.

Fotografie in New York 1932: Luch atop a Skyscraper

Fotografie vom 11.09.2001: Blick auf Manhattan

Fotografie in Vietnam 1972: Kim Phuc

Fotografie in Peking 1989: Unknown Rebel

Fotografie in Warschau 1970: Willy Brandt

Doch obwohl viele Menschen über Bilder an Informationen gelangen und oft der Eindruck entsteht, dass Bilder die Wirklichkeit widerspiegeln, ist Vorsicht gefragt.

Der Entstehungskontext, also Blickwinkel und Kamera sowie die Bildlegende sind wichtig zu wissen und helfen dabei, sich bewusst zu machen, dass es sich immer nur um einen Ausschnitt der Realität handelt. So können auch gestellte Bilder einen Ausschnitt zeigen, der den eigentlichen Tatsachen zwar nicht entspricht, der aber eine gewisse Ansichtsweise zeigen soll. Eine neue Situation der historischen Überlieferung stellt die Amateurfotografie dar. Durch Smartphones und Handykameras ist es sehr vielen Menschen möglich, Bilder zu erstellen und zu veröffentlichen.

Auch hier ist eine kritische Auseinandersetzung entscheidend, die am besten mit multiperspektivischer Herangehensweise zu einem guten Ergebnis führt. Denn niemand erstellt und veröffentlicht ein Bild ohne Hintergedanken und Absicht. Dies gilt auch für die Amateurfotografie. Bereits in der Grundschule ist dies mit Kindern möglich.[16]

Einteilung nach Themen

Nach SAUER ist eine weitere Einteilungsmöglichkeit die der Einteilung nach Thema, was als Ergänzung zur Einteilung nach der Herstellungstechnik zu sehen ist. So unterscheidet Sauer zwischen Zeitglichen Bildern und Geschichtsbildern. Zeitgleiche Bilder nehmen nach SAUER "ihren Gegenstand aus der Gegenwart oder der jüngeren Vergangenheit. Dargestelltes und Darstellung liegen auf einer Zeitebene."[17]

Als passendes Beispiel ist das des Spiegels zu nennen, denn auch hier kann man getäuscht werden. Bei den Personenbildern nennt Sauer die Personenbilder und Ereignis-, Alltags-, Landschafts- und Stadtbilder, die ich zum besseren Verständnis in zwei Kategorien unterteilt habe. Geschichtsbilder sind hingegen Historienbilder, Rekonstruktionsbilder und historische Comics.

Personenbilder

So sind Personenbilder Darstellungen eines oder mehrerer Menschen, die einen nicht Anwesenden oder Toten re-präsentieren sollen. Dabei soll erinnert, geehrt, bekannt gemacht, kritisiert oder verspottet werden.[18] Als passende Beispiele, dass trotzdem zur Vorsicht geraten wird, sind zum Beispiel die berühmten Fotografien von Mao und von Marylin Monroe. An Maos Beispiel wurden Haare, Farben nachträglich bearbeitet, wodurch der chinesische Führer deutlich jünger, gesünder und kräftiger zu sein schein. Auf dem 1954 gemacht Bild von der berühmten Filmschauspielerin Monroe ist nicht zu erahnen, dass das Bild komplett gestellt wurde, da eine Windzug eines U-Bahnschachts bei weitem nicht ausreicht, um ein Kleid derart aufreizend in die Höhe steigen zu lassen.

Beispiel eines Personenbildes: Mao Zedong 1960

Beispiel eines Personenbildes: Marilyn Monroe in New York 1954

Ereignisbilder, Alltagsbilder, Landschaftsbilder und Stadtbilder

Bei Ereignis-, Alltags-, Landschafts- und Stadtbilder soll von einmaligen Ereignissen und Zuständen berichtet werden, ohne dabei zu überhöhen oder kritische, propagandistische Ausrichtungen deutlich zu machen. Im Gegensatz dazu steht das Historienbild. Dabei ist als Ziel die „reine“ Informationsvermittlung zu nennen. Als passende Beispiele sind eine in Capua gefundene Vase, die Sportler bei der Vorbereitung auf den Wettkampf zeigt und ein Bild Dresdens nach dem Bombenangriff zu nennen.

Das zerstörte Dresden nach dem 2.Weltkrieg 1945

Eine Vase, die Sportler bei der Vorbereitung auf den Wettkampf zeigt

Geschichtsbilder

Geschichtsbilder nehmen nach Sauer "ihren Gegenstand nicht aus der Gegenwart ihrer Entstehungszeit, sondern aus der Vergangenheit".[19]

Warum dies überhaupt entscheidend ist, wird am Beispiel Johannes Gutenbergs deutlich. Seine Person und sein Wirken wurde erst für die Nachwelt historisch bedeutsam, war er doch zu Lebzeiten weitaus weniger geschätzt. So zeigt zum Beispiel auch, dass wenn es aus einer gewissen Epoche keine "Originale", also Geschichtsbilder gibt, hat dies nicht weniger eine Aussage! Nämlich die, dass für die Menschen in der Zeit keine oder keine entscheidende Rolle einnahm.

So sind Geschichtsbilder im Hinblick auf die behandelte Zeit Darstellungen und im Hinblick auf ihre Entstehungszeit Quellen. Somit sind in einem Schulbuch nachträglich erstellte Gemälde über eine Schlacht eine passende Darstellung einer Handlung über ein geschichtliches Ereignis für die heutige Zeit, im Hinblick auf die Entstehungszeit des Schulbuchs hingegen eine Quelle.

Historienbilder - Rekonstruktionen

Des Weiteren unterscheidet Sauer zwischen Historienbilder und Rekonstruktionen. Bei Historienbildern wird im Gegensatz zu Ereignisbildern ein gewisser Stoff verdichtet, überhöht und verherrlicht. Nicht selten wurde so ein Bild von Herrschenden in Auftrag gegeben. Ein bekanntes Beispiel ist das Bild der Proklamation Kaiser Wilhelms als Ölgemälde 1885, auf der Bismarck mit Galauniform und Orden zu sehen ist, die er zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht hatte. Außerdem ist Kriegsminister Roon anwesend, der jedoch an diesem Tag krank das Bett hüten musste. Da jedoch das Bild von Bismarck persönlich in Auftrag gegeben wurde, wurde es so gemalt, wie es der Auftraggeber haben wollte.

Ölgemälde: Proklamation Kaiser Wilhelm 1885

Bei Rekonstruktionen wird hingegen versucht, wissenschaftlich kontrolliere Wiederherstellungen zu schaffen, wenn ein originaler Zustand nicht mehr unmittelbar erkennbar ist. In wie weit dies möglich erscheint, ist eine andere Frage. Diese Form ist gerade im Zeitalter der digitalen Medien sehr beliebt, da sie mit Grafikprogrammen mit dem entsprechenden "Knowhow" mit recht wenig Aufwand zu meistern ist. Als Anwendung im Unterricht wäre es sicherlich spannend zu testen, wie Schülerinnen und Schüler eigene Rekonstruktionen herstellen.

Einsatz und Präsentation im Unterricht

Bilder im Geschichtsunterricht haben vielerlei Aufgaben. Sie sollen unter anderem: „…historisches Lernen anstoßen, unterstützen, weiterführen, ausdifferenzieren.“[20] Demnach können Bilder grundsätzlich in sämtlichen Unterrichtsphasen eingesetzt werden: Klassisch zum Unterrichtsbeginn, beispielsweise um eine Arbeitsthese entwickeln zu können oder zur Vertiefung beziehungsweise Zusammenfassung am Ende der Geschichtsstunde. Aber auch in der Erarbeitungsphase, sollten geeignete Bilder zur Verfügung stehen, kann ein Bild Verwendung finden um technische Verfahren oder Entwicklungen wie den Aufbau und die Funktionsweise einer sogenannten Camera Obscura nachvollziehbar zu machen.“[21] Wenn jedoch Bilder tagtäglich in all ihren Formen im Unterricht nutzbar gemacht werden, so sollten Überlegungen zu deren technischer Darstellung in der Praxis nicht vernachlässigt werden.

Technische Darstellung

Zunächst ist folgende Feststellung für den Geschichtslehrer von Bedeutung: Originale in der Unterrichtssituation zu präsentieren, wird das Interesse und die Motivation der Schüler zusätzlich zur authentischen Aura des Bildes auch durch das Gefühl, anhand eines Originals eigenständig geschichtliche Forschung betreiben zu können, geweckt werden.“[22] Dementsprechend sollten Originale von der Lehrperson genutzt werden wann immer ihm oder ihr dies möglich ist. Gerade wenn regionale Geschichte im Fokus einer Unterrichtseinheit stehen sollte, können in diesem Zusammenhang originale Bildquellen aus nächster Nähe, d.h. aus Archivbeständen oder privater Hand, zum Einsatz kommen. Aber auch die Möglichkeit selbst im alten Familienalbum Fotografien zu sammeln, welche beispielsweise die Rolle oder das Bild der Frau über das letzte Jahrhundert hinweg darstellen, kann wegen oben genannter Gründe, auf großes Interesse seitens der Schülerschaft stoßen. Auch historische Geldscheine und Briefmarken gelten in diesem Zusammenhang als Originalquellen in bildlicher Form und sind gut innerhalb der entsprechenden Thematik einsetzbar.[23]

Da es jedoch häufig nicht zu vermeiden sein wird, im Geschichtsunterricht Reproduktionen zu verwenden, lohnt es sich die unterschiedlichen Präsentationsformen einer solchen genauer zu betrachten. Nahe liegend ist hier natürlich, die vom benutzten Schulbuch bereitgestellten Abbilder von Gemälden, Holz-, Kupferstichen oder Fotografien für den eigenen Unterricht fruchtbar zu machen. Unvermeidbar ist hier jedoch die Tatsache, dass grundsätzlich nur ein ungefährer Eindruck des Originals über das Schulbuch zu vermitteln ist. Grund hierfür sind die Verzerrung von Größenverhältnissen und die geringeren Farbintensität.[24] Nur im Falle eines vollständig vorhandenen Begleittextes, das heißt bei einer Nennung der Bildgattung oder –technik, der Originalmaße, des Künstler sowie des Entstehungsjahres, kann überhaupt ein halbwegs angemessener Eindruck des Bildes entstehen.[25] Hintergründiges Wissen, welches sich auf „Auftraggeber, Adressat, Verwendungszweck, Entstehungszeit und –ort des Bildes“ bezieht muss „wenigstens der Lehrperson geläufig sein, damit diese das Bild richtig einsetzen kann“.[26]

Gleiches gilt auch für Bilder, welche in kopierter Form über Arbeitsblätter aus Papier den Schülern und Schülerinnen zugänglich gemacht wird. Zusätzlich muss hier jedoch auf Druckqualität, der geraden Ausrichtung und die Forderung Bilder immer im Ganzen abzubilden, geachtet werden. Soll sich die Präsentation eines Bildes auf einzelne Ausschnitte beschränken, so sind diese Ausschnitte im Begleittext zwingend zu kennzeichnen. Selbstverständlich sollten farbige Bilder auch durch eine Farbkopie repräsentiert werden.[27] Da sich in deutschen Klassenzimmern üblicherweise ein Tageslichtprojektor oder im Glücksfall gar ein Beamer finden lässt, kann an dieser Stelle auf drei wesentliche Vorteile der Präsentation eines Gemäldes, einer Fotografie oder Ähnlichem anhand einer (Powerpoint-) Folie hingewiesen werden: Zunächst kann so das entsprechende Bild im Normalfall sowohl größer als auch lichtstärker an die Wand projiziert werden, wodurch der Betrachter einen besseren Eindruck vom Originalbild erhält.[28] In der Folge können Einzelheiten besser erkannt und somit auch besprochen werden. Dritter Vorteil einer Folie ist, dass so dargestellte Bilder bearbeitbar gemacht wurden: Pfeile, Linien, Kreise können neben allem anderen was dem Erkenntnisgewinn beziehungsweise der Interpretation des Bildes dienen kann, ohne weitere Probleme eingefügt werden.[29] Da dies bereits einen handlungsorientierten Umgang mit Bildern im Geschichtsunterricht propagiert, sollen im Weitern dementsprechende Unterrichtsverfahren und ihre Chancen genannt sein.

Beispiel für Technische Darstellung: Camera obscura in Encyclopédie, ou dictionnaire raisonné des sciences, des arts et des métiers, Denis Diderot and Jean le Rond d'Alembert , 1751

Handlungsorientierte Unterrichtsverfahren

Handlungsorientierter Umgang mit Bildern im Geschichtsunterricht schließt eine ganze Bandbreite von Möglichkeiten mit ein. In jedem Falle sind diese Methoden als Mittel zur Erkenntnis zu nutzen und nicht um Schüler und Schülerinnen zu beschäftigen. Sollten sie jedoch nicht um ihrer selbst Willen eingesetzt werden, können handlungsorientierte Verfahren durchaus effizient sein.[30] Die folgende Zusammenstellung handlungsorientierter Unterrichtsverfahren bezieht sich in Gänze auf Michael Sauers Ausführungen in „Bilder im Geschichtsunterricht“:

Solange die Annäherung der Schüler an ein Bild noch im Mittelpunkt steht, ist es denkbar ein Bild (nicht länger als eine Woche) im Klassenzimmer auszuhängen. In dieser Weise ist das Bild den Schülern präsent und lädt zur Betrachtung gerade in „langweiligen Stunden“ ein.

So ist eine behutsame Annäherung an das Bild möglich, der sonst selektive, „schnelle Blick“ auf den die Schüler durch moderne Mediennutzung konditioniert sind, wird vermieden. Bilder zu einem spezifischen Thema von der Schülerschaft sammeln und in die Geschichtsstunde mitbringen zu lassen, kann ihre Bildwahrnehmung schärfen und zu einer selbst gemachten Bildreihe führen. Eine vergleichende Deutung kann sich anschließen. Auch können Bilder bewusst ohne Zusatzinformation präsentiert werden. Der „Spürsinn der Schüler und Schülerinnen“[31] ist gefragt: Welche Einzelheiten fallen auf, die bei der späteren Analyse helfen können? Wenn ein zerschnittenes Bild zunächst als Puzzle präsentiert wird um es im Folgenden erneut zusammensetzen zu lassen, benötigen die Schüler dafür eine sehr genaue Wahrnehmung des Bildes.[32]

Nach einer Annäherung in dieser oder jener Form muss die Analyse des Bildes nachfolgen. Hier kann es helfen komplexe und detailreiche Bilder mit einem selbst gezeichneten Raster zu versehen, um sich so besser über Einzelheiten verständigen zu können. Durch Nachzeichnen des Bildaufbaus können „Bildkomposition, die Perspektive oder Bewegungsrichtung“[33] deutlich gemacht werden. Dies kann bei der Frage helfen, welche Intention und Wirkung das jeweils analysierte Bild hat beziehungsweise generiert. Eine weitere handlungsorientierte Aktivität umfasst die Herstellung einer Schemaskizze, einer sogenannten Umzeichnung des Bildes. Wesentliche Einzelelemente können so leichter entdeckt und auf der Skizze beschriftet werden.[34]

Nun zur Interpretation eines Bildes. In den meisten Fällen ist die Aufnahme von Informationen aus einem Bild innerhalb von Sekunden vom Betrachter vollzogen, das Gesehene wird mit bereits bekannten kognitiven Schemata abgeglichen und eingeordnet.[35] Da sich im Normalfall die Bearbeitung des Bildes im Unterricht nicht auf diesen ersten, schnellen Eindruck beschränken soll, ist es von ungemeiner Wichtigkeit den augenscheinlichen Aspekten eines Bildes weitere Informationen zur Seite zu stellen.[36] Ein „Normalisierungsbedarf“[37], das heißt die Notwendigkeit eines zweiten oder dritten Blickes, muss für die weitere Beschäftigung mit dem ausgewählten Bild gegeben sein.

Zu diesem Zwecke ist eine Vielzahl handlungsorientierter Unterrichtsverfahren während der Interpretationsphase denkbar. Indem die Schüler eine Geschichte, ein plausibles „Vorher“ und „Nachher“ zu der Momentaufnahme, welche ein Bild immer darstellt, erzählen, können sie es in einen „chronologischen und argumentativen Zusammenhang“ [38] stellen. Besonders gut eignet sich das Einfügen von Denk- oder Sprechblasen um unterschiedliche Perspektiven der dargestellten Personen wahrnehmbar zu machen. Dazu müssen Mimik und Gestik der Personen thematisiert werden.[39] Werden Bilder mit anderen Sinnen ergänzt stellt sich die Frage: wie hat es in dieser oder jener Situation gerochen? Was war zu hören? Des Weiteren kann die Lehrperson die Schüler in die Rolle des Auftraggebers schlüpfen und einen fiktiven Bildauftrag an den Maler formulieren lassen. In dieser Weise wird die Intentionalität zum Beispiel eines Gemäldes verdeutlicht. Um Bildszenen nachzustellen oder zu spielen müssen die Schüler Haltungen und Gefühle der dargestellten Personen nachvollziehen. Später können die Empfindungen, welche während des Nachspielens aufkommen, beschrieben oder kommentiert werden. Durch die Erstellung von Szenarien mit Figurenbildern, dem Ausschneiden und Neuarrangierens von Personen, Gegenständen, Häusern etc., entstehen eigene Deutungen einer spezifischen Zeit. Dasselbe kann auch durch das Ergänzen, Um- oder Ausmalen von Bildern erreicht werden: eigene Kommentare zum Bild oder seiner Entstehungszeit werden abgegeben. Collagen entstehen durch die eigenständige Auswahl des Bildmaterials, welches sodann zu einem „Zeitpanorama“, einer individuellen Gesamtdeutung einer Zeit, zusammengesetzt wird. Nicht zuletzt können Bilder mit anderen Bildern oder weiteren Quellen/Medien zusammengestellt werden. (Lied-)Texte, Statistiken oder auch Gedichte können ergänzend oder auch kontrastierend neben das Bild gestellt werden.[40] Die Kombination von Bild mit Bild bietet ebenfalls eine ganze Palette an Optionen, die jeweils unterschiedliche Zielsetzungen und Zwecke beinhalten und im nächsten Abschnitt behandelt werden sollen.

Bildzusammenstellung

Sind kombinierte Bilder aus derselben Zeit oder Entwicklungsstufe, so handelt es sich um eine thematisch-zeitgleiche Zusammenstellung. Verschiedene Aspekte eines Sachverhalts können so deutlich gemacht werden. Ein thematischer Längsschnitt zeigt dagegen eine Entwicklung in der Zeit, um diese Veränderung für den Schüler erfahrbar zu machen. Wichtig ist hierbei, darauf zu achten, dass kein einseitiges Fortschrittsmodell präsentiert und somit propagiert wird[41],... Sollte der Bedeutungswandel von Motiven und Symbolen im Mittelpunkt der Betrachtung stehen, bietet sich ein motivischer Längsschnitt an. Das bedeutet, die ausgewählten und zusammengestellten Bilder greifen ein bestimmtes Motivelement auf und variieren es. Ein oft aufgegriffenes Motiv ist beispielsweise Delacroixs „Die Freiheit führt das Volk“[42] Um jedoch die Klasse zu einer Stellungnahme oder einem Werturteil heraus zu fordern, müssen zwei Bilder einen Gegensatz von sozialer, kultureller oder zeitlicher Art abbilden. Diese kontrastive Gegenüberstellung bietet also einen Gesprächsanlass, kann aber außerdem zur Entwicklung einer Arbeitshypothese genutzt werden. Auch die kausale Verknüpfung kann im weiteren Verlauf der Unterrichtsstunde zur Überprüfung einer These hinsichtlich ihrer Berechtigung oder Zwangsläufigkeit dienen. Eine solche intendierte kausale Verknüpfung kann beispielsweise durch das Bild dem Führer zujubelnder Jugendlicher und dem Bild eines abgekämpften jugendlichen Luftwaffenhelfers in den letzten Kriegstagen hergestellt werden. In einer multiperspektivischen Bildzusammenstellung werden zwei oder mehrere Darstellungen desselben Sachverhaltes präsentiert.

Hierbei lassen sich in der Folge unterschiedliche Darstellungsintentionen nachvollziehen und es kommt zur Gegenüberstellung zweier oder mehrerer Thesen. Lassen sich zwei Bilder finden, welche in Dargestelltem, Perspektive, Bewegungsrichtung usw. Ähnlichkeiten aufweisen, kann die Leitfrage ob diese Ähnlichkeit auf historische Parallelen hinweist, ebenfalls als Untersuchungsgegenstand durch eine Unterrichtsstunde tragen.[43]

Die folgenden zwei Bilder sind als Beispiel für eine multiperspektivische Zusammenstellung gedacht: 1x europäische Sicht (oben) und 1x indianische Selbstdarstellung (unten)

Jacques le Moyne de Morgues, Indianer entrichten Abgaben an Franzosen, Kupferstich, 1564 [1]

Bild aus dem Codex Durán, das Massaker vom templo Mayor (Haupttempel) (zw. 1521 u. 1530), [2]

Die folgenden 3 Bilder sind Beispiel für einen thematischen Längsschnitt und müssten neben- oder untereinander gestellt werden:

Erste elektrische Straßenbahn in Lichterfelde, Foto 1882 [3]

Horse-drawn streetcar no. 148 of a New York City system, Foto um 1895

Innsbrucker Verkehrsbetriebe (IVB) Tram car #351 serving line 1 at Fritz-Konzert-Brücke, Foto 2008 [4]

Als Beispiel eines häufig variierten Motivs gedacht, kann theoretisch aber überall hin:

Eugène Delacroix, Die Freiheit führt das Volk, Öl auf Leinwand (260x325 cm),1830 [5]

Bildkompetenz

Bilder haben vielfältige Qualitäten, die sie speziell für einen Einsatz im Geschichtsunterricht geeignet machen. Der historische Erkenntnisgewinn mag oft ausschlaggebender Faktor für die Entscheidung sein, dieses oder jenes Bild im Unterricht einzusetzen. Jedoch kann so auch die im Bildungsplan 2004 geforderte Medienkompetenz dahingehend (weiter)entwickelt werden, dass Schüler, in vielen kleinen Teilschritten, die „richtige“ oder „korrekte“ Bildinterpretation erlernen. Im Geschichtsunterricht bezieht sich diese Bildinterpretation naturgemäß vor allem auf Zeugnisse oder auch vermeintliche Zeugnisse der Vergangenheit, die in Bildform immer auch absichtsvoll entstandene und überlieferte Quellen sind. Um diese Intentionen nachzuvollziehen, braucht es das Wissen um kulturelle sowie historische Gegebenheiten und Besonderheiten hinsichtlich des Entstehungskontexts. Aus diesem Grunde gilt es im Fach Geschichte eine historisch-kulturelle Bildkompetenz zu entwickeln.[44] Dies beschränkt Bildkompetenz nicht auf die rein visuelle Entnahme von Informationen aus dem jeweils vorliegenden Bild: Die zunächst einmal rein „sinnlich“ vollzogenen Prozesse der Identifizierung von beispielsweise Gegenständen oder Farben können nur Voraussetzung für den Versuch sein, das Bild mitsamt seiner hintergründigen Dimension zu erfassen. Hierzu ist das sogenannte ikonographische Sehen Notwendigkeit.[45] Dies bedeutet, dass unter anderem das Gesehene mit dem eigenen „Posengedächtnis“.[46] sowie anderen bereits existierenden kognitiven Schemata abgeglichen wird.[47] Bildkompetenz heißt demnach, dass Schüler Motive und ihre Hintergründe kennen sowie erkennen und Symbole auch als solche identifizieren können. Dasselbe gilt für Farbsymboliken und Metaphern, welche innerhalb einer Bildkomposition verwendet werden. Gerade im Geschichtsunterricht ist es in diesem Zusammenhang auch unumgänglich Zeitbezüge herstellen zu können. Außerdem müssen Allegorien aufgelöst und die emotionalen Eindrücke, die bei der Bildbetrachtung entstehen, verbalisiert werden.[48] Grundlegend für all diese Operationen, welche zur Bildkompetenz führen, ist die sogenannte „pikturale Differenz“[49], das heißt die Tatsache, dass „ein Bild nicht die Wirklichkeit abbildet, sondern eine intentionale Aussage über sie ist“.[50]

Bildinterpretation

„Eine gelungene Interpretation ist eine solche, der andere zustimmen können. Sie ist somit kommunikativ ausgerichtet und zustimmungsorientiert.“[51]

Begriffserklärug

„Interpretation ist ein Verfahren, das aus (bildlichen und schriftlichen) Zeichen Sinn entnimmt.“[52] Hierbei treten Probleme auf, da der Sinn nicht sofort erkennbar ist. Es ist notwendig die Zeichen zu deuten und zu interpretieren, um die Bedeutung dahinter zu verstehen. Im Alltag fällt es uns leicht eine Bedeutung hinter Bildern oder Texten zu erkennen, da sie uns bekannt sind und täglich begegnen. Im Gegensatz dazu stehen Quellen, die aus einer anderen Zeit und oftmals aus einer anderen Kultur stammen. Dadurch wird einem der Zugang, zur Bedeutung, der jeweiligen Bilder und Texten erschwert.[53]

Vereinfachtes Analyseschema nach Erwin Panofsky

Erwin Panofsky ist ein deutsch- amerikanischer Kunsthistoriker, der 1930, ein Analyseschema zur Bildinterpretation entwickelt hat. Dieses dreischrittige Schema ist zwar sehr anspruchsvoll, kann aber in einfacherer Form, sinnvoll, für den Umgang mit Bildern, eingesetzt werden.

1. Bildbeschreibung

Zu Beginn wird das Bild beschrieben und erste Eindrücke und Gedanken werden festgehalten.

2. Bildanalyse

Im zweiten Schritt wird näher auf das Bild eingegangen. Es werden Personen benannt und das Thema, sowie der Inhalt, erschlossen. Zusätzlich werden Darstellungsmittel untersucht. Nach SAUER dienen folgende Stichpunkte der Analyse von Darstellungsmitteln:[54]

> Gattung bzw. Darstellungstechnik: Skulptur, Münze, Gemälde, Radierung, Fotografie etc.

> Inhaltlicher Bildtypus: Personenbild, Landschaftsbild, Karikatur etc.

> Größe und Präsentationsform: Einzelbild oder Reihe, privat oder öffentlich

> Komposition: Bildaufbau, Verhältnis von Vorder-, Mittel- und Hintergrund, Anordnungsschemata (Diagonale, Dreieck o.a. Figuren), hervorstechende Einzelelemente

> Perspektive: Aufsicht oder Untersicht (Vogelperspektive oder Froschperspektive), Zentralperspektive, unperspektivische Darstellung, Verhältnis zum Betrachter (ist die Szene isoliert, wird der Betrachter hineingezogen, blickt eine Figur aus dem Bild?)

> Proportionen: Verhältnisse einzelner Teile von Körpern oder Bauten, Proportionsschema (z.B. „Goldener Schnitt“)

> Lichtführung: Hervorhebung einer Person oder eines Gegenstandes durch Helligkeit, gleichmäßige Beleuchtung oder Hell- Dunkel- Kontraste, sichtbare oder verdeckte Lichtquell

> Farbigkeit: dominante Farben, Farbkontraste oder Ton- in – Ton, flächige Farbgebung, Konturen oder Punkte, naturalistische oder symbolische Farbgebung

> Figurendarstellung: Bewegung oder Ruhe, Mimik, Gestik

Das entschlüsseln von Bildsprache fällt den Schülerinnen und Schüler sehr schwer, da sie dafür historische Kenntnisse benötigen. Ohne Hilfestellungen von Seiten der Lehrkraft, kommen die Schülerinnen und Schüler nur schwer zu Ergebnissen. Hierbei muss jedoch beachtet werden, dass ihnen nicht zu viele Informationen gegeben werden, da die Schülerinnen und Schüler sonst nicht mehr selbstständig nachdenken und überlegen können. Eine Möglichkeit wäre ein kleines Nachschlagewerk zur Bildsprache im Klassenzimmer auszulegen. Die Schülerinnen und Schüler können während dem Unterricht darauf zugreifen und erarbeiten sich ihre Ergebnisse selbst.

3. Bildinterpretation

Die Deutungen der Bildaussagen werden im historischen Entstehungskontext zusammengefasst.[55]

Anwendung des Analyseschemas am Beispiel eines Porträts

Ludwig XIV. im Krönungsornat (Porträt von Hyacinthe Rigaud, 1701) Quelle: www.wikipedia.org/wiki/Ludwig_XIV (22.06.12)

Bildbeschreibung

Im Porträt fallen verschiedene Dinge auf. Zuerst einmal wäre seine ernste Miene zu nennen. Auffallend sind ebenfalls sein sehr langer Mantel, mit dem es kaum vorstellbar ist, sich zu bewegen, und seine große Perücke. Er hält einen Stock in der Hand und im Hintergrund befindet sich eine Krone.

Bildanalyse

Zum Inhalt des Bildes lässt sich sagen, dass Ludwig XIV als König von Frankreich dargestellt ist. Nun zu den einzelnen Symbolen, die im Bild versteckt sind. Die ernste Miene kann hier als Amtsmiene identifiziert werden. Der lange Mantel ist mit goldenen Lilien, dem Symbol der Bourbonenherrscher, geschmückt und innen mit Hermelin- Pelz gefüttert. Es handelt sich dabei um den Krönungsmantel. Ebenso die Krone, ist die französische Königskrone und bei dem Stock handelt es sich um das Zepter. Zu erwähnen ist hierbei auch, dass Perücken, zu dieser Zeit, getragen wurden. Die des Königs war aber, zur besonderen Wirksamkeit, höher und länger, als die der Anderen. Der König ist in der Mitte des Bildes platziert, in der der Mantel sehr betont hervorsticht. Durch den im Bild, immer wiederkehrenden Lilienstoff, wird die Zusammengehörigkeit von den Herrschaftsinsignien (Mantel, Krone und Thron) deutlich. Außerdem wird das Bild von den Farben, Weiß und Rot und Blau mit Gold, beherrscht. Alles was im Hintergrund zu sehen ist, ist eine inszenierte Darstellung eines Raumes, der in dieser Weise, nicht existiert hat.

Bildinterpretation

Da der König selbst den Auftrag für das Bild gegeben hat, lässt sich daraus schließen, dass er als großer absolutistischer Herrscher gesehen werden wollte. Das gesamte Bild ist gestellt und jeder Gegenstand wurde mit Absicht platziert. Ebenso unterstreicht die enorme Größe des Bildes diese Vermutung.[56]

Einsatz im Unterricht

Für den Unterricht gilt, dass die Stufen nicht zwingend nacheinander durchgeführt werden müssen. Es bestehen vielerlei Variationsmöglichkeiten. Einzelne Schritte können sowohl verkürzt, verlängert oder sogar weggelassen werden. Ebenso gilt, dass nicht jedes Bild im Unterricht detailliert erschlossen werden muss.[57]

Pandels Kritik an der Geschichtsdidaktik

Laut PANDEL führt die Geschichtsdidaktik keine richtige Bildinterpretation durch. Es handelt sich eher, um pädagogische Herangehensweisen und Überlegungen wie ein Bild im Unterricht eingesetzt werden kann. Das zu interpretierende Bild steht im Hintergrund während die Schülerinnen und Schüler im Vordergrund sind. Da der Umgang mit Bildern um einiges schwerer ist, als die Verwendung von Texten, muss ein neues Analyseschema entwickelt werden.[58]

Bildinterpretation nach Pandel

Bei einer Interpretation eines Bildes müssen nach PANDEL vier unterschiedliche Sinnschichten erschlossen werden:

1. Erscheinungssinn 2. Bedeutungssinn 3. Dokumentensinn 4. Erzählsinn

1. Erscheinungssinn

Das Bild wird ohne Deutung beschrieben. Hierbei spielen die Mimik, Gestik, Farben, Posen und vieles mehr, eine Rolle. In der Phase der Beschreibung darf nur Alltagswissen verwendet werden.

2. Bedeutungssinn

Der Bedeutungssinn des gesamten Bildes wird erschlossen. Dieser Schritt bereitet den Schülerinnen und Schüler Probleme, da näheres Wissen von historischen Zusammenhängen verlangt wird. Die Vergangenheit, sowie andere Kulturen müssen genauestens bekannt sein. Um den gesamten Bedeutungssinn erschließen zu können, ist es notwendig Fachliteratur zum Vergleichen und Nachschlagen heranzuziehen. Auch hier ist es sinnvoll, im Klassenzimmer, selbst erstellte Nachschlagewerke, für die Schülerinnen und Schüler bereitzustellen.

3. Dokumentensinn

In der Einfügung dieses Schrittes, vollzieht sich die Umformung des Panofskyschen Schemas durch Rainer Wohlfeil.

Auf dieser Ebene wird gefragt, wofür das Bild steht und wofür es ein Dokument ist. In der Kunstgeschichte spielt es eine Rolle, von wem ein Bild gemalt worden ist und wer es in Auftrag gegeben hat. In der Geschichte jedoch, ist der Maler meistens unbekannt, wodurch man keine Interpretationshinweise aus der Biographie des Malers entnehmen kann. In der Geschichte ist es wichtig zur welcher sozialen Schicht oder Gruppe ein Bild gehört, da sich dadurch die Absicht hinter dem Bild erkennen lässt. Es macht zum Beispiel einen enormen unterschied, "ob ein Soldat der deutschen Wehrmacht oder ein Angehöriger einer Widerstandsgruppe Verbrechen fotografiert."[59]

Durch den Betrachter eines Bildes lässt sich ebenfalls einiges erschließen. Diesen kann man durch den Präsentationsort des Bildes herausfinden. Für den Dokumentensinn ist eine "exakte Rekonstruktion des <historischen Kontextes>" notwendig[60], wofür wiederum viel historisches Wissen benötigt wird.

4. Zeitsinn

Um ein Bild verstehen zu können, muss klar gestellt werden, was vor und nach einem Bild geschehen ist. Erst dadurch erlangt „Bildinterpretation jene narrative Qualität, die für Geschichte typisch ist.“[61]










wichtige Links

Literatur

Sauer, Michael: Bilder im Geschichtsunterricht, Typen Interpretationsmethoden Unterrichtsverfahren. Seelze-Velber: Kallmeyer‘sche Verlagsbuchhandlung 2003

Bergmann, K./Schneider, G.: Das Bild. In: Mayer, U./Pandel, H.-J./Schneider, G. (Hrsg): Handbuch Methoden im Geschichtsunterricht (S.211-254). Schwalbach/Ts: Wochenschau Verlag 1999

Bernhardt, M.: Verführung durch Anschaulichkeit, Chancen und Risiken bei der Arbeit mit Bildern zur mittelalterlichen Geschichte. In: Bernhardt, M., Henke-Bockschatz, G. & Sauer, M. (Hrsg): Bilder-Wahrnehmungen-Konstruktionen. Reflexion über Geschichte und historisches Lernen. Festschrift für Ulrich Mayer zum 65.Geburtstag (S.47 - 61). Schwalbach/Ts: Wochenschau Verlag 2006

Gautschi, P. & Binnenkade, A.: Ansicht, Einsicht, Übersicht, Aussicht. Die Funktionen von Bildern im Schulgeschichtsbuch 2Viele Wege - eine Welt“. In: Bernhardt, M., Henke-Bockschatz, G. & Sauer, M. (Hrsg): Bilder-Wahrnehmungen-Konstruktionen. Reflexion über Geschichte und historisches Lernen. Festschrift für Ulrich Mayer zum 65.Geburtstag (S.104-118). Schwalbach/Ts: Wochenschau Verlag 2006

Pandel, H.-J.: Bildinterpretation. In: Mayer, U./Pandel, H.-J./Schneider, G. (Hrsg): Handbuch Methoden im Geschichtsunterricht (S.172-187). Schwalbach/Ts: Wochenschau Verlag 2004

Sauer, M.: Bilder im Geschichtsunterricht. Typen Interpretationsmethoden Unterrichtsverfahren. Seelze-Velber: Kallmeyersche Verlagsbuchhandlung 2003



Verweise

  1. vgl. Bergmann 1999, 217-218
  2. vgl. Pandel 2004, 172
  3. vgl. Sauer 2003, 141
  4. Sauer 2003, 141
  5. Sauer 2003, 145
  6. vgl. Sauer 2003, 145
  7. Sauer 2003, 153
  8. vgl. Sauer 2003, 160
  9. eigene Definition (Seminar)
  10. vgl. Sauer 2003, 160
  11. vgl. Sauer 2003, 160
  12. vgl. Sauer 2003, 161
  13. vgl. Sauer 2003, 161
  14. vgl. Sauer 2003, 161
  15. vgl. Sauer 2003, 161
  16. vgl. Bergmann 2004, 68
  17. Sauer 2003, 47
  18. vgl. Sauer 2003, 47-48
  19. Sauer 2003, 112
  20. Gautschi & Binnenkade 2006, 104
  21. vgl. Sauer 2003, 31
  22. vgl. Sauer 2003, 42
  23. vgl. Sauer 2003, 42
  24. vgl. Sauer 2003, 43
  25. vgl. Sauer 2003, 44
  26. Bernhardt 2006, 51
  27. vgl. Sauer 2003, 44
  28. vgl. Sauer 2003, 45
  29. vgl. Sauer 2003, 45
  30. vgl. Bernhardt 2006, 52
  31. Sauer 2003, 21
  32. vgl. Sauer 2003, 20f
  33. Sauer 2003, 22
  34. vgl. Sauer 2003, 21f
  35. Bernhardt 2006, 54
  36. vgl. Bernhardt 2006, 56
  37. Bernhardt 2006, 54
  38. Sauer 2006, 23
  39. Bernhardt 2006, 54
  40. vgl. Sauer 2003, 20ff
  41. vgl. Sauer 2003, 34
  42. vgl. Sauer 2003, 36
  43. vgl. Sauer 2003, 31-41
  44. Pandel 2004, 173
  45. vgl. Pandel 2004, 173
  46. Pandel 2004, 173
  47. vgl. Bernhardt 2006, 53
  48. vgl. Pandel 2004, 173
  49. Pandel 2004, 173
  50. Bernhardt 2006, 57
  51. Pandel 2007, 184
  52. Pandel 2007, 172
  53. vgl. Pandel 2007, 172
  54. vgl. Sauer 2003, 16
  55. vgl. Sauer 2003, 16
  56. vgl. Sauer 2003, 17-18
  57. vgl. Sauer 2003, 18
  58. vgl. Pandel 2007, 172- 173
  59. Pandel 2007, 180
  60. Pandel 2007, 180
  61. Pandel 2007, 181